28. Oktober 2026
Monika Jakubec Ohrstecher Kalypso, aus Kunstharz und Silber 925, gegossen und montiert Foto: Monika Jakubec

Handwerk mit eigener Handschrift

Schmuck, Keramik, Glas und Textil: Bei der 29. Zeughausmesse im KühlhausBerlin dreht sich vom 12. bis 15. November 2026 alles um zeitgenössische Angewandte Kunst. Rund 80 Künstler, Designer und Kunsthandwerker aus sechs europäischen Ländern präsentieren Unikate und Kleinserien – von Gebrauchsgegenständen bis zu freien künstlerischen Arbeiten. Viele Objekte lassen sich vor Ort erwerben, Gespräche mit den Gestaltern sind ausdrücklich möglich.

Die Zeughausmesse gehört seit 2004 zum Berliner Kulturherbst. Im Mittelpunkt stehen Arbeiten, die handwerkliche Qualität, Funktion und einen eigenständigen gestalterischen Ansatz verbinden. Neben Teilnehmern aus Deutschland sind in diesem Jahr Positionen aus Litauen, den Niederlanden, der Schweiz, Dänemark und Luxemburg vertreten.

Drei Beispiele zeigen die Bandbreite der Messe: Monika Jakubec entwickelt Schmuck aus geometrischen Grundformen wie Kugeln, Kegeln und Zylindern. Durch Kombination und Reduktion entstehen klare, tragbare Objekte. Hazal Azeri, die zum Förderprogramm „Frische Talente“ gehört, arbeitet mit der traditionellen Wulsttechnik. Ihre Keramik verbindet überlieferte Handwerksmethoden mit zeitgenössischen Formen; Muster und Ornamente greifen Fragen nach Identität und kultureller Erinnerung auf. Beate Leonards wiederum gestaltet Gebrauchsobjekte aus Silber, Tombak und Bronze. Ihre Arbeiten setzen auf klare Formen und das Zusammenspiel von Material, Funktion und präziser Verarbeitung.

Ein Schwerpunkt liegt auf dem Nachwuchs: Neun junge Gestalter werden im Rahmen von „Frische Talente“ vorgestellt. Das Programm richtet sich an Künstler und Designer, die seit höchstens fünf Jahren im Beruf sind. Auch die weißensee kunsthochschule berlin ist mit „seefashion26 – Graduate Fashion Show“ vertreten. Zum 80-jährigen Bestehen der Hochschule zeigt das Fachgebiet Mode-Design ausgewählte Arbeiten des Abschlussjahrgangs 2026. Die Bachelor- und Masterarbeiten reichen vom freien Experiment bis zum analytischen Entwurf. Dabei geht es unter anderem um soziale, ökologische und historische Fragen sowie um Form und Material.

Zudem vergibt die Messe zwei Preise. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis für Angewandte Kunst der Klingenstein-Zuschke Stiftung würdigt herausragende handwerklich-künstlerische Leistungen. Neu ist der Innovationspreis des Berufsverbands Angewandte Kunst Berlin-Brandenburg. Er ist mit 1.500 Euro und einer kostenfreien Teilnahme an der Zeughausmesse 2027 verbunden. Ausgezeichnet werden Arbeiten, bei denen Idee und handwerkliche, künstlerische oder technische Umsetzung auf besondere Weise zusammenfinden.

Die Zeughausmesse versteht sich als Verkaufs-Ausstellung und als Gelegenheit, mehr über Materialien, Techniken und Herstellungsprozesse zu erfahren. Vier Tage lang bietet das KühlhausBerlin Einblicke in eine Kunstsparte, die Alltagstauglichkeit und künstlerischen Anspruch miteinander verbindet.


Zeughausmesse – ARTS & CRAFTS DAYS

vom 12. bis 15. November 2026
KühlhausBerlin, Luckenwalder Straße 3, 10963 Berlin

Donnerstag: 14–18 Uhr
Freitag und Samstag: 12–19 Uhr
Sonntag: 12–18 Uhr

Monika Jakubec: Ohrstecher Kalypso,
aus Kunstharz und Silber 925, gegossen
und montiert
Foto: Monika Jakubec