Eine der wichtigsten, zugleich aber kaum wahrgenommenen Verbindungen im Berliner U-Bahnnetz steht vor ihrer Erneuerung. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben die planrechtliche Zulassung für den Neubau des sogenannten Waisentunnels erhalten. Damit ist der Weg frei für den Beginn der Bauarbeiten, die nach Angaben des Unternehmens bereits im kommenden Frühjahr starten sollen. Der Tunnel gilt als zentrale Voraussetzung für einen stabilen und flexiblen U-Bahn-Betrieb in der Hauptstadt.
Der Waisentunnel verbindet die Linie U5 mit dem übrigen, breiter gebauten U-Bahnnetz der Linien U6 bis U9. Er ist damit die einzige direkte Verbindung zwischen dem östlichen und westlichen Teil des Netzes. Seit rund acht Jahren ist der Tunnel aus Sicherheitsgründen außer Betrieb. Die Folgen sind erheblich: Die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde sowie die gesamte Linie U5 sind seither vom restlichen Netz getrennt. Züge müssen für Werkstattaufenthalte aufwendig per Tieflader und einzeln durch die Stadt transportiert werden – ein kosten- und zeitintensives Verfahren, das den Betrieb zusätzlich belastet.
Mit der Wiederherstellung der Verbindung soll sich das grundlegend ändern. Künftig können Fahrzeuge wieder direkt zwischen den Linien überführt und Wartungsarbeiten effizienter auf die verschiedenen Werkstätten verteilt werden. Das erleichtert nicht nur das Fahrzeugmanagement, sondern wirkt sich auch unmittelbar auf die Zuverlässigkeit des U-Bahn-Verkehrs aus. Vier Jahre nach Baubeginn sollen die ersten Züge wieder durch den erneuerten Tunnel fahren.
Der Waisentunnel wurde im Jahr 1918 eröffnet. Er verläuft vom U-Bahnhof Alexanderplatz unter der Littenstraße und der Spree hindurch bis zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Die Bauarbeiten gelten als technisch anspruchsvoll, insbesondere im Bereich der Unterquerung der Spree. Trotz des vollständigen Ersatzneubaus soll der Schiffsverkehr während der gesamten Bauzeit aufrechterhalten werden.
Um dies zu ermöglichen, wird der Tunnel zunächst mithilfe von Stahlbetonschotten vom übrigen U-Bahnnetz abgetrennt. So soll das Eindringen von Wasser verhindert werden. Anschließend wird das bestehende Bauwerk zurückgebaut. Der Neubau erfolgt in zwei Bauphasen: Zunächst wird auf der südlichen Spreeseite eine Baugrube mit Spundwänden und einer Sohle hergestellt und trockengelegt. In dieser trockenen Baugrube entsteht die erste Hälfte des neuen Tunnels. Danach wird die Baugrube wieder geflutet, die Spundwände auf die Nordseite umgesetzt und der Bau dort in gleicher Weise fortgesetzt. Schritt für Schritt entsteht so ein vollständig neues Tunnelbauwerk.
BVG-Vorstandsvorsitzender Henrik Falk spricht von einem wichtigen Meilenstein. Alle offenen Fragen seien geklärt, die Planungen abgeschlossen. Der Waisentunnel sei ein entscheidender Faktor für den stabilen Betrieb, den die BVG ihren Fahrgästen zugesagt habe. Auch der künftige Ausbau der Werkstätten und die Modernisierung der Infrastruktur hingen maßgeblich von der Wiederinbetriebnahme dieser Verbindung ab.
Mit dem Neubau des Waisentunnels setzt die BVG ein weiteres Signal für die langfristige Sicherung und Leistungsfähigkeit des Berliner U-Bahnnetzes.
In dieser Bauweise soll der Tunnel unter der Spree neu gebaut werden.
Visualisierung: BVG Projekt GmbH
