Mit Diplomatie zum richtigen Kleid

In unserem Interview gibt die Stilberaterin Tipps zum Brautkleid-Kauf.
In unserem Interview gibt die Stilberaterin Tipps zum Brautkleid-Kauf.

Sie nennt sich „Stilberaterin“ und nicht „Modeberaterin“, denn beim Personal-Shoppingservice von Kathrin Hunold stehen nicht die neuesten Trends, sondern Psychologie und Menschenkenntnis im Vordergrund. „Glaubwürdig wirkt Kleidung nur, wenn man Ihnen ansieht, dass Sie die Regeln des eigenen Stils beherrschen und vielleicht sogar bewusst brechen. Insofern erfordert Stil in erster Linie Nachdenken über sich selbst“, schreibt die Wahlberlinerin im Vorwort zu ihrem Buch „Stil. Der perfekte Look für jede Frau“. Wir haben sie gefragt, was sie einer Braut beim Kleiderkauf raten würde.

Frau Hunold, kann man beim Kauf eines Brautkleides etwas falsch machen?

Ein Brautkleid wird in den meisten Fällen nur ein einziges Mal gekauft. Nicht zuletzt deshalb wird dem Brautkleid bei den Hochzeitsvorbereitungen eine ganz besondere Rolle beigemessen.

Worauf sollte denn eine angehende Braut bei der Auswahl ihres Kleides achten?

Viele meiner Kundinnen unterschätzen einfach den Zeitfaktor. Die meisten Geschäfte haben nur eine Art Probierexemplar im Laden hängen. Das eigentliche Kleid wird dann erst beim Hersteller bestellt, muss teilweise nach der Lieferung noch in Länge und anderen Details angepasst werden. Da sollte die zukünftige Ehefrau mindestens ein halbes Jahr Vorlauf einplanen.

Ist Weiß noch „in“ oder welchen Farbton würden Sie einer Braut empfehlen?

Meistens geht es ja dabei nur um die Frage, ob „Creme“ oder lieber ein „reines Weiß“. Die Zeiten, in denen das reine Weiß als Sinnbild für die Jungfräulichkeit stand, sind sicher vorbei. Vielen Frauen steht ein etwas abgeschwächter Weißton besser, da es sie nicht so blass macht. Ein strahlendes Weiß wiederum steht Frauen mit einem kühleren Hautunterton und starken Gesichtskontrasten.

Welche Brautkleider werden momentan besonders gerne gekauft?

Ich kann einen leichten Trend zur „Retrooptik“ erkennen. Eng anliegende Formen mit einem vom Knie an ausgestellten Rock und natürlich immer noch Kleider, wie sie die englische Herzogin Kate vor einigen Jahren zu ihrer Hochzeit trug.

Wahrheit oder Lüge? Sollte man der Braut sagen, wenn ihr ein Kleid nicht steht, obwohl sie sich darin verliebt hat?

Das ist wirklich eine heikle Frage! Würde man der Braut sagen, dass der zukünftige Mann eine „schlechte“ Wahl darstellt? Ich würde auf diplomatische Art und Weise versuchen, der Dame einige Alternativmodelle zu zeigen. Wichtig ist, sie in jedem Kleid zu fotografieren. Häufig geben die Bilder dann einen ganz anderen Blickwinkel preis und die Damen kommen dann meistens – zumindest beim Kleid – von allein zu dem Schluss, dass eine Alternative sinnvoller wäre. Und Fotos überdauern letztendlich die Feierlichkeiten und werden auch später noch angeschaut.

Welche Regeln gelten denn für Schmuck?

Bei cremefarbenen Kleidern würde ich eher „warme“ Töne wie Gold oder Roségold empfehlen. Ein strahlendes Weiß hingegen verträgt Silber ganz gut. Natürlich sind an so einem Tag auch schöne Erbstücke angebracht. Auf keinen Fall sollte es Modeschmuck sein, und die Statementkette bleibt selbstverständlich im Schrank! Wer sich nicht sicher ist, kann ruhigen Gewissens zu einer Perlenkette greifen. Das passt zu jedem Hauttyp und zu jedem Kleid.

Stilberaterin Kathrin Hunold weiß, was Frauen steht und was nicht. Fotos: Alex Gonzalez
Stilberaterin Kathrin Hunold weiß, was Frauen steht und was nicht.
Fotos: Alex Gonzalez

Welchen Tipp können Sie sonst noch empfehlen?

Wichtig ist auf jeden Fall, dass sich der Schnitt des Kleides der Figur anpassen sollte. Frauen mit vielen Rundungen und größerer Konfektionsgröße sollten einen weich fließenden Stoff wählen, der an den stärkeren Stellen nicht aufträgt. Frauen mit kräftigeren Oberarmen sollten darauf achten, sich ein Kleid mit Ärmeln auszuwählen. Ansonsten gilt wie immer beim Kleiderkauf: Die Vorteile seiner Figur betonen, die Nachteile kaschieren. Viele Tipps dazu gibt es übrigens auch in meinem Buch oder in einem persönlichen Termin!

Frau Hunold, vielen Dank für unser interessantes Interview!

Das Interview führte Anja Strebe.