Wer im Oktober Kunst sehen will, muss sich nicht auf einen einzigen Ausstellungsort festlegen. Bei der Kunstwoche der Kommunalen Galerien Berlin wird gleich die ganze Stadt zur Ausstellungsfläche: Vom 2. bis 11. Oktober 2026 öffnen 36 Galerien ihre Türen und zeigen 44 Ausstellungen mit Arbeiten von rund 150 Künstlern. Der Eintritt ist frei. Dazu kommen Eröffnungen, Performances, Workshops, Musik und Touren durch die Berliner Kunstlandschaft.
Inhaltlich ist die Kunstwoche so vielfältig wie die beteiligten Häuser. Viele Ausstellungen beschäftigen sich mit Erinnerung, Geschichte und den Fragen, die daraus für Gegenwart und Zukunft entstehen. Im Haus am Kleistpark etwa zeigt Silberstreif Arbeiten von Daniela Friebel, die sich mit dem Nachlass eines ostdeutschen Teilchenphysikers auseinandersetzen. In der Schwartzschen Villa treffen in Die Mütter Arbeiten von Isaac Chong Wai und Käthe Kollwitz aufeinander. Die Galerie im Tempelhof Museum widmet sich mit Controlled Burn dagegen Feuer, Zerstörung und Neuanfang.
Auch politische und gesellschaftliche Geschichte spielt eine Rolle. Das ZAK Zentrum für Aktuelle Kunst zeigt mit PENETRAÇÃO PACÍFICA – Deutsche in Angola ein Recherche- und Kunstprojekt des Goethe-Instituts Angola zur deutschen Kolonialgeschichte. Die Galerie Wedding blickt mit Mae Nan Guk Juk: Diasporic Memories Formed in Clay auf die deutsch-koreanische Vergangenheit. Mehrere Ausstellungen beschäftigen sich außerdem mit Kunst und Gesellschaft in der DDR und mit den Veränderungen nach dem Mauerfall.
Andere Schauen richten den Blick auf aktuelle gesellschaftliche Themen und persönliche Perspektiven. Die Kommunale Galerie Berlin zeigt Women support Women: 100 Jahre GEDOK, im studio im HOCHHAUS geht es in Über Mütter und Töchter um weibliche Familienbeziehungen. MORE THAN BEAUTY in der GalerieETAGE beschäftigt sich mit wechselnden Schönheitsidealen, während die Galerie am Körnerpark mit Weirder, Louder, Taller, Uglier – Unkraut zur Verwilderung nach Formen von Widerstand und ökologischer Veränderung fragt.
Los geht die Kunstwoche am 2. Oktober mit einer Opening Party im ACUD MACHT NEU. Performance, Live-Musik und DJ-Sets sorgen für einen ungewöhnlichen Auftakt. Am 11. Oktober folgen die Touren durch die kommunalen Galerien. Ab 14 Uhr geht es per Bus, U-Bahn, Tram oder zu Fuß durch verschiedene Bezirke. Die drei- bis vierstündigen Touren führen jeweils zu vier bis fünf Galerien, wo Galerieleiter, Kuratoren und Künstler Einblicke in die laufenden Ausstellungen geben.
Auch der Nachwuchs kommt nicht zu kurz. Beim parallel stattfindenden Programm YOUNG können Kinder, Jugendliche und Familien verschiedene künstlerische Techniken ausprobieren – von Malerei und Collage bis zu Sound und Fotografie. Damit wird die Kunstwoche nicht nur zum Rundgang durch die Berliner Galerielandschaft, sondern auch zum Mitmachen und Entdecken.
Antje Majewski: Shelterbelts, 2026,
© Antje Majewski / VG Bild-Kunst, Bonn, courtesy the artist and neugerriemschneider, Berlin;
Foto: Jens Ziehe
