Törtchenzeit

Frau Meissner und der Graf auf der Suche nach der süßen Verführung – Heute: „Hotel Adlon“.

Das Hotel Adlon hatte schon seit 1907 als eines der ersten Hotels Zimmer mit Badewannen. Aus diesem Grunde ging damals Kaiser Wilhelm II. gerne ins Adlon, da sein Stadtschloss noch keine Badewanne besaß. Er verließ nie das Adlon, ohne vorher gebadet zu haben.

Frau Meissner und ich kamen schon frisch gebadet im Adlon an. Als erstes fiel uns die freundliche Art der Angestellten auf. „Empfange deinen Gast so, dass er gern kommt und ungern wieder geht“, sagte schon 1890 Konstanze von Franken.
Die Lounge war gut besucht und wir nahmen in einer gemütlichen Ecke Platz, vis-à-vis vom ehemaligen Verkehrsminister Peter Ramsauer von der CSU, der dort mit seiner Entourage tagte. Der Springbrunnen in der großen Halle sorgte für angenehmes Wohlbehagen.

Wir betrachteten in der Tortenvitrine, die wie ein Kunstwerk in die Wand eingelassen war, das große Angebot von Torten und entdeckten ein Törtchen, das mit „Dessert oft the Year 2017“ ausgezeichnet war. Das wollten wir!

Als die Törtchen uns von charmanter Hand serviert wurden, machte man uns darauf aufmerksam, dass dieses runde „Ding“, das wie eine Zierkirsche aussah, eine Pipette mit karibischem Rum war, die man vor dem Verzehr vorsichtig über das Törtchen träufelt. Nachdem wir alle Vorbereitungen getroffen hatten, betrachteten wir uns die beiden wunderschönen Törtchen aus der Nähe. Sie waren ein Augenschmaus. Meine charmante Tischdame und ich zögerten ein wenig, diese grandiosen Kunstwerke zu zerstören. Doch Frau Meissner sagte nach einer Weile: „Quand le vin est tiré, il faut le boire.“ („Wenn der Wein geöffnet ist, muss er getrunken werden.“) Dann schauten wir uns entschlossen an, nickten uns zu und – stachen mit unseren Tortengabeln hinein!

Was wir nun in unseren Mündern spürten, war ein Geschmackserlebnis sonders gleichen! Sie waren nicht nur ein optischer Genuss. Von Frau Meissner hörte ich nur ein verzücktes: „Himmlisch!“ und „Weltklasse!“
Wir schmeckten eine raffinierte Kombination von kubanischem Tabak, der sich mit weißem Tee aus China vermählte. Untermalt von feinstem karibischen Rum aus der Pipette. Diese und viele andere noch nie vorher geschmeckte Aromen mäanderten durch unsere Münder. Plötzlich huschte Uschi Glas an uns vorbei. Doch was ist schon Uschi Glas gegen dieses Törtchen!
Wir stießen nur noch „Mmh!“- „Ahhh!“- und „Oh!“-Laute aus, so dass die Entourage des Ex-Verkehrsministers schon misstrauisch zu uns herüberschaute. Hier ist mal ein großes Lob an den Chef Patissier auszusprechen!

Dann gingen wir, noch törtchenbeseelt, am Fahrstuhl vorbei, wo gerade Bryan Ferry von „Roxy Music“ auf seinen Lift wartete, in Richtung Ausgang. Glücklich und zufrieden verließen wir nur äußerst ungern das Adlon. Allerdings ohne gebadet zu haben.

 

Hotel Adlon Lobby Lounge & Bar
Unter den Linden 77

Fotos: Erich Grönke

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