Bienen auf dem Dach und Skandinavien im Zimmer

Das Scandic-Hotel am Potsdamer Platz feiert am 1. Oktober seinen 7. Geburtstag. Mit seinem ökologischen Konzept und der skandinavischen Atmosphäre hat es sich in Berlins City fest etabliert und gehört bei den Gästen zu beliebtesten Hotels der Stadt. MITTE bitte! im Interview mit Steffen Seichter, Director E-Distribution Germany & Poland:

Herr Seichter, erzählen Sie uns bitte etwas zur Geschichte des Scandic-Hotels in Berlin am Potsdamer Platz.

Das Scandic Berlin am Potsdamer Platz.

Unsere ersten Gäste im Scandic Hotel am Potsdamer Platz haben wir am 1. Oktober 2010 begrüßt, feiern in diesem Jahr unseren 7. Geburtstag und haben damit das sogenannte verflixte siebte Jahr gut überstanden. Der Standort für dieses Hotel war sehr bewusst gewählt worden. Immerhin ist der geschichtsträchtige Potsdamer Platz im Herzen Berlins selbst eine Attraktion. Andere Highlights wie Brandenburger Tor, Gendarmenmarkt, Holocaust-Mahnmal sind zu Fuß bequem zu erreichen. Auch viele Unternehmen haben sich hier angesiedelt. Außerdem steht das Hotel „über“ der U-Bahn-Linie 2 mit der Station Mendelsohn-Bartholdy-Park. Damit erreichen unsere Gäste jedes weitere Zentrum Berlins ohne Schwierigkeiten.

Wie sieht die Bilanz des Hotels sieben Jahren nach der Eröffnung aus?

Wir sind sehr zufrieden mit der Entwicklung. Wenn man berücksichtigt, dass die Markenbekanntheit von Scandic vor sieben Jahren verschwindend gering war, haben wir einiges erreicht und zählen heute zu den Top-Tagungshotels sowie zu den 50 beliebtesten Hotels in Berlin.

Welche Gäste sprechen Sie vor allem an?

Aufgrund der Tagungskapazitäten begrüßen wir in der Woche überwiegend nationale und internationale Tagungsgäste und Geschäftsreisende. Am Wochenende sind wir äußerst beliebt bei Individual-Touristen und Familien. Gerade die skandinavische Offenheit für Familien unterscheidet uns deutlich von einem klassischen Stadthotel. Zusätzlich sprechen wir mit 60 barrierefreien Zimmern und 100 Prozent barrierefreien öffentlichen Bereichen eine breitere Zielgruppe an.

Welche Standards bieten Sie Ihren Gästen?

Unsere 561 Zimmer sind ökologisch eingerichtet, das heißt mit natürlichen Materialien und klarem Interieur, das keine Fragen aufwirft. Doch besonders wichtig ist uns, dass sich der Gast willkommen fühlt. Er soll nicht erschlagen werden von übertriebenen Konzepten. Wir begrüßen die Gäste, als wären sie bei Freunden. Nicht umsonst heißt unser Stammgastprogramm „Friends“.

Das Haus steht für Umweltfreundlichkeit und nordische Gastlichkeit.

Scandic hat seine Wurzeln in Schweden. Wie viel Schweden ist im Berliner Scandic-Hotel am Potsdamer Platz?

Das Designkonzept macht uns zum wohl schwedischsten Hotelerlebnis außerhalb Schwedens. Wenn Kollegen aus Schweden bei uns zu Gast sind, hören wir häufig, dass unser Hotel mehr Schweden ist als Schweden selbst. Wir leben explizit das Nordische und haben damit ein Alleinstellungsmerkmal in Berlin. So steht am Hoteleingang Elch Lasse. Die Mitarbeiter tragen nur den Vornamen auf dem Namensschild und Jeans als Dienstkleidung. Unsere Zimmer und Etagen präsentieren sich in den Farben und der Atmosphäre der vier Jahreszeiten in Skandinavien.

Wie stellt sich das dar?

Die Lobby zum Beispiel versprüht winterliche Atmosphäre. Dort wird der Gast mit dem Bild einer Rentierherde in einem schneebedeckten Wald begrüßt. Akustisch wird in den Winteretagen das Pfeifen des Windes über Schnee eingespielt, wenn eine Lichtschranke durchbrochen wird. Um das Eis schon im Fahrstuhl zu brechen, singen Vögel auf dem Weg zur Zieletage. Die 16 Tagungsräume tragen Namen von Tieren und Städten Skandinaviens sowie den des Polarlichtes, Aurora borealis, dessen Farben im Teppich verwoben sind.

Die Scandic-Hotelgruppe setzt bereits seit 1993 auf umweltfreundlichen Tourismus und war damit Vorreiter in der Branche. Warum ging Scandic diesen Weg?

Hier spielt unsere Herkunft eine entscheidende Rolle, nicht umsonst sind nordische Hauptstädte führend in „Green City“ Indexe. Wir haben frühzeitig erkannt, dass konsequenter Umweltschutz und unternehmerische Verantwortung für Umwelt und Soziales im Hotel dazu führt, dass das Haus für den Gast auch attraktiver wird.

Können Sie das konkretisieren?

Wir nutzen ausschließlich energieeffiziente und nachhaltige Materialien. Hier prägt uns der Leitfaden: Was wir an Materialien auswählen, muss an die Natur zurückgegeben werden können. Und durch den Verzicht auf Einwegartikeln ist uns bereits im ersten Jahr der Umsetzung dieses ökologischen Anspruchs gelungen, in damals rund 160 Scandic-Hotels im gesamten Hotelbetrieb 50.000.000 Einwegartikel einzusparen – genug, um ein Olympiabecken zu füllen. Bis 2025 wollen wir die CO2-Emissionen aus fossilen Brennstoffen auf null reduzieren. Deshalb beziehen wir Ökostrom sowie Fernwärme und Fernkälte, die lokal in der benachbarten Stresemannstraße erzeugt werden.

Wo spürt der Gast diese Nachhaltigkeit noch?

Neben Einwegartikeln verzichten wir konsequent auf Tischwäsche und Stoffservietten. Bei Speisen und Getränken setzen wir auf lokale und ökologische Produkte und Dienstleister. Beim Frühstück werden rund 35 Prozent aller Produkte in Bioqualität angeboten. So wird das Scandic Wasser ohne Transport vor Ort gefiltert und abgefüllt, die Bio-Milch kommt aus Brandenburg, der Kaffee in Bio & Fairtrade Qualität aus Vollautomaten und der Honig im Tee des Restaurants von den Bienen auf unserem Hoteldach.

Auf dem Dach leben Bienen und produzieren den Honig für das Hotel.

Sie haben Bienen auf dem Hoteldach?

Ja, rund 700.000 Bienen tummeln sich dort. Wir haben die Chance genutzt, den nicht durch Klimatechnik verbauten Platz auf dem Flachdach effektiv zu nutzen und Honigdamen dort ansiedelt. Die Nähe zum Tiergarten, zum Park am Gleisdreieck oder dem Kreuzberg bieten ihnen genügend Nahrungsquellen. Mit dem produzierten Honig süßen wir zum Beispiel Tees und Desserts. Nicht zuletzt ist er ein beliebtes, authentisches, lokales Souvenir auf Bio- Qualität. Und unsere Stammgäste bekommen ihn als Geschenk.

Wie kommt das Bienenhotel bei den Gästen an?

Super, wir haben eine sehr große Anzahl an Anfragen von Gästen, Tagungsgruppen und Kindern, welche die Bienen am liebsten sofort besichtigen würden. Nicht alle Wünsche können wir erfüllen. Aber die Bienen haben durchaus regelmäßig Besuch von Gästen.

Wer kümmert sich um die Bienen?

Wir haben mit der Imkerei am Pflanzgarten einen tollen Partner gefunden, der die Bienen ganzjährig betreut und den produzierten Bio-Honig für uns abfüllt unter der Marke „Bee amongst Friends“

Kann auch der Gast selbst den ökologischen Anspruch des Hotels unterstützen?

Wir binden ihn unaufdringlich in das Konzept mit ein. Er unterstützt uns im Zimmer bei der Mülltrennung, die Klimatisierung funktioniert nur bei geschlossenem Fenster, Strom fließt nicht im Zimmer ohne eingesteckte Zimmerkarte, Kosmetikprodukte sind Bio-zertifiziert und nachfüllbar. Im Zimmer wird der Gast begrüßt mit einer Gratis-Wasserflasche von „Viva Con Aqua“ und hilft uns damit beim Spendensammeln:  Die Erlöse des gemeinnützigen Vereins ermöglichen weltweit Menschen Zugang zu sauberem Trinkwasser.

Steffen Seichter mit Elch Lasse vor dem Hotel Scandic.

Für sein  Nachhaltigkeitskonzept wurde das Hotel mehrfach ausgezeichnet, unter anderem mit der Silbermedaille der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen. Wie wichtig sind Ihnen diese Auszeichnungen?

Da wir bewusst auf Hotelsterne verzichten wollen, bieten diese Auszeichnungen, die von unabhängigen Institutionen und Verbänden vergeben werden, ein hohes Maß an Transparenz und Orientierung für all unsere Gäste.

Darf sich Berlin auf ein weiteres Scandic-Hotel freuen?

Mit dem Scandic am Potsdamer Platz und am Kurfürstendamm haben wir bereits zwei Hotels in Berlin. Ob es ein drittes geben wird, wissen wir noch nicht. 2018 aber kommt noch ein Scandic nach Frankfurt. Damit gibt es dann fast 230 Scandic-Hotels in sieben Ländern.

Herr Seichter, vielen Dank für unser Gespräch!

Das Interview führte Bärbel Arlt.


SCANDIC BERLIN POTSDAMER PLATZ
Gabriele-Tergit-Promenade 19
www.scandichotels.de