28. Juli 2026
Grabung am Molkenmarkt: Blick in westliche Richtung auf den Steinkeller © Landesdenkmalamt Berlin, Judith Katharina Stern

Archäologischer Sensationsfund am Molkenmarkt

Mitten im historischen Zentrum Berlins haben Archäologen einen außergewöhnlichen Fund gemacht. Bei den laufenden Ausgrabungen am Molkenmarkt legte das Landesdenkmalamt Berlin einen bislang unbekannten mittelalterlichen Steinkeller frei. Die Entdeckung liefert neue Erkenntnisse über die Anfänge der Stadt und zählt zu den bedeutendsten archäologischen Funden der vergangenen Jahre in Berlin.

Mittelalterliche Bauwerke sind im heutigen Stadtbild nur noch selten erhalten. Neben der Nikolaikirche, der Marienkirche, den Ruinen des Franziskanerklosters und Resten der alten Stadtmauer an der Littenstraße gibt es nur wenige sichtbare Zeugnisse der frühen Stadtgeschichte. Umso größer ist die Bedeutung des nun freigelegten Kellers, der sich in unmittelbarer Nähe des mittelalterlichen Rathauses und des Hohen Hauses befindet – dem einstigen Sitz der askanischen Markgrafen.

Nach Einschätzung der Archäologen gehörte der Keller vermutlich zu einem repräsentativen Gebäude aus dem späten Mittelalter. Möglicherweise diente er als Kauf- oder Handelskeller und war Teil eines größeren Baukomplexes, der bislang nicht bekannt war. Seine Lage im damaligen politischen und wirtschaftlichen Zentrum Berlins spricht dafür, dass das Gebäude eine wichtige Funktion innerhalb der mittelalterlichen Stadt besaß.

Auch die Ausmaße des Bauwerks sind außergewöhnlich. Der älteste Keller stammt aus dem 14. beziehungsweise frühen 15. Jahrhundert und misst mindestens 8,50 Meter in der Länge sowie fast 7,50 Meter in der Breite. Damit übertrifft er die Größe gewöhnlicher Keller mittelalterlicher Wohnhäuser deutlich. Die Fundamente und Mauern aus großen Feldsteinen und Ziegeln sind stellenweise noch bis zu 2,30 Meter hoch erhalten. Hinzu kommen Licht- und Lüftungsöffnungen sowie Wandnischen, die einen seltenen Einblick in die Bauweise dieser Zeit ermöglichen.

Ursprünglich war der Keller vermutlich mit einer Holzbalkendecke ausgestattet. Bereits im 16. Jahrhundert wurde diese durch ein gemauertes Tonnengewölbe ersetzt. In den folgenden Jahrhunderten wurde das Gebäude mehrfach erweitert und umgebaut, blieb jedoch bis zu seiner Zerstörung im Zweiten Weltkrieg in seinen Grundzügen erhalten. Dass der Keller heute noch in einem so guten Zustand ist, verdankt sich der Verfüllung und Versiegelung des Geländes nach 1945, wodurch die historischen Mauern über Jahrzehnte geschützt wurden.

Direkt neben dem Keller stießen die Archäologen außerdem auf ein mittelalterliches Feldsteinpflaster. Ob dieses Teil desselben Gebäudekomplexes war oder zu einer angrenzenden Straße gehörte, wird derzeit noch untersucht.

Der Fund ist Teil der groß angelegten Stadtkerngrabung am Molkenmarkt, die seit 2019 läuft und zu den größten stadtarchäologischen Projekten Deutschlands zählt. Bis zum geplanten Abschluss der Arbeiten im Jahr 2027 werden rund 25.000 Quadratmeter des historischen Stadtzentrums untersucht. Bereits jetzt wurden mehr als 70 Prozent der Fläche dokumentiert.

Die Ausgrabungen brachten bislang zahlreiche bedeutende Funde ans Licht. Dazu gehören ein rund 50 Meter langer hölzerner Bohlenweg aus der Zeit um 1230, mehr als 100 Brunnen und Latrinen aus sechs Jahrhunderten, mittelalterliche Haus- und Kellerreste, Schmieden, Lehmöfen sowie mehrere Gräben aus dem 13. Jahrhundert. Insgesamt wurden bisher rund 800.000 Fundstücke geborgen, die einen einzigartigen Einblick in mehr als 800 Jahre Berliner Stadtgeschichte ermöglichen.

Um den neu entdeckten Steinkeller dauerhaft zu schützen, wird er zunächst wieder verfüllt. Langfristig prüfen die Verantwortlichen jedoch, ob das Bauwerk als sogenanntes archäologisches Fenster erhalten und künftig für die Öffentlichkeit sichtbar gemacht werden kann. Damit könnte eines der ältesten erhaltenen Bauzeugnisse Berlins künftig dauerhaft Teil des neuen Molkenmarkt-Quartiers werden.

 

Grabung am Molkenmarkt: Blick in westliche Richtung auf den Steinkeller.
© Landesdenkmalamt Berlin, Judith Katharina Stern