Die Komödie am Kurfürstendamm ist ein Theater im Wandel. Kaum ein anderes Berliner Haus hat sich in den vergangenen Jahren so konsequent neu positioniert, neue Stoffe ausprobiert und sein Profil geschärft. Mit der deutschen Erstaufführung von „2:22 – Eine Geistergeschichte“ schlägt Theaterchef Martin Woelffer nun ein weiteres, bewusst anderes Kapitel auf. Der Londoner Erfolgsstoff, der Grusel, Thriller und Beziehungsdrama verbindet, feiert am 8. Februar 2026 Premiere – und verspricht spannungsgeladene Unterhaltung jenseits klassischer Boulevardkomödien.
Uraufgeführt wurde „2:22 – A Ghost Story“ 2021 im Londoner West End. Für Aufsehen sorgte damals nicht nur die raffinierte Geschichte, sondern auch die Besetzung: Popstar Lily Allen gab ihr gefeiertes Theaterdebüt. Das Stück wurde für mehrere Laurence Olivier Awards nominiert, unter anderem als bestes neues Stück. Nun kommt der internationale Theaterhit nach Berlin – prominent besetzt und mit klarer Handschrift inszeniert von Marcus Ganser.
Im Mittelpunkt der Handlung steht ein junges Paar: Jenny und Sam haben sich ihren Traum vom Eigenheim erfüllt und beziehen eine alte Villa nahe der Londoner City. Während Sam beruflich viel unterwegs ist, bleibt Jenny mit der gemeinsamen Tochter allein zurück. Nacht für Nacht, immer um exakt 2:22 Uhr, hört sie unerklärliche Geräusche. Über das Babyphone dringt das leise Weinen eines Mannes. Für Jenny ist klar: In diesem Haus spukt es. Um sich abzulenken, lädt sie ein befreundetes Paar zum Abendessen ein. Zufällig kehrt auch Sam an diesem Abend zurück. Aus einem harmlosen Dinner entwickelt sich eine hitzige Debatte über Glaube, Vernunft und die Existenz des Übernatürlichen. Schließlich beschließen die vier, gemeinsam wach zu bleiben – bis 2:22 Uhr.
Regisseur Marcus Ganser setzt dabei weniger auf Schockeffekte als auf psychologischen Nervenkitzel. Für ihn entsteht der größte Horror im Kopf des Publikums. „2:22“ versteht er als kluges Geisterbahnfahren, bei dem die Zuschauer miträtseln und eigene Ängste projizieren können.
Geschrieben wurde das Stück von Danny Robins, der sich seit Jahren intensiv mit übersinnlichen Phänomenen beschäftigt. Für ihn sind Geistergeschichten ein Mittel, um von Zweifel, Beziehungen und existenziellen Ängsten zu erzählen. Seine persönliche Faszination für das Übernatürliche machte er früh zum Beruf, unter anderem mit erfolgreichen Radioformaten und Theaterstücken.
Die Berliner Inszenierung lebt auch von ihrem Ensemble. Jessica Ginkel gibt als Jenny ihr Berliner Theaterdebüt. Alina Levshin spielt die frustrierte Psychotherapeutin Lauren, Max von Pufendorf verkörpert den rationalen Sam, Stefan Rudolf den bodenständigen Handwerker Ben. Gemeinsam tragen sie ein Stück, das geschickt zwischen Beziehungskonflikt, Thriller und Gruselgeschichte pendelt – und die Komödie am Kurfürstendamm einmal mehr als mutige Adresse im Berliner Theaterbetrieb positioniert.
Premiere am 8. Februar 2026
Vorstellungen bis 22. März 2026
Komödie am Kurfürstendamm im Ernst-Reuter-Saal
Was geschieht um 2:22 Uhr?
Von li.: Max von Pufendorf, Jessica Ginkel, Alina Levshin und Stefan Rudolf
Foto: Michael Petersohn
Grafik: Florian Dengler
