Die Methode der starken Frauen

Seit zwei Jahren ist Heidi Hetzer auf Weltumrundung.
Seit zwei Jahren ist Heidi Hetzer auf Weltumrundung.

Es gibt wohl niemanden in Berlin, der den Namen der Rallyefahrerlegende Heidi Hetzer nicht kennt. Die Tochter eines Opel-Händlers und gelernte Kfz-Mechanikerin hat den Familienbetrieb nach dem Tod des Vaters im Jahr 1969 übernommen und zu einem der größten Autohäuser Berlins ausgebaut. Ein geruhsames Rentnerleben kennt und mag sie nicht – vor zwei Jahren ist sie noch einmal durchgestartet, im Alter von 77 Jahren. Gestartet auf eine Weltumrundung mit einem Auto namens Hudo, das noch älter ist als sie. Wann sie zurückkommt, „hängt von Hudo ab, wie ihm zumute ist“, sagt sie. „Im Moment möchte er direkt nach Hause. Aber ich lasse den fünften Erdteil nicht aus. Also füttere ich ihn gut und erzähle ihm von den interessanten Tieren in Afrika.“ Auf die Frage, warum sie ihren Plan unbedingt bis zum Ende durchziehen will, antwortet sie, dass sie schon immer gerne gereist sei, um andere Länder und Leute kennenzulernen und weil sie nichts anderes könne als Autofahren.

Hetzer (2)
Mit ihrem Auto Hudo bereist sie die Welt.

2012 hat sie ihr Unternehmen verkauft. Selbst da war sie schon 75 Jahre alt. Aber die Füße hochlegen und sich plötzlich auf die Gartenarbeit oder das Stricken zu beschränken, kam ihr nicht in den Sinn. Dass das nicht funktionieren würde, wussten sogar ihre Kinder. „Mama, du stirbst, wenn du nicht arbeitest, also was willst du tun?“ Da hat sie sich zu einer Weltreise entschlossen, wie andere zu einem Urlaub im Harz.

Ihr großes Vorbild dabei: Clärenore Stinnes, die 1927 bis 1929 als erster Mensch überhaupt mit einem Auto um die Welt gefahren ist. „Und jetzt habe ich das Gefühl wie diese unglaubliche Frau damals.“ Woher kommt diese Stärke? Hetzer glaubt, dass es daran liegt, dass sie keinen Bruder hatte und dem Vater so den Sohn ersetzen musste, den der gern für sein Motorrad- und Autogeschäft gehabt hätte. „So konnte ich seine Rolle übernehmen und bin in das Unternehmen hineingewachsen. Aber ich habe mich auch für die Technik interessiert und Tag und Nacht für das Unternehmen gekämpft. Nur so wird man stark und erfolgreich,“ sagt die quirlige Frau.

Heidi Hetzer will nicht zum alten Eisen gehören.
Heidi Hetzer gehört lange nicht zum alten Eisen. Fotos: Michael Dyne Mieth

Und da ist noch etwas, was sie allen, insbesondere den Älteren, zuruft: „Geht runter von der Couch und tut etwas! Was, ist völlig egal, aber irgendetwas geht immer.“ Und den Frauen will sie sagen: „Traut euch etwas, ihr könnt viel mehr, als ihr denkt!“ Gerade jetzt auf ihrer Reise falle ihr auf, dass viele Frauen ihren Mut bewundern. Einige hätten ihr sogar schon geschrieben, dass sie sie zu Dingen motiviert habe, die sie sich vorher nicht zugetraut hätten. Mit ihrem Zieleinlauf in Berlin – eigentlich für das kommende Weihnachtsfest geplant – hat sie es nicht eilig. Und so kann es auch durchaus März 2017 werden. „In meinem Alter ist es doch egal, wann ich nach Hause komme. Das Brandenburger Tor wird schon noch dastehen und auf mich warten.“
www.heidi-um-die-welt.com

Von anderen starken Frauen kann man in unserer Printausgabe MITTE bitte! lesen.