Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) setzen die Modernisierung ihrer Straßenbahnflotte fort. Seit dem 15. Juli ist erstmals die neue Straßenbahn des Typs Urbanliner im regulären Linienverkehr unterwegs. Mit einer Länge von 50 Metern ist sie die längste Straßenbahn Berlins und kommt zunächst auf der Linie M4 zum Einsatz – einer der am stärksten frequentierten Straßenbahnlinien der Hauptstadt.
Nach erfolgreichen Testfahrten und der abschließenden Zulassung konnten die ersten Fahrgäste die neue Bahn bereits auf ihrer Premierenfahrt erleben. Zuvor waren am Alexanderplatz noch kleinere Anpassungen an der Infrastruktur notwendig. Nach statischen Berechnungen wurden im Bereich des U-Bahn-Tunnels zwei zusätzliche Stützen eingebaut, um die höheren Belastungen durch die längeren Fahrzeuge dauerhaft abzusichern. Die Arbeiten konnten zügig abgeschlossen werden, sodass dem Einsatz der neuen Bahnen nichts mehr im Wege stand.
Mit dem Urbanliner reagiert die BVG auf steigende Fahrgastzahlen und den wachsenden Mobilitätsbedarf in Berlin. Mehr als 300 Fahrgäste finden in den neuen Fahrzeugen Platz. Sie ersetzen auf der Linie M4 nach und nach die bisherigen Doppelzüge des Typs GT6 und sollen den Betrieb leistungsfähiger und komfortabler machen.
Auch im Innenraum bietet die neue Fahrzeuggeneration zahlreiche Verbesserungen. Ein modernes Beleuchtungssystem passt die Lichtfarbe je nach Tages- und Jahreszeit automatisch an und sorgt so für eine angenehmere Atmosphäre. An den Türen zeigen LED-Leuchtstreifen deutlich an, ob der Einstieg möglich ist oder die Türen schließen. Gleichzeitig wurde das Fahrwerk weiterentwickelt, wodurch die Bahnen ruhiger laufen und Erschütterungen deutlich reduziert werden.
Ein besonderer Schwerpunkt lag bei der Entwicklung auf der Barrierefreiheit. Großzügige Mehrzweckbereiche bieten ausreichend Platz für Rollstühle, Rollatoren oder Kinderwagen. Unterschiedliche Sitzhöhen erleichtern Menschen mit eingeschränkter Mobilität ebenso wie kleineren Fahrgästen die Nutzung. Haltestangen mit einer speziellen Oberflächenstruktur helfen blinden und sehbehinderten Menschen bei der Orientierung. Darüber hinaus erleichtert eine zusätzliche Spaltüberbrückung den Einstieg an Haltestellen mit linksseitigen Bahnsteigen.
Die Auslieferung weiterer Urbanliner läuft bereits. Noch im Laufe dieses Jahres sollen rund 15 Fahrzeuge im Berliner Straßenbahnnetz unterwegs sein. Bis 2028 soll sich diese Zahl etwa verdoppeln. Die vollständige Lieferung der derzeit bestellten 65 Fahrzeuge wird voraussichtlich bis 2030 abgeschlossen sein.
Zunächst dürfen die neuen Bahnen ausschließlich auf der Linie M4 verkehren, da die Zulassung zunächst auf diese Strecke beschränkt ist. Perspektivisch ist jedoch vorgesehen, den Urbanliner auch auf weiteren Berliner Straßenbahnlinien einzusetzen.
Mit den neuen Fahrzeugen setzt die BVG ihre umfassende Erneuerung des Fuhrparks fort. Nach Investitionen in die U-Bahn-Flotte erhält nun auch das Straßenbahnnetz moderne Fahrzeuge, die mehr Kapazität, höheren Komfort und eine bessere Barrierefreiheit bieten. Angesichts des kontinuierlichen Wachstums der Hauptstadt soll der Urbanliner dazu beitragen, den öffentlichen Nahverkehr leistungsfähig und zukunftssicher aufzustellen.
Christoph Klaes, Franziska Giffey, Henrik Falk und Ute Bonde (v.l.n.r.) vor
dem ersten offiziellen Linieneinsatz des neuen Urbanliners.
© BVG, Florian Bündig
