Historisch: Maschinenfabrik Flohr

Historien-Autor Harald Neckelmann nimmt uns in dieser Folge mit in die Oranienburger Vorstadt, die sich im 19. Jahrhundert zu einem bedeutenden Industriestandort entwickelte: Eisengießereien und Maschinenbaubetriebe siedelten sich hier an.

Chausseestraße 35
Ein Werbeplakat von 1925 für die Carl Flohr AG.
Eine Werbeanzeige von 1925 für die Carl Flohr AG.

Zu der früheren Maschinenfabrik Flohr in der Chausseestraße 35 muss der Besucher seitlich hinter das „Tryp Berlin Mitte“-Hotel gehen. In den 1844 errichteten Fabrikgebäuden stellte der Österreicher Georg Sigl Druckereimaschinen her. 1887 kauften Theodor Lissmann und Carl Flohr die Gebäude. Um Fahrstühle und Paternosteraufzüge herzustellen, wurde ihre Fabrik 1900 bis 1908 erweitert. Das Hauptgebäude ist ein rotgelber Klinkerbau mit einer Durchfahrt zu zwei Höfen. In den Hofbereichen stehen zwei- bis fünfgeschossige rote Backsteinhäuser. Sie werden heute für Eigentumswohnungen genutzt. Die von Flohr gefertigten Maschinen und Anlagen hatten einen guten Ruf, so dass ihm auch wichtige Projekte übertragen wurden. Für das Berliner Stadtschloss baute die Maschinenfabrik 1898 einen Aufzug mit hydraulischen Antrieb und 1926 den Aufzug im Funkturm. Im zweiten Hof befinden sich an der Chausseestraße ein später errichtetes Heizhaus und ein Schornstein. Viele technische Weiterentwicklungen im Aufzugsbau gingen auf Flohr und sein Unternehmen zurück und flossen zum Teil in die technische Normung und in die gesetzlichen Bestimmungen ein. 1951 fusionierte die Firma Carl Flohr mit der New Yorker Fahrstuhlfirma Otis zur deutschen Flohr-Otis mit Sitz in Reinickendorf.

Die Aufzugsfabrik Carl Flohr wurde 1844 errichtet.
Foto: Oesta