16. April 2026
Bronzemünze mit dem Kopf der Athena auf der Vorderseite. Herkunft Ilion. 3. Jahrhundert v. Chr. © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / Ulrike Scheibe

Antike Sensation im PETRI Berlin zu sehen

Ein Fund, der selbst erfahrene Archäologen überrascht hat: In Berlin-Spandau ist erstmals eine griechische Münze aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. entdeckt worden. Das rund 12 Millimeter kleine Bronzestück wurde von einem 13-jährigen Schüler auf einer landwirtschaftlich genutzten Fläche gefunden – ein unscheinbarer Moment mit außergewöhnlicher Bedeutung für die Forschung.

Die Münze datiert in die Zeit zwischen 281 und 261 v. Chr. und stammt aus der antiken Stadt Ilion, besser bekannt als Troja im heutigen Nordwesten der Türkei. Es handelt sich um eine hellenistische Prägung: Auf der Vorderseite ist der Kopf der Göttin Athena mit korinthischem Helm dargestellt. Die Rückseite zeigt Athena Ilias mit Kalathos, einem besonderen Kopfschmuck. In der erhobenen Rechten hält sie einen Speer, in der Linken eine Spindel – eine ungewöhnliche Kombination, die sowohl kriegerische als auch häusliche Aspekte symbolisiert.

Zunächst stand die Frage im Raum, ob es sich um einen modernen Verlustfund, etwa aus einer privaten Sammlung, handeln könnte. Doch eine archäologische Untersuchung des Fundortes brachte schnell Klarheit. Fachleute identifizierten eindeutige Spuren einer langfristigen Nutzung als Bestattungsplatz. Keramikfragmente, Leichenbrand und ein Bronzedoppelknopf weisen auf ein Gräberfeld aus der Bronze- und frühen Eisenzeit hin. Ergänzt wird dieses Bild durch weitere Funde aus der römischen Kaiserzeit sowie einen slawischen Messerscheidenbeschlag – ein Hinweis darauf, dass das Areal über viele Jahrhunderte hinweg immer wieder genutzt wurde.

Gerade vor diesem Hintergrund gewinnt die Münze zusätzlich an Bedeutung. Funde aus der klassischen Antike sind in Berlin selten. Zwar tauchen römische Objekte vereinzelt auf, doch griechische Artefakte fehlten bislang vollständig. Der Fund aus Spandau stellt daher eine wissenschaftliche Besonderheit dar und wirft neue Fragen zur Reichweite antiker Netzwerke auf.

Wie die Münze ihren Weg aus dem Mittelmeerraum nach Nordmitteleuropa fand, ist noch nicht abschließend geklärt. Bekannt ist jedoch, dass bereits in der Antike weitreichende Handelsverbindungen existierten. Besonders begehrt war Bernstein – im Griechischen als „Elektron“ bekannt –, der aus dem Norden exportiert wurde. Auch die Reisen des griechischen Seefahrers Pytheas von Massalia um 330 v. Chr. stehen im Zusammenhang mit diesen frühen Handelsrouten.

Auffällig ist zudem der geringe Materialwert der Münze: Mit einem Gewicht von etwa sieben Gramm dürfte sie kaum als Zahlungsmittel im engeren Sinne gedient haben. In Verbindung mit dem Fundort auf einem mutmaßlichen Gräberfeld liegt die Vermutung nahe, dass sie eine symbolische Funktion hatte – möglicherweise als Beigabe im Rahmen eines Bestattungsrituals.

Der Fund liefert damit nicht nur ein seltenes Objekt, sondern auch neue Hinweise auf kulturelle Kontakte zwischen dem nordeuropäischen Raum und der griechischen Welt. Wer sich selbst ein Bild machen möchte, kann die Münze ab dem 15. April 2026 im PETRI Berlin in der Vitrine „Aktuelle Funde“ besichtigen. Ein kleiner Gegenstand – mit großer Geschichte.

Bronzemünze mit dem Kopf der Athena auf der Vorderseite. 
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte /
Ulrike Scheibe