26. Juli 2026
Startschuss für die Erneuerung des Waisentunnels

BVG baut Waisentunnel neu

Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) haben mit dem Neubau des Waisentunnels begonnen. Das Bauprojekt zählt zu den wichtigsten Infrastrukturmaßnahmen im Berliner U-Bahn-Netz und soll den Betrieb langfristig flexibler und zuverlässiger machen. In rund vier Jahren sollen die ersten Züge den neuen Tunnel nutzen können. Für Fahrgäste bleibt die Baustelle zwar weitgehend unsichtbar, ihre Auswirkungen auf den täglichen Betrieb werden jedoch künftig deutlich spürbar sein.

Der Waisentunnel verbindet die Linie U5 mit dem übrigen Großprofilnetz, zu dem die Linien U6, U7, U8 und U9 gehören. Die rund 100 Jahre alte Verbindung verläuft vom U-Bahnhof Alexanderplatz unter der Littenstraße und der Spree bis zum U-Bahnhof Heinrich-Heine-Straße. Seit der Sperrung des Tunnels vor rund zehn Jahren ist die U5 vom restlichen Großprofilnetz getrennt – mit erheblichen Folgen für den Betrieb.

Da die Verbindung fehlt, können U-Bahn-Züge nicht mehr direkt zwischen den Netzen wechseln. Müssen Fahrzeuge aus der U5 in andere Werkstätten gebracht oder auf anderen Linien eingesetzt werden, werden sie bislang einzeln auf Tieflader verladen und durch die Stadt transportiert. Dieser aufwendige und kostenintensive Weg soll mit der Fertigstellung des neuen Tunnels der Vergangenheit angehören.

Künftig können Züge wieder direkt zwischen den Linien wechseln und die Betriebswerkstatt Friedrichsfelde wird erneut an das gesamte Großprofilnetz angeschlossen. Dadurch lassen sich Werkstattkapazitäten effizienter nutzen und Fahrzeuge schneller dort einsetzen, wo sie gerade benötigt werden. Die BVG verspricht sich davon mehr Flexibilität bei Störungen, Wartungsarbeiten und Fahrzeugengpässen sowie insgesamt einen stabileren Betrieb.

Der Neubau stellt die Ingenieure allerdings vor besondere Herausforderungen. Ein Teil des Waisentunnels verläuft unter der Spree, während der Schiffsverkehr auf dem Fluss während der gesamten Bauzeit weiterlaufen soll. Um dies zu ermöglichen, wird der Tunnel in mehreren Bauabschnitten erneuert.

Zunächst wird der bestehende Tunnel mithilfe massiver Stahlbetonschotten vom übrigen U-Bahn-Netz abgetrennt, damit kein Wasser eindringen kann. Anschließend wird das alte Bauwerk zurückgebaut. Für den Neubau entstehen nacheinander auf der südlichen und später auf der nördlichen Spreeseite Baugruben, die mit Spundwänden gesichert und trockengelegt werden. In diesen Abschnitten wird der neue Tunnel Stück für Stück errichtet. Durch dieses Verfahren muss die Spree nicht vollständig gesperrt werden und die Schifffahrt kann während der Bauarbeiten weiter stattfinden.

Der Waisentunnel ist Teil eines umfangreichen Modernisierungsprogramms der BVG. Allein in diesem Jahr investiert das Verkehrsunternehmen nach eigenen Angaben mehr als eine Milliarde Euro in den Ausbau und die Erneuerung seiner Infrastruktur. Neben neuen U- und Straßenbahnen gehören dazu auch die Modernisierung von Werkstätten, Gleisanlagen und technischen Einrichtungen.

Mit dem Neubau des Waisentunnels wird eine seit Jahren bestehende Lücke im Berliner U-Bahn-Netz geschlossen. Auch wenn Fahrgäste den Tunnel im Alltag kaum wahrnehmen, spielt er hinter den Kulissen eine entscheidende Rolle. Sobald die Verbindung wieder hergestellt ist, können Fahrzeuge flexibler eingesetzt, Wartungsarbeiten effizienter organisiert und der U-Bahn-Betrieb insgesamt zuverlässiger gestaltet werden.

 

Startschuss für die Erneuerung des Waisentunnels.
Foto: BVG/BUENDIG