Zum 30-jährigen Bestehen des Hamburger Bahnhofs – Nationalgalerie der Gegenwart blickt das Museum nicht nur nach vorn, sondern auch auf ein prägendes Kapitel seiner jüngeren Geschichte zurück. Mit der Ausstellung „Next Door“ versammelt das Haus fünf international renommierte Künstler, die Anfang der 2000er Jahre ihre Ateliers in den benachbarten Lagerhallen hatten: Tacita Dean, Thomas Demand, Olafur Eliasson, Henrik Håkansson und Tomás Saraceno. Zwei Jahrzehnte später kehren sie mit neuen, eigens für die Ausstellung entwickelten Arbeiten an den Ort zurück, an dem ihre künstlerischen Wege einst eng miteinander verbunden waren.
Die Geschichte des Projekts reicht bis in die Jahre 2003 und 2004 zurück, als Teile der historischen Lagergebäude in den Hamburger Bahnhof integriert wurden. Die ehemaligen Industriehallen boten damals zahlreichen Künstlern Arbeitsräume und entwickelten sich zu einem kreativen Zentrum der Berliner Kunstszene. Die Ausstellung greift diese gemeinsame Vergangenheit auf und zeigt zugleich, wie unterschiedlich sich die künstlerischen Positionen seitdem entwickelt haben.
Für „Next Door“ entstehen mehrere neue Arbeiten, die den besonderen Charakter des Museums und seiner Architektur einbeziehen. Tacita Dean entwickelt gemeinsam mit Bruce Nauman einen neuen Film, der sich auf Naumans ortsspezifische Installation „Room with My Soul Left Out, Room That Does Not Care“ am Ende der Rieckhallen bezieht. Vergangenheit und Gegenwart treten dabei in einen direkten Dialog.
Thomas Demand verwandelt die Ausstellungshallen mit schwebenden Pavillons, auf denen großformatige Fotografien präsentiert werden. Olafur Eliasson beschäftigt sich mit der Verbindung von Klang und Licht. Seine Installation übersetzt Audiowellen in visuelle Erscheinungen, indem sich überlagernde Lichtkreise auf eine eigens entwickelte Klangkomposition reagieren und so einen ständig wechselnden Raumeindruck erzeugen.
Henrik Håkansson widmet sich erneut der Natur als Inspirationsquelle. Seine Videoinstallation untersucht ökologische Zusammenhänge anhand der Bewegungen eines Schmetterlings und macht sichtbar, wie eng Kunst und Naturwissenschaft miteinander verbunden sein können. Tomás Saraceno präsentiert erstmals seit mehr als 15 Jahren wieder seine Installation „14 Billions (Working Title)“. Ergänzt wird sie durch aktuelle Forschungen zu Spinnennetzen und der Frage, wie aus der weit verbreiteten Angst vor Spinnen ein neues Verständnis und sogar Faszination für diese Tiere entstehen kann.
Die Ausstellung ist Teil des umfangreichen Jubiläumsprogramms zum 30. Geburtstag des Hamburger Bahnhofs. Im Laufe des Jahres 2026 stehen insgesamt acht Sonderausstellungen, eine neue Präsentation der Sammlung sowie zahlreiche Performances, Konzerte und Veranstaltungen auf dem Programm. Ziel ist es, das Museum stärker mit dem Stadtraum zu verbinden und die Vielfalt zeitgenössischer Kunst einem breiten Publikum zugänglich zu machen.
Den Höhepunkt des Jubiläums bildet das Festwochenende vom 13. bis 15. November 2026. Neben einer internationalen Konferenz zur Zukunft zeitgenössischer Museen bleibt der Hamburger Bahnhof dabei 30 Stunden ohne Unterbrechung geöffnet und lädt Besucher zu einem außergewöhnlichen Kunst- und Kulturprogramm ein.
Kuratiert wird „Next Door“ von Museumsdirektor Sam Bardaouil gemeinsam mit Kuratorin Ulya Soley. Begleitend erscheint ein Ausstellungskatalog in der Schriftenreihe des Hamburger Bahnhofs. Unterstützt wird das Projekt vom Verein Hamburger Bahnhof International Companions.
Next Door – Tacita Dean und Bruce Nauman, Thomas Demand, Olafur Eliasson, Henrik Håkansson, Tomás Saraceno
Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin
Ab 9. Oktober 2026
Henrik Håkansson, Fallen Forest, 2006,
Installationsansicht „A travers bois pour trouver la forêt“,
Le Palais de Tokyo, Paris, 2006
© Henrik Håkansson, Le Palais de Tokyo, Paris
