27. Juni 2026

Artenschutzprojekt: 400.000 junge Aale für Berlin

Die Berliner Gewässer haben rund 400.000 neue Bewohner bekommen: Das Fischereiamt der Senatsverwaltung für Mobilität, Verkehr, Klimaschutz und Umwelt hat unlängst junge Europäische Aale in Havel, Spree und Dahme ausgesetzt. Die Besatzaktion ist Teil des länderübergreifenden Projekts „Laicherbestandserhöhung beim Europäischen Aal im Einzugsgebiet der Elbe“ und soll dazu beitragen, den Bestand einer der am stärksten bedrohten Fischarten Europas langfristig zu sichern.

Die eingesetzten Jungaale wiegen jeweils bis zu sieben Gramm. Insgesamt wurden rund 2.750 Kilogramm Fische in Berliner Gewässer eingebracht. Ziel ist es, den Europäischen Aal wieder stärker in den Flüssen und Seen der Hauptstadt anzusiedeln und ihm bessere Chancen für seine außergewöhnliche Lebensreise zu geben.

Eine bedrohte Art mit außergewöhnlichem Lebenszyklus

Der Europäische Aal gehört zu den faszinierendsten Wanderfischen überhaupt. Seine Reise beginnt in der Sargassosee im Atlantik, von wo aus die Larven tausende Kilometer bis an die europäischen Küsten treiben. Von dort wandern die jungen Aale in Flüsse und Seen ein, wo sie viele Jahre heranwachsen. Erst als ausgewachsene Tiere treten sie den langen Rückweg in ihr Laichgebiet im Atlantik an.

Doch dieser Lebenszyklus gerät seit Jahrzehnten zunehmend unter Druck. Schleusen, Wehre und andere Querbauwerke erschweren den Fischen die Wanderung erheblich. Hinzu kommen Umweltveränderungen und weitere Belastungen, die den Bestand des Europäischen Aals seit mehr als 30 Jahren kontinuierlich schrumpfen lassen. Mit gezielten Besatzmaßnahmen soll verhindert werden, dass die Art aus ihren angestammten Lebensräumen verschwindet.

Von Frankreich nach Berlin

Die nun eingesetzten Jungaale wurden zwischen November und Februar in den Flussmündungen an der französischen Atlantikküste gefangen. Anschließend verbrachten sie mehrere Wochen in einer deutschen Aalfarm, wo sie an ihre neue Umgebung gewöhnt und auf den Transport vorbereitet wurden. Erst danach wurden sie in Havel, Spree und Dahme ausgesetzt.

Gemeinschaftsprojekt für den Artenschutz

Die Besatzaktion wird im Rahmen eines länderübergreifenden Programms umgesetzt und wissenschaftlich begleitet. Beteiligt sind das Fischereiamt Berlin, die Fischersozietät Tiefwerder-Pichelsdorf sowie die Köpenicker Fischervereinigung. Die Erkenntnisse aus dem Projekt sollen dabei helfen, den Schutz des Europäischen Aals weiter zu verbessern und die Wirksamkeit der Maßnahmen langfristig zu bewerten.

Für den Aalbesatz im Jahr 2026 stehen insgesamt 138.000 Euro zur Verfügung. Finanziert wird das Projekt durch Fördermittel der Europäischen Union sowie durch Landesmittel des Landes Berlin. Damit investiert die Hauptstadt gezielt in den Erhalt der biologischen Vielfalt und den Schutz ihrer heimischen Gewässer.

Die Besatzaktion zeigt, dass Naturschutz auch in einer Millionenstadt möglich ist. Während Havel, Spree und Dahme für viele Berliner vor allem Orte der Erholung sind, bilden sie zugleich wertvolle Lebensräume für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Mit den 400.000 jungen Aalen soll sichergestellt werden, dass der Europäische Aal auch künftig Teil dieses empfindlichen Ökosystems bleibt.

 

Foto: Wouter Van Landuyt / Wikimedia Commons (CC0)