18. Juli 2026
Auf der jährlichen Parade des CSD ziehen Hunderttausende durch die Straßen Berlins.

Berliner CSD 2026: Zwei Tage für mehr als Vielfalt

Der Berliner Christopher Street Day geht 2026 neue Wege: Erstmals erstreckt sich Europas eine der größten Pride-Veranstaltungen über zwei Tage. Am 24. und 25. Juli steht die Hauptstadt unter dem Motto „Haltung ist hot“ ganz im Zeichen von Vielfalt, Demokratie und gesellschaftlichem Zusammenhalt. Wenige Wochen vor der Berliner Abgeordnetenhauswahl setzt der CSD dabei bewusst auch politische Akzente und ruft dazu auf, sich für Menschenrechte und eine offene Gesellschaft einzusetzen.

Im Mittelpunkt der diesjährigen Kampagne steht die Botschaft, Haltung zu zeigen – im Alltag, im Beruf, im Freundeskreis und an der Wahlurne. Mit modernen Slogans wie „Deine Stimme steht dir gut“ oder „Süßmäuse gehen wählen“ richtet sich der Berliner CSD besonders an junge Menschen. Erstmals dürfen bei der Berliner Wahl auch 16- und 17-Jährige ihre Stimme abgeben.

Zu den zentralen Forderungen des Veranstalters gehören unter anderem ein besserer Schutz queerer Räume, mehr Sicherheit für queere Menschen, der Ausbau von Gesundheitsangeboten, mehr Vielfalt in der Bildung, eine verlässliche Finanzierung queerer Großveranstaltungen sowie die Bewerbung Berlins als Austragungsort des World Pride 2032.

Neu im Programm ist der Freitag als eigenständiger Veranstaltungstag. Den Auftakt bildet um 17 Uhr der erste Berliner Drag March, der vom Platz der Republik zum Brandenburger Tor führt. Inspiriert vom New Yorker Pride soll die Demonstration die Bedeutung von Drag als festen Bestandteil queerer Kultur hervorheben und gleichzeitig ein Zeichen gegen Ausgrenzung setzen. Anschließend folgt am Brandenburger Tor der Demokratieabend mit politischen Gesprächen, Live-Musik und Kultur. Erwartet werden unter anderem die italienische Rapperin M¥SS KETA, Sängerin Wilhelmine, Rap-Newcomer Baran Kok sowie weitere Künstler. Ergänzt wird das Programm durch mehrere DJ-Bühnen mit Pop-, House- und Elektromusik.

Der Samstag steht traditionell im Zeichen der großen Demonstration. Ab 12 Uhr zieht der Demonstrationszug mit 83 Fahrzeugen und 55 Fußgruppen von der Leipziger Straße über Potsdamer Platz, Nollendorfplatz und Lützowplatz bis zur Siegessäule. Hunderttausende Teilnehmer werden erwartet. Im Anschluss verlagert sich das Geschehen zum Brandenburger Tor, wo die Abschlusskundgebung mit dem bislang größten Bühnenprogramm in der Geschichte des Berliner CSD stattfindet.

Auf insgesamt acht Bühnen präsentieren Künstler, Musiker, Drag-Performer und Aktivisten ein vielfältiges Programm. Auf der Hauptbühne treten unter anderem LUNA, Mariybu, Ebow, Louk Jones sowie das Ensemble des Theater des Westens auf. Moderiert wird das Programm von Ricarda Hofmann und Jochen Schropp. Erstmals produziert außerdem Anytime Studios gemeinsam mit dem Berliner Drag-Kollektiv DUCT TAPE eine rund 40-minütige Live-Show, die das diesjährige Motto künstlerisch interpretiert.

Ein weiterer Höhepunkt ist die Verleihung des Soul of Stonewall Awards. Ausgezeichnet werden Persönlichkeiten und Initiativen, die sich in besonderer Weise für die Rechte queerer Menschen und eine offene Gesellschaft engagieren. In diesem Jahr erhalten Peter Plate und Ulf Leo Sommer den Preis für ihr Lebenswerk. Weitere Auszeichnungen gehen an den Butch Walk Berlin sowie an die französischen Autoren Didier Eribon und Édouard Louis.

Großen Wert legt der Berliner CSD auch auf Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit. Rollstuhlpodeste entlang der Veranstaltungsflächen, Gebärdensprachdolmetscher auf der Hauptbühne sowie ein Mobilitätsangebot der BVG sollen möglichst vielen Menschen die Teilnahme ermöglichen. Damit möchte der Berliner CSD ein Zeichen setzen, dass Vielfalt und Teilhabe für alle selbstverständlich sein sollten.