22. Juli 2026
Konzerthaus am Gendarmenmarkt

Weltreise: Young Euro Classic lädt ein

Neben den großen Jugendorchestern aus aller Welt setzt Young Euro Classic auch 2026 wieder auf musikalische Entdeckungen jenseits der klassischen Konzerttradition. Unter dem Titel „FUTURE NOW Musical Diaries“ präsentiert das Festival erneut ein „Festival im Festival“, das den Blick auf Klangwelten aus verschiedenen Kulturen richtet. An den Wochenenden vom 1. bis 16. August stehen im Werner-Otto-Saal des Konzerthauses Berlin insgesamt fünf Konzerte auf dem Programm. Ensembles aus Tadschikistan, Vietnam, Marokko und Argentinien sowie das eigens für das Festival gegründete FUTURE NOW-Ensemble &ñịoن aus Berlin laden jeweils um 16.30 Uhr zu musikalischen Begegnungen ein, die Tradition und Gegenwart, regionale Einflüsse und moderne Klangexperimente miteinander verbinden.

Den Auftakt gestaltet am 1. August das tadschikische Ensemble MOHIRON. Der Name bedeutet so viel wie „mit Exzellenz und Begabung spielen“ und beschreibt treffend den Anspruch der Musiker. Das Ensemble verbindet traditionelle Melodien Tadschikistans mit Werken internationaler Komponisten wie Antonio Vivaldi oder Zequinha de Abreu. Gespielt wird auf klassischen Instrumenten Zentralasiens wie Rubab, Dumra, Ney und Ghichak, ergänzt durch moderne Klänge etwa eines E-Basses. So entsteht ein musikalischer Dialog zwischen jahrhundertealten Traditionen und zeitgenössischen Einflüssen.

Am 2. August folgt mit „Lách Tách“ eine ungewöhnliche Begegnung vietnamesischer Musik mit elektronischen Klangwelten. Die Komponistin und Performerin Lương Huệ Trinh verbindet elektronische Sounds mit Alltagsgeräuschen und traditionellen Melodien ihres Heimatlandes. Gemeinsam mit der Sängerin Vũ Thị Thùy Linh, einer Meisterin des alten nordvietnamesischen Gesangsstils Ả Đào, entsteht ein Konzert zwischen Erinnerung, Poesie und Moderne. Zum Abschluss treffen die beiden Künstlerinnen auf Musiker des Orchestre National des Jeunes du Luxembourg und schlagen damit eine Brücke zwischen den Programmen des Festivals.

Eine Woche später, am 8. August, richtet sich der Blick nach Nordafrika. Das marokkanische Ensemble JISR – Brücke widmet sich der arabo-andalusischen Kammermusik und macht die engen kulturellen Verbindungen zwischen Europa und der arabischen Welt hörbar. Unter der Leitung von Mohcine Ramdan treffen traditionelle Kompositionen auf zeitgenössische Werke. Instrumente wie die Oud, die als Vorläufer der europäischen Laute gilt, verdeutlichen den Einfluss dieser Musiktradition auf die Entwicklung der europäischen Musikkultur.

Wie experimentell Kammermusik heute klingen kann, zeigt am 15. August das argentinische Ensemble ni-va. Mit Synthesizern, Laptops, programmierten Klängen und Live-Improvisationen erschaffen die Musiker ständig neue Klangräume zwischen Elektroakustik und digitaler Musik. Unterstützt werden sie von dem in Deutschland lebenden Cellisten Stellan Veloce, dessen warme Celloklänge mit elektronischen Sounds verschmelzen und dem Konzert eine zusätzliche klangliche Ebene verleihen.

Den Abschluss von FUTURE NOW Musical Diaries bildet am 16. August das eigens für Young Euro Classic gegründete Berliner FUTURE NOW-Ensemble &ñịoن. Inspiriert von Arnold Schönbergs berühmtem Satz „Ich fühle Luft von anderen Planeten“ richtet das Projekt den Blick nicht in ferne Zukunftsvisionen, sondern auf den Klang des Alltags. Stimmen, Maschinen, Straßen- und Nachbarschaftsgeräusche werden mit Synthesizern, Gitarre und ungewöhnlichen Klangobjekten zu einer Mischung aus Konzert, Hörspiel und Performance verarbeitet. Das Publikum erlebt dabei eine musikalische Reise, die vertraute Geräusche in einem völlig neuen Licht erscheinen lässt.

Mit FUTURE NOW Musical Diaries erweitert Young Euro Classic erneut den klassischen Festivalrahmen und zeigt, wie vielfältig zeitgenössische Musik heute sein kann. Die Konzertreihe verbindet unterschiedliche Kulturen, Musiktraditionen und künstlerische Ausdrucksformen und lädt dazu ein, bekannte Hörgewohnheiten zu hinterfragen und neue Klangwelten zu entdecken.