Mit einem Festakt im Deutschen Historischen Museum ist unlängst das Jubiläum des Berliner Dauerwaldvertrags gewürdigt worden. Die historische Vereinbarung von 1915 gilt als wegweisend für die Entwicklung der Berliner Waldlandschaft: Der damalige Zweckverband Groß-Berlin erwarb vom preußischen Staat rund 10.000 Hektar Wald – verbunden mit der vertraglichen Verpflichtung, diese Flächen dauerhaft zu erhalten und der Bevölkerung als Erholungsraum zugänglich zu machen. Diese Entscheidung prägt das Stadtbild bis heute und bildet die Grundlage für die großen zusammenhängenden Waldgebiete der Hauptstadt.
Die Feier fand im Rahmen des Deutschen Naturschutztages statt. Die Berliner Forsten nutzten die Veranstaltung gemeinsam mit der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt nicht nur für einen Rückblick, sondern auch für einen Ausblick auf die künftige Entwicklung der Wälder. Erstmals stellten sie neue Waldentwicklungsgrundsätze sowie die sogenannte Waldvision 2065 vor. Beide Konzepte sind das Ergebnis eines umfassenden Evaluationsprozesses, den die Forstverwaltung im Jahr 2024 angestoßen hatte.
Nach Angaben der Senatsverwaltung umfasst der Berliner Wald inzwischen mehr als 28.000 Hektar und bedeckt damit nahezu ein Fünftel der Stadtfläche. Er erfüllt mehrere Funktionen zugleich: Neben seiner Bedeutung für das Landschaftsbild dient er als wichtiger Erholungsraum für die Bevölkerung und stellt zugleich einen zentralen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten dar. Vor dem Hintergrund zunehmender Trockenperioden, steigender Temperaturen und häufiger Extremwetterereignisse rückt seine Rolle im Kontext des Klimaschutzes und der Klimaanpassung zunehmend in den Fokus.
Die Berliner Forsten haben ihre Strategien entsprechend angepasst. Ziel ist die Entwicklung eines klimaresilienten und multifunktionalen Dauerwaldes. Geplant ist unter anderem, den Anteil von Mischwäldern deutlich zu erhöhen und monotone Reinbestände schrittweise umzubauen. Zudem soll die strukturelle Vielfalt der Wälder gestärkt werden, etwa durch eine stärkere Förderung natürlicher Verjüngungsprozesse. Alte und junge Bäume sollen künftig stärker nebeneinander bestehen, um stabile und widerstandsfähige Bestände zu schaffen. Auch der Anteil von Biotopbäumen und Totholz, die zahlreichen Arten als Lebensraum dienen, soll gezielt erhöht werden.
Mit der Waldvision 2065 formulieren die Berliner Forsten darüber hinaus ein langfristiges Leitbild für die Entwicklung der Wälder. Angestrebt wird ein vielfältiger, klimaangepasster Dauerwald, der auch in Zukunft als Erholungsraum für die Bevölkerung dient, Lebensräume sichert und als wesentlicher Bestandteil der grünen Infrastruktur der Metropole erhalten bleibt.
Berlin feiert 111 Jahre Dauerwaldvertrag
und präsentiert „Waldvision 2065“
Foto: A. Strebe
