Sawade Berlin: Pralinen- und Trüffelmanufaktur

Immer noch ist Handgemachtes heiß begehrt und erlebt seit Jahren eine wahre Renaissance. In dieser Folge über die Manufakturen in Berlin geht es ganz weihnachtlich um Pralinen und Schokolade. 

Von Hand gefertigte Pralinen.

Man erzählt sich, der charmante Berliner Confiseur Ladislaus Ziemkiewicz, der sein Handwerk in Paris erlernte, habe eine besondere Beziehung zu seiner Berliner Nachbarin aus dem Vorderhaus – Madame Marie de Savadé – gepflegt. Aufgrund dieser Beziehung habe er wiederum seinem 1880 gegründeten Geschäft für hausgemachte Pralinen und Konfekt den Namen Savadé gegeben. Das Konfekt, edel und elegant, wurde damals nur von den „oberen Tausend“ genossen und schon nach kurzer Zeit wurde Savedé „Unter den Linden Nr. 18 & 19“ so bekannt, dass auch Prinz Georg von Preußen und Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach auf diese außergewöhnliche Manufaktur aufmerksam wurden. Sawade wurde königlicher Hoflieferant – eine ganz besondere Auszeichnung.

Den Ersten Weltkrieg schien das Unternehmen, den Aufzeichnungen nach, wohl recht unbeschadet überlebt zu haben, nach dem Zweiten Weltkrieg, überliefern die noch erhaltenen Auftragsbücher, wurden die Produktionsstätten von Sawade über ganz Berlin zersplittert. Man kann anhand der Aufträge verfolgen, dass die Pralinen mit dem Fahrrad von den unterschiedlichsten Standorten zu ihren Kunden geliefert wurden. In den 1950ern wurde Sawade von Georg Hanemann übernommen, der eher ein „sachlich ausgerichtetes Angebot mit marktgerechten Preisen“ anstrebte: „gute Schokolade für jedermann“.

In den 1970er-Jahren gab es einen erneuten Eigentümerwechsel. Der umtriebige Schokoladenfabrikant Ulrich Spengler, der auch schon vorher bei Sawade als Vertriebsleiter gearbeitet hatte, baute die Manufaktur und Marke Sawade erfolgreich aus und errichtete das bis heute bestehende Werk am Berliner Standort Reinickendorf. Sein Sohn Thomas Spengler führte den Betrieb noch zehn Jahre weiter, bis Sawade 2013 Insolvenz anmelden musste.

Benno Hübel erfuhr während einer Autofahrt aus dem Radio von der Insolvenz des Traditionsbetriebs. Als Liebhaber von Kochkunst und Patisserie, der einige Jahre als Unternehmensberater gearbeitet hatte, wurde sogleich hellhörig. Schnell war die Entscheidung gefallen, dass Benno und seine Frau Melanie Hübel diese Manufaktur am Leben erhalten möchten. Am 11.11.2013 übernehmen der gelernte Koch und die Grafikdesignerin die Manufaktur Sawade Berlin. Die hervorragende Qualität, an der der Betrieb – durch alle Höhen und Tiefen hindurch – festgehalten hatte, war für die beiden so überzeugend, sich für diese Manufaktur zu begeistern und sie ins Leben „zurückzuführen“.

Die Angestellten hatten während der Insolvenz weiter produziert, daher konnte das Ehepaar Hübel einen laufenden Betrieb und dessen Mitarbeiter übernehmen. Vor allem sollte nun, neben der herausragenden Qualität und einer Betriebsoptimierung, nun auch mit dem Produkt die Geschichte der Traditions-Manufaktur sichtbar gemacht werden. Was in den letzten Jahrzehnten nicht mehr möglich war, musste jetzt über die Verpackung, das äußere Erscheinungsbild, wieder vermittelt werden. Dass es sich um Ur-Berliner Spezialitäten handelt, wie man sie wirklich nur noch selten in Deutschland finden kann. Die Marke musste wieder „greifbar“ werden.

Melanie Hübel entwickelte mit Berliner Kreativagentur die neuen Verpackungen, die den hochwertigen Inhalt nach außen präsentieren. Auch kehren die Hübels zum alten Logo zurück – ein handschriftlicher Schriftzug, der heute die schönen neuen Pralinenschachteln ziert. Die feste Kartonage, die Farben, kombiniert mit dem feinen Goldband zwischen Deckel und Boden, die schönen Muster, die kleinen Rundschachteln, die ein wenig an Hutschachteln erinnern: All dies vermittelt das Lebensgefühl der 1920er-Jahre – und Genuss pur.

Steckbrief:
Sawade-Stores in Berlin:
Sawade Mitte, Rosenthaler Straße 40–41, 10178 Berlin,
Sawade Charlottenburg, Reichsstraße 95, 14052 Berlin,
Sawade Wilmersdorf, Blissestraße 2, 10713 Berlin.

Sawade Werksverkauf:
Wittestraße 26d
13509 Berlin

Text und Fotos von Ulla C. Binder.