29. Januar 2026
Brasserie Colette by Tim Raue. Foto: Nils Hasenau

Zehn Jahre Brasserie Colette Berlin

Ein kalter Januarabend in der Passauer Straße, nur wenige Schritte vom KaDeWe entfernt. Gegenüber dem traditionsreichen Kaufhaus liegt die Brasserie Colette Berlin, eingebettet in die Tertianum Premium Residences. An diesem Abend lädt das Haus zum Pressedinner und markiert damit nicht nur den Start eines neuen Speisekartenkonzepts, sondern auch den Auftakt eines besonderen Jahres: 2026 feiert die Brasserie Colette Berlin ihr zehnjähriges Bestehen.

Seit einem Jahrzehnt steht die Brasserie für moderne französische Küche mit klarer Handschrift. Patron Tim Raue hat dem Konzept von Beginn an seine charakteristische Aromatik aus Süße, Säure und Schärfe eingeschrieben, ohne die klassische Brasserie-Idee aus dem Blick zu verlieren. Unter der Leitung von Küchendirektor Dominik Obermeier wurde diese Linie in den vergangenen Jahren weiterentwickelt, geschärft und verfeinert. Das Jubiläumsjahr versteht sich dabei weniger als Rückschau, sondern als Moment der Neujustierung.

Das zeigt sich auch im neuen Kartenkonzept, das seit Jahresbeginn gilt. Statt fester Menüs setzt die Brasserie Colette nun auf größtmögliche Flexibilität: Alle Gerichte sind à la carte erhältlich, Klassiker bleiben dauerhaft auf der Karte, saisonale Ergänzungen sorgen für Abwechslung. Zudem lassen sich Vorspeise, Zwischengang, Hauptgang und Dessert frei zu einem individuellen Vier-Gang-Menü kombinieren. Ein Ansatz, der den gewachsenen Erwartungen eines Publikums Rechnung trägt, das die Küche kennt und bewusst auswählt.

Rindertartar mit Imperialkaviar
Rindertartar mit Kaviar auf Kale Waffel.

Der Abend beginnt mit einem Rindertatar. Fein geschnitten, präzise gewürzt, serviert auf einer Grünkohlwaffel, garniert mit Sour Creme und Imperial Kaviar. Das Fleisch steht klar im Vordergrund und das Gericht exemplarisch für die Küche der Brasserie Colette: konzentriert und handwerklich sauber. Es folgt als Zwischengang eine Portion Ravioles, gefüllt mit Gruyère, begleitet von Kohl und Salzzitrone sowie einem kleinen Salat. Die Kombination wirkt zunächst leise, entfaltet jedoch eine feine Spannung zwischen Cremigkeit, Säure und vegetabiler Tiefe. Nichts drängt sich in den Vordergrund, alles greift ineinander.

Auf den Nachbartellern entdecke ich Artischocke – ein Signature-Gericht des Hauses, das mit drei Dips kommt – oder die Garnele Marocain mit Pistazie, Rose und Litschi. Auch die Soupe à l’oignon mit Brioche und Käse zählt zu den Klassikern im Colette.

Rinderfilet mit Beignets, Roquefort und Birne
Rinderfilet mit Roquefort und Birne.

Im Hauptgang zeigt sich die Bandbreite der Karte. Zander mit Kartoffelschaum, Sauerkraut und Ananas kombiniert Bodenständigkeit mit Frische. Pulpo mit Kalbskopfjus, Béarnaise und Römersalat wirkt mutiger, fast verspielt. Wer es klassischer mag, greift zum Lammfilet mit Linsen und Hibiskus oder – gegen Aufpreis – zum Rinderfilet Wellington, das für zwei Personen gedacht ist.

Meine Wahl fällt auf das Rinderfilet mit Beignets, Roquefort und Birne. Punktgenau gegart, von klar strukturiertem Jus begleitet, zeigt sich hier die klassische Seite der Küche. Das Fleisch steht im Mittelpunkt, die Begleitung ordnet sich unter. Nach den nuancierteren Gängen zuvor wirkt dieser Teller fast meditativ – ein Zeichen für die Souveränität, mit der die Küche auch vermeintlich Bekanntes umsetzt. Auffällig ist, dass alle Gerichte trotz unterschiedlicher Stilrichtungen eine gemeinsame Linie haben: Balance zwischen Säure, Süße und Würze, ohne Effekthascherei.

Tarte au citron mit Yuzu und Streusel
Tarte au citron mit Yuzu und Streusel

Auch die Desserts folgen diesem Ansatz. Zwischen Crème brûlée mit Blutorange, Tarte au citron mit Yuzu und Streusel oder „Amour chaud“ mit Vanilleparfait und heißen Himbeeren fällt die Wahl nicht leicht. Eine kleine Käseauswahl rundet das Angebot ab. Bei mir gewinnt die Tarte au citron mit Yuzu und Streusel. Frisch, ausgewogen, nicht zu süß, nicht zu spitz. Ein Dessert, das bewusst auf Leichtigkeit setzt und den Abend klar ausklingen lässt.

Zehn Jahre nach der Eröffnung zeigt sich die Brasserie Colette Berlin als Haus, das seine Identität kennt und dennoch bereit ist, Strukturen zu verändern. Das neue Kartenkonzept wirkt nicht wie ein Bruch, sondern wie eine konsequente Weiterentwicklung. Die Brasserie bleibt das, was sie immer war: ein Ort für moderne französische Küche mit klarer Linie – nun ergänzt um die Freiheit, diese Küche individueller denn je zu erleben.

Großes Foto: Brasserie Colette by Tim Raue.
Foto: Nils Hasenau