U-Bahnhof Unter den Linden im Ausbau

Elzemann_BVG
Teilprojektleiter Elko Elzemann.
Foto: Antonio Reetz-Gaudenz

Während 14 Meter unter der Erde der Ausbau des neuen U-Bahnhofs Unter den Linden (UDL) begonnen hat, rauscht oben drüber die U6 im normalen U-Bahntakt hinweg. Wir sprachen mit Elko Elzemann, seit 2012 Teilprojektleiter für den U-Bahnhof UDL, über den Baufortschritt.

Der Rohbau des U-Bahnhofs UDL war Ende letzten Jahres fertiggestellt. Wie ist der aktuelle Stand auf der Baustelle?

Seit dem Sommer 2017 laufen bereits parallel zu den Rohbauarbeiten erste Ausbauten. Derzeit sind Maurer, Metallbauer, Maler, Fliesen- und Bodenleger mit ihren Arbeiten beschäftigt. Außerdem werden die Lüftungs- und Sanitäranlagen fachgerecht installiert. Parallel dazu werden gerade Kabelträgersysteme montiert und Niederspannungskabel gezogen. Im rund 12 Meter hohen Atrium, über das später die Fahrgäste der U5 von der ersten Ebene in die dritte Ebene zur U6 wechseln, kümmern sich die Arbeiter gerade um das Aufbringen der Deckenbetonlasur und die Muschelkalkplattenverkleidung an den Atriumwänden. Ab September 2018 beginnen die Terrazzoarbeiten.

Was sind die architektonischen Besonderheiten des Bahnhofs, der von den Architekten Ingrid Hentschel und Axel Oestreich entworfen wurde?

Der Kreuzungsbahnhof beeindruck im Entwurf durch die schiere lichte Höhe der Atrien, die den Bahnhof durchaus an einen – einer Kathedrale sehr ähnlichen – Sakralbau erinnern lassen. Man hat von der U5-Bahnsteigebene sowie von den Treppenanlagen aus einen freien Blick auf beide sich kreuzende U-Bahnlinien. Grundanmutung und Material erinnern bewusst an den U55-Bahnhof „Brandenburger Tor“, der vom gleichen Architekturbüro entworfen wurde.

Was sind oder waren die baulichen Herausforderungen?

Beim Rohbau waren das der sehr schwierige Baugrund, der erforderliche Ersatzneubau eines Teils der U6 und die komplizierte Verkehrs- und Fußgängerführung im stark frequentierten Kreuzungsbereich Unter den Linden/Friedrichstraße. Beim Ausbau gibt es nun ganz andere Prämissen wie beispielsweise die räumlich/terminliche Koordinierung der einzelnen Gewerke und die Logistik.
Herausforderung ist auch die konsequente Umsetzung der brandschutztechnischen Vorgaben. Die BVG hat deshalb bereits in der Planungsphase für jeden neuen Bahnhof und das Tunnelbauwerk Gutachten eines anerkannten Brandschutzgutachters erstellen lassen, auf deren Basis die Planung basiert.

Was sind Ihre täglichen Aufgaben?

Als Teilprojektleiter bin ich unter anderem zuständig für die verantwortliche Durchführung, Überwachung und Koordination der Baumaßnahme. Das beginnt bei der Planung, führt über die Baubegleitung und die Abnahme bis hin zur Übergabe. Ich bin u. a. für das Controlling einer termingerechten Erstellung, Prüfung und Verteilung von Planungsunterlagen, Leistungsverzeichnissen und Tragwerksplanungen in statischer und konstruktiver Hinsicht, gleichzeitig aber auch für die Veranlassung der termingerechten Feststellung und Beseitigung von Mängeln zuständig. Es ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, alle Fachgewerke zu koordinieren und dabei planerische, terminliche, finanzielle und bauausführende Aspekte gleichermaßen berücksichtigen zu müssen.

Die künftigen Eingänge lassen freie Sicht zum Brandenburger Tor.
Die künftigen Eingänge lassen freie Sicht zum Brandenburger Tor.
Visualisierung: hentschel-oestreich

Wie erleben Sie das Voranschreiten der Baustelle?

Als zuständiger Teilprojektleiter, der schon für den Rohbau verantwortlich war und sich jetzt auch um den Ausbau kümmern darf, sieht man die Fertigstellung mit gemischten Gefühlen. Einerseits erinnert man sich noch an den ersten Spatenstich und blickt voller Stolz auf das bereits Erreichte zurück. Anderseits überkommt einen aber auch etwas Wehmut, wenn man die Ziellinie mit der für Dezember 2019 geplanten Fertigstellung des Bahnhofs schon in Reichweite vor Augen hat. Ich freue mich aber schon sehr darauf, in einigen Jahren gemeinsam mit meinem jetzt 8-jährigen Sohn den fertigen U-Bahnhof Unter den Linden zu besuchen. Man bekommt bei Infrastrukturgroßprojekten schließlich nur äußerst selten die Möglichkeit, quasi vom ersten Spatenstich bis zur Inbetriebnahme mit verantwortlich zu sein.

Aktuell läuft der Ausbau auf Hochtouren.

Alle Arbeiten passieren im Untergrund. Wann ist oberirdisch etwas zu sehen und was?

Durch unsere „Deckelbauweise“ wollen wir die Anrainer möglichst wenig Lärm und Staub aussetzen. Seit März werden die Entrauchungsklappen im Deckel der U6 eingebaut. Die in der Rohbauphase vorbereiteten Öffnungen am Fußweg vor dem Westin Grand Hotel werden freigelegt und insgesamt 20 elektrohydraulisch betriebene Entrauchungsklappen jeweils als Vierergruppen montiert. Wenn diese voll funktionsfähig sind, kann auch dieser Gehwegbereich endgültig hergestellt werden. In einem letzten Schritt wird dann die westliche Fahrspur der Friedrichstraße zwischen UDL und Behrenstraße grundhaft erneuert.

Welche Bedeutung hat der Bahnhof UdL für die Stadt?

Die Inbetriebnahme der U5 ist für die Stadt Berlin von immenser verkehrstechnischer aber auch historischer Bedeutung. Damit wird rund 30 Jahre nach dem Mauerfall die Trennung von Ost- und Westberlin an historischer Stelle endlich auch im Berliner Untergrund verkehrstechnisch überwunden. Der Kreuzungsbahnhof Unter den Linden ist deshalb für Berlin so wichtig, weil insbesondere durch die beiden sich kreuzenden Linien die neue Mitte von Berlin verkehrstechnisch optimal angebunden wird und sowohl die Tourismusbranche als auch die Gewerbetreibenden mit neuen Geschäftsimpulsen rechnen dürfen.

Der neue Bahnhof Unter den Linden.
Der neue Bahnhof Unter den Linden.
Visualisierung: bünck+fehse

Wie viele Fahrgäste werden nach Fertigstellung täglich erwartet?

Es gibt einen Planfeststellungsbeschluss, nach dem im Kreuzungsbahnhof U5/U6 Unter den Linden mit bis zu zirka 155.000 Fahrgästen täglich gerechnet wird.


Infos

132 Meter lang und bis zu 17 Meter tief ist der neue U-Bahnhof Unter den Linden. Hier kreuzen sich die U-Bahnlinien 5 und 6 direkt unter der Kreuzung Unter den Linden/Friedrichstraße. In den Rohbaugewerken wurden rund 48.000 Kubikmeter Beton und etwa 6.000 Tonnen Bewehrungsstahl verbaut.