3. Oktober 2026
166. DISTEL-Programm »Mit aller Kraft liegen lassen. Dauerbaustelle Deutschland«. Foto: DISTEL

DISTEL beleuchtet Dauerbaustelle Deutschland

Deutschland muss was tun! Krankenkassenbeiträge und Staatsschulden steigen, Schulen, Straßen und Brücken müssen saniert werden, die Bahn kämpft mit ihren Baustellen. Gleichzeitig stehen Reformen des Sozialstaats und der Bundeswehr auf der politischen Agenda. Und gearbeitet werden soll natürlich auch noch länger – möglichst über 67 hinaus und am besten über 18 Uhr.

Genau diese Großbaustelle nimmt sich die Berliner DISTEL in ihrem neuen Programm „Mit aller Kraft liegen lassen – Dauerbaustelle Deutschland“ vor. Premiere ist am 8. Oktober 2026, öffentliche Generalprobe und Voraufführungen gibt es bereits am 6. und 7. Oktober.

Seit Jahren lautet das politische Mantra, Deutschland müsse leistungsfähiger werden. Nur die Begründungen ändern sich. Früher lag die Bevölkerung angeblich in der sozialen Hängematte, heute ist es die Lifestyle-Teilzeit. Währenddessen kündigt die Regierung den „Herbst der Reformen“ an. Dass politische Großprojekte ihre Zeit brauchen können, weiß man spätestens seit Stuttgart 21.

Die DISTEL fragt deshalb, was passieren würde, wenn das große deutsche Reformprojekt einfach einmal liegenbliebe. Rund 100 Minuten lang nimmt das Kabarett-Ensemble politische und gesellschaftliche Baustellen aufs Korn – mit pointierten Texten, gespielten Szenen, Musik, Gesang und direkter Interaktion mit dem Publikum.

Eine Rahmenhandlung führt durch den Abend, dazwischen wechseln die Formen und Perspektiven. Auf eine politische Szene folgt ein Kabaretttext über gesellschaftliche Absurditäten, ein Lied kommentiert das aktuelle Geschehen, anschließend kann das Publikum selbst Teil des Geschehens werden. So entsteht kein klassischer Theaterabend mit einer durchgehenden Geschichte, sondern ein schneller Wechsel aus Schauspiel, Satire und Musik.

Im Zentrum steht die Frage, warum in Deutschland ständig gebaut, reformiert und angekündigt wird – und trotzdem so vieles Baustelle bleibt. Zwischen großen Reformplänen und kleinen Alltagskatastrophen entsteht eine satirische Bestandsaufnahme eines Landes, das vorankommen will und dabei erstaunlich oft auf der Stelle tritt.

Der Titel hat für die DISTEL zudem einen ganz konkreten Hintergrund. Auch im eigenen Haus wurde in diesem Sommer gebaut. Der Backstage-Bereich wurde zur Baustelle, inklusive Planung, Ausschreibung, Kalkulation und täglicher Baubesprechung. „Das Unfassbare: Die DISTEL blieb im Zeitplan und sogar im Kostenrahmen. Also … zumindest fast“, sagt Künstlerischer Leiter Frank Voigtmann.

„Mit aller Kraft liegen lassen – Dauerbaustelle Deutschland“ verspricht damit einen Abend über ein Land, in dem eigentlich immer irgendwo gebaut wird. Und über die Frage, ob man manchmal vielleicht gerade deshalb so langsam vorankommt.

166. DISTEL-Programm »Mit aller Kraft liegen lassen. Dauerbaustelle Deutschland«.
Foto: DISTEL