Kunst zwischen Gegenstand und Abstraktion

Dikmayer (4)Jährlich wechselnde Werkausstellungen, Internationale Kunstmessen – wenn einer es schafft, den unterschiedlichsten Genres der Kunst einen geordneten und übersichtlichen Rahmen zu geben, dann Galerist Joachim Dikmayer, seit 25 Jahren Inhaber der Galerie Dikmayer Berlin Mitte. Im Vorfeld der 19. Internationalen Kunstmesse, die vom 27. Mai bis zum 11. Juni im Atrium des Internationalen Handelszentrums (IHZ) stattfindet, haben wir von MITTE bitte! mit dem Kunstkenner ein Interview geführt.

Herr Dikmayer, die Vorbereitungen zur 19. Internationalen Kunstmesse ART Berlin City laufen in vollem Gang. Was steckt dahinter?

Das Konzept ist es, zeitgenössische und aktuelle Kunst in den Focus des Geschehens zu bringen und an einem herausragenden Standort des Kunsthandels zu präsentieren. Nachdem wir anfangs hauptsächlich Einzel- und Werkausstellungen in unserer Galerie gezeigt haben, veranstalten wir nun schon seit 1998 – damals unter anderem im Palais am Festungsgraben – Internationale Kunstmessen. Spannend dabei war für uns vor allem der repräsentative Charakter des Palais und die damals prominenten Partner und Nachbarn, wie zum Beispiel Sotheby’s.

Zu denen hatten Sie einen guten Draht?

Dr. König, der damalige Geschäftsführer von Sotheby’s, sprach einige Male auf unseren Vernissagen oder besuchte einfach Ausstellungen der Galerie. Die war ja sozusagen um die Ecke innerhalb des Palais. Leider gab das berühmte Auktionshaus wegen rückläufiger Umsätze 1995 seinen Sitz in Berlin auf.

Und auch Sie sind mit der Internationalen Kunstmesse umgezogen…

2004 sind wir mit der Kunstmesse in das Atrium des Internationalen Handelszentrums in der Friedrichstraße gezogen. Damit wird der Ausstellung und den Besuchern ein repräsentatives Forum geboten. Und dies alles unweit der Regierungs- und Parlamentsbauten und der Geschäftssitze der Bundesverbände aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Kunst in einer pulsierenden Großstadt.
Das Palais bot damals im Inneren des Gebäudes und in seinem Umfeld keine ausreichenden Ausstellungs- und Vermarktungsbedingungen mehr. Viele Künstler und Besucher der Galerie verstanden diesen Wechsel nicht, aber der Kunstmarkt hat seine eigenen Gesetze.

Auch Ihrer Galerie haben Sie inzwischen einen festen Standort verpasst…

Mit der Niederlassung auf der Fischerinsel bekam die Galerie eine sehr modern wirkende Kunsthalle als Galerieladen auf einer Fläche von 170 Quadratmetern. Die Künstlerin Marianne Pladeck arbeitet beispielsweise seitdem regelmäßig hier und bezeichnet es als einen „irren Raum, ähnlich wie bei den Bauhäuslern in den zwanziger Jahren“. Sie kann dort einfach wunderbar arbeiten. Und auch wir konnten unsere galeristische Arbeit intensivieren und unser Ausstellungs- und Vermarktungskonzept konzentrieren. In diesem Jahr feiern wir übrigens das 25jährige Jubiläum unserer Galerie Dikmayer.

Herzlichen Glückwunsch! Gibt es denn Kooperationspartner?

Das eigentliche Ziel eines Künstlers und auch einer Galerie ist es ja, dass die Werke in einem Museum gezeigt und im besten Fall angekauft werden. Seit Anbeginn verbindet die Galerie eine enge partnerschaftliche und freundschaftliche Zusammenarbeit und Kooperation mit Dr. Volker Kielstein, Direktor des Henry van de Velde Museums Gera. Drei erfolgreiche Ausstellungen konnten vor allem in den letzten Jahren dort im Museum präsentiert werden und alle Künstler kommen aus Berlin: Maler Bernd Schiller, Fotograf Jean Molitor, und Bildhauerin Heidrun Feistner.

Woher kommen Ihre Künstler und Kunstwerke eigentlich?
"Die alte Hure Kunst" von Torsten Gebhardt.
„Die alte Hure Kunst“ von Torsten Gebhardt.

Die Künstler kommen aus Europa, Asien, Amerika und Australien. Wir versuchen, Kunst zwischen Gegenstand und Abstraktion auszustellen. Ein Dogma gibt es dabei nicht, die Werke sollen einen hohen ästhetischen Anspruch und vor allem Qualität ausdrücken und natürlich verkauft werden. Ich setze mich auch schon mal ins Auto und hole Bilder aus Paris, London, Lissabon, Köln, Frankfurt/Main, München, Hamburg, Prag und Monaco oder sonst wo her. So gelingt es uns immer wieder, neue und interessante Künstler oder Galerien aus Europa und der Welt nach Berlin zu holen.

Also wechselt die Kunstrichtung auch oder gibt es Dauerbrenner?

Dikmayer (9)2011 bis 2012 präsentierte die Galerie das erste Mal in Berlin in einer Preview und Dauerausstellung Werke zum international weiterverzweigten Phantastischen Realismus. Dazu gehören die Gründer und Hauptvertreter der Schule wie Ernst Fuchs, Rudolf Hausner, Arik Brauer, Anton Lehmden, Helmut Leherb und Güterslohs Sohn Wolfgang Hutter. Es folgten Künstler der sogenannten Next-Generation wie Otto Rapp, Christian Flora, Jolanda Richter, Michael Fuchs, Peter Gric, Rita Stern und viele mehr. Aber auch ausländische Künstler wie Martine Rhyner und Michéle Gschwind aus der Schweiz, Jean Calvus aus Österreich oder Ivan Ferencak aus Kroatien.

Worauf können wir uns bei der diesjährigen Internationalen Kunstmesse einstellen?
Galerist Joachim Dikmayer feiert 25-jähriges Bestehen.
Galerist Joachim Dikmayer feiert 25-jähriges Bestehen.

In diesem Jahr werden etwa 15 Künstler aus Europa, Asien und Amerika erwartet. Alle vereingt die gegenständliche phantastische und abstrakte Malerei. Unsere Galerie arbeitet vor, während und nach der Messe intensiv mit Berliner Auktionshäusern, renommierten Sammlern und Museen zusammen. Dazu gehören das Henry van de Velde Museum, Haus Schulenburg Gera mit einer Kabinett-Ausstellung des Berliner Malers Bernd Schiller, der Kunstsammler Vincent Daniel Brunner aus Zürich und das Phantastenmuseum Wien.

Herr Dikmayer, wir wünschen Ihnen viel Erfolg für die nächsten 25 Jahre und die Kunstmesse in einigen Wochen und danken Ihnen für das Gespräch!

Das Interview führte Anja Strebe.

Neues_Logo_13_MitteART Berlin City 2017 – Internationale Messe für zeitgenössische Kunst

27.05.–11.06.2017
Standorte: Atrium Internationales Handelszentrum IHZ, Friedrichstraße 95,
Ausstellungszentrum der Galerie Dikmayer Berlin Mitte (Fischerinsel-Passagen), Gertraudenstraße 19

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