Vera Gäde-Butzlaff – an der Spitze der GASAG

Vera Gäde-Butzlaff ist seit 2015 Vorstandsvorsitzende der GASAG.

Vera Gäde-Butzlaff ist die Frau an der Front der Berliner Gaswerke AG. Nach ihrem Erfolg bei der Stadtreinigung BSR hat die couragierte Managerin seit zwei Jahren den Posten als Vorstandsschefin inne. Wir haben sie zum Gespräch gebeten.

Sie stehen seit zwei Jahren an der Spitze der GASAG .  Mit welchen Zielen sind Sie angetreten und was steht bis jetzt für Sie unterm Strich?

Diese zwei Jahre sind schnell vergangen und ich erinnere mich noch gut an das Fazit meiner ersten hundert Tage. Schon damals sah ich in der GASAG alle nötigen Kompetenzen, die für eine erfolgreiche Energiewende notwendig sind. Nun bin ich seit über zwei Jahren ein Teil der GASAG und freue mich über das bisher Geleistete. Die Energiewende ist in vollem Gange und die GASAG hat wichtige Schritte getan, um sich als breit aufgestellter Energiedienstleister zu positionieren und so den Wandel auf dem Energiemarkt voranzutreiben. Jetzt gilt es, nicht stehenzubleiben, sondern auch in den kommenden Jahren neue Projekte tatkräftig anzupacken.

Die GASAG hat sich neu aufgestellt. Welche Hauptthemen bespielt das Unternehmen und warum? Wo ist es in den vergangenen Jahren besonders erfolgreich gewesen?

Die GASAG-Gruppe hat sich in den letzten Jahren erfolgreich von einem Unternehmen mit traditionellem Schwerpunkt auf Netzbetrieb und Gasvertrieb zu einem modernen Energiedienstleister und -erzeuger entwickelt. Gleichzeitig baut sie ein ökologisch nachhaltiges Portfolio auf. So werden die Vermarktung von Energiedienstleistungen und der Ausbau der Erneuerbaren Energien weiter intensiviert. Das zeigen der Erwerb eines Smart Home-Anbieters, eines auf Umweltenergie spezialisierten Energieunternehmens sowie die Gründung von Joint Ventures mit einem Facility-Manager und einem Immobilien-Projektentwickler für ein effizientes Energiemanagement seiner Immobilien. Die gesamten Energiedienstleistungen der Gruppe sind nun in der GASAG Solution Plus gebündelt. All diese Neuerungen sorgen dafür, dass die GASAG auch künftig schlagkräftig für neue marktwirtschaftliche und energiepolitische Rahmenbedingungen gewappnet ist.

Stichwort Energiewende. Ein großes Wort mit vielen Mosaiksteinen. Welche Felder bespielt hier die Gasag bzw. was sind Hauptfelder in der Zukunft? Womit will die Gasag Geld verdienen?

Die Energiewende wird auch in Zukunft einen starken Einfluss auf die Metropolregion Berlin-Brandenburg ausüben. Die GASAG ist für diesen Wettbewerb sehr gut gerüstet – durch ihre Erfahrung und ihr Know-how bei dezentralen und innovativen Energiekonzepten. Neben dem bisherigen Kerngeschäft bieten wir auch Strom sowie wirtschaftliche und nachhaltige Lösungen. Und das nicht nur mit Erdgas, sondern auch mit erneuerbaren Energien oder Fernwärme. Um im Bild der Mosaiksteine zu bleiben: Ganz nach den Wünschen des Kunden entwickeln wir ein auf sein Objekt zugeschnittenes Energiekonzept, das wir auch umsetzen und betreiben können.

Das Unternehmen möchte zwei Millionen Tonnen CO2 in Berlin einsparen.  Wie ist das zu schaffen?

Als traditioneller Berliner Energiedienstleister nehmen wir das Thema Klimaschutz sehr ernst und haben als erste eine Klimaschutzvereinbarung mit dem Land Berlin abgeschlossen. Mit insgesamt rund 1,4 Millionen Tonnen eingesparten CO2 seit 1998 ist die GASAG dabei auf einem guten Weg das angestrebte Klimaschutzziel von zwei Millionen Tonnen CO2 bis 2020 zu erreichen. Um dies zu schaffen, ist es jedoch wichtig sich jetzt nicht auf dem Erfolg auszuruhen. Großes Einsparpotential besteht noch immer durch den Heizungsaustausch von Öl auf Erdgas. Mit derzeit noch ca. 70.000 Ölheizungen alleine in Berlin ist hier noch viel Potenzial für CO2-Minderungen.

Natürlich setzen wir in puncto Energiesparen auch bei uns selbst an. Wir realisieren CO2-Einsparungen durch die Optimierung der Beschaffungsstrategie für Energie, Produkte und Dienstleistungen sowie durch die Einführung eines gruppenweiten Energiemanagementsystems. Auch das Verbrauchsverhalten der Mitarbeiter  werden wir in diesem Zusammenhang weiter schulen.

Hinter den Kulissen passiert ja so einiges an Sponsoring. Man denke nur an die Eisbären.  Wie und wo zeigt die GASAG in der Stadt noch Gesicht? Was tut die GASAG für Berlin?

Als echter Berliner fühlt sich die GASAG der Stadt verpflichtet und übernimmt Verantwortung für die Zukunft der Region. Außer dem Sponsoring der Eisbären fördern wir deswegen viele soziale Projekte aus den Bereichen Sport, Kultur und Bildung. Grundpfeiler dieses Engagements sind die Nachwuchsförderung und eine langfristige Zusammenarbeit mit den geförderten Projekten. Den Nachwuchs fördert die GASAG zum Beispiel durch die Unterstützung des Berliner Kindertheaterpreises, der Bühnenkunstschule ACADEMY und des GRIPS-Theaters. Daneben gibt es auch eigene Initiativen in der Kulturszene, wie zum Beispiel den GASAG-Kunstraum.

Die Gasag ist ein Traditionsunternehmen mit einer 170-jährigen Geschichte. Warum hat die Gasag das aus Ihrer Sicht geschafft? Wo steckt der Erfolgsschlüssel und was kann man daraus für die Zukunft mitnehmen?

In diesem Jahr ist die GASAG seit 170 Jahren ein Teil von Berlin. Solch eine lange Tradition ist nur möglich, wenn ein Unternehmen lernt, wandlungsfähig zu bleiben und Veränderungen des Marktes mutig und mit neuen Projekten zu begegnen. Die GASAG besitzt diese Wandlungsfähigkeit, sie hat sich den Herausforderungen der Digitalisierung und Energiewende erfolgreich gestellt und dabei gelernt über den Tellerrand zu schauen und auch Kooperationen mit Partnern einzugehen, die zuerst einmal nichts mit dem Energiemarkt zu tun haben. So soll zum Beispiel in diesem Jahr die GASAG-KIEZ-APP online gehen, deren Content in Zusammenarbeit mit dem Tagesspiegel entsteht. Hier werden für Berliner und Touristen speziell Veranstaltungstipps und Aktivitäten aus den Kiezen veröffentlicht. Für die Zukunft schaut die GASAG auf Mobilitätskonzepte und Elektromobilität, denn in diesen Geschäftsmodellen könnten künftig spannende Ressourcen liegen.

Was halten Sie in diesem Zusammenhang von Startup-Unternehmen?  Was ist wichtig, um erfolgreich zu sein?

Für Traditionsunternehmen kann es eine Chance sein, sich an der Flexibilität der Startups zu orientieren. Diese sind durch ihre weniger gefestigten Strukturen in der täglichen Arbeit oft noch wandlungsfähiger. Kurze Wege sind hier wichtiger als hierarchisch abgestimmtes Arbeiten. Solche Arbeitsweisen können Zeit sparen und lassen Spielraum für Innovation.

Die Managerin war zuvor sieben Jahre lang Vorstandsvorsitzende der BSR. Fotos: GASAG

Eine Frau hat es in Führungspositionen noch immer nicht einfach. Wie haben Sie sich behauptet und gegen die Männerwelt durchgesetzt? Gibt es ein Geheimrezept der Vera Gäde-Butzlaff?

Ich denke, als Frau ist es wichtig großes Vertrauen in das eigene Können zu haben und – falls nötig – auch sich selbst für eine Spitzenposition ins Spiel zu bringen. Man sollte sich in jedem Fall nicht davon abschrecken lassen, dass ansonsten überwiegend Männer in den Chefetagen von Unternehmen sitzen. In diesem Zusammenhang bin ich für die Einführung einer Frauenquote. Wie ich aber schon oft betont habe, geht Leistung selbstverständlich vor, jedoch sollte es in Bereichen, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, für Unternehmen selbstverständlich sein bei gleicher Qualifikation der Bewerber eine Frau einzustellen. Eine Quote kann daher ein wertvolles Instrument sein, um den gesellschaftlichen Wandel zu beschleunigen. Gut ausgebildete junge Frauen wollen heute Karriere machen und trotzdem Kinder bekommen. Und das Schöne ist: Auch die Männer wehren sich gegen die klassische Rollenverteilung. Auch sie wollen ihre Kinder aufwachsen sehen und im familiären Umfeld stärker Verantwortung übernehmen. Die GASAG hat hierfür die Erhöhung des Anteils von Frauen in Managementpositionen in ihrem Leitbild verankert. Deshalb haben wir auch die „Charta der Vielfalt“ unterzeichnet – alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sollen bei der GASAG die gleiche Wertschätzung erfahren.
Gerne gehe ich in Berlin spazieren und genieße sowohl das Tummeln auf den Straßen als auch die ruhigen Plätze im Grünen. Einer meiner liebsten Gegenden ist aber Wilmersdorf. Nicht nur, weil ich dort wohne, sondern auch weil hier Berliner Geschichte und Gegenwart ganz unverblümt im Straßenbild aufeinandertreffen.

Was machen Sie, wenn Sie nicht GASAG -Vorstandvorsitzende sind? Lesen Sie gern, reisen Sie gern, …?

Privat reise ich gerne in andere Länder und lerne fremde Kulturen kennen. Nur warm sollte es sein. Auch probiere ich mit Freude neue Kochrezepte aus. Ansonsten genieße ich meine freie Zeit natürlich mit meiner Familie und meinen Freunden.

Frau Gäde-Butzlaff, vielen Dank für das Gespräch!

Das Interview führte Bärbel Arlt.

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