Bauhaus: Ausstellung von Molitor

Fotograf Jean Molitor.

Ob Wohnhäuser, Bürogebäude, Hotels, Feuerwachen, Schulen oder Tankstellen – der Berliner Fotograf Jean Molitor war mit der Kamera auf allen Kontinenten unterwegs, um Bauhausarchitektur  aufzuspüren. 50 seiner Fotos sind bis Ende Juni in der Landesvertretung Thüringens in der Mohrenstraße 64 zu sehen. Der Eintritt ist frei.

In zwei Jahren feiert das Bauhaus sein 100-jähriges Jubiläum. 1919 war die bedeutendste Kunst-, Design- und Architekturschule des 20. Jahrhunderts in Weimar von Walter Gropius gegründet worden. Und auch wenn das Bauhaus nur von 1919 bis 1933 existierte, so prägt es bis heute weltweit Kunst, Architektur und Design.

Die Feuerwache in Miami.

Der renommierte Berliner Fotograf Jean Molitor spürt diese Einflüsse seit zehn Jahren auf. Schlüsselerlebnis war für ihn ein Auftrag im ostafrikanischen Burundi. Mit finanzieller Unterstützung der Botschaften von Frankreich und Deutschland fotografierte er in der Hauptstadt Bujumbura. Die daraus entstandene erste Ausstellung sorgte für großes politisches Interesse und hat die Leidenschaft des Fotografen für die klassische Moderne entfacht und er hat das Projekt „bau1haus“ ins Leben gerufen. Fortan reiste Jean Molitor nach Russland, Israel, Afghanistan und Indien, in die USA, in den Kongo, nach Guatemala. In bisher 25 Ländern hat er über 500 Gebäude fotografiert. „Mein Ziel ist, ein weltweites Archiv der vom Bauhaus und dem Geist jener Epoche inspirierten Architektur zu schaffen. Mit meinen Fotografien kämpfe ich gegen die Zeit und auch gegen das Vergessen“, sagt er. Denn oft hat er erfahren müssen, dass die Menschen gar nicht wissen, welche architektonischen Perlen sie in ihrem Wohnumfeld haben.

Eines der Meisterhäuser in Dessau.

Doch Molitor zeigt in seinen Fotos nicht nur die architektonische Schönheit, denn viele Bauten sind auch dem Verfall preisgegeben oder vom Abriss bedroht. Mit seinen Fotos möchte er auch auf diese Situation aufmerksam machen und das Bewusstsein von Bewohnern und Behörden wachrütteln, sich diesem Erbe anzunehmen.

Ein ehemaliges Filmtheater in Afghanistan.

Die Besonderheit der Bauhaus-Fotografien von Jean Molitor besteht darin, dass die Gebäude immer mit derselben fotografischen Handschrift aufgenommen werden. Sie sind so sachlich, nüchtern und klassisch wie die Bauhaus-Architektur selbst. Die Aufnahmen konzentrieren sehr bewusst ganz auf die Gebäude. Menschen sind nur selten zu sehen.

Partner dieses künstlerischen wie dokumentarischen Projektes ist die Beuth Hochschule für Technik in Berlin. Um das Archiv des modernen Bauens der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu vervollständigen, hofft Jean Molitor auf weitere Unterstützung. „Derzeit sind wir auf der Suche nach privaten und institutionellen Förderern. Auch hilft jeder Hinweis auf bislang verkannte Bauhaus-Architektur dem Projekt weiter – besonders in fernen Ländern“, so der Fotograf.

Seine fotografierten Häuser illustrieren das weltumspannende Projekt „bau1haus“ und haben das Potenzial, zu einem Auftakt der Bauhausfeierlichkeiten anlässlich des Jubiläums „100 Jahre Bauhaus“ im Jahre 2019 zu werden, so die Münchner Architekturhistorikerin und Publizistin Dr. Kaija Voss, mit der Jean Molitor eng zusammenarbeitet.

Text: Bärbel Arlt
Fotos: Jean Molitor