Das vietnamesische Restaurant NAMPAN in der Oranienburger Straße richtet sich neu aus – und stellt dabei eine Esskultur in den Mittelpunkt, die in Vietnam seit Generationen fest zum Alltag gehört. Ich war selbst unlängst vor Ort und konnte erleben, wie konsequent und authentisch dieses Konzept umgesetzt wird. Besonders beeindruckend war dabei nicht nur das Essen selbst, sondern die Atmosphäre des gemeinsamen Teilens und Zusammensitzens, die den Besuch prägt.
Im Mittelpunkt steht im NAMPAN nicht das einzelne Gericht, sondern das gemeinsame Erlebnis am Tisch. Der Name des Restaurants steht sinnbildlich für genau diese vietnamesische Esskultur: Unterschiedliche Speisen werden miteinander kombiniert und gemeinsam gegessen. Es geht um Austausch, Nähe und das Gefühl, zusammenzukommen.
Im Zentrum des neuen Konzepts steht das sogenannte Mâm cơm gia đình – das traditionelle Familienessen. Mehrere Gerichte kommen gleichzeitig auf den Tisch: Fleisch, Gemüse, eingelegte Beilagen und Reis. Alles ergänzt sich gegenseitig, nichts steht für sich allein. Genau dieses Prinzip konnte ich bei meinem Besuch selbst erleben: Die Gerichte waren darauf ausgelegt, geteilt zu werden, und entwickelten gerade im Zusammenspiel ihren besonderen Charakter.
Die Speisekarte wechselt regelmäßig und orientiert sich daran, wie in vietnamesischen Familien tatsächlich gekocht und gegessen wird. Dabei fließen bewusst unterschiedliche regionale Einflüsse zusammen: die eher klare Aromatik des Nordens, die kräftigen Gewürze Zentralvietnams und die frischen, kräuterreichen und leicht süßlichen Noten des Südens.
Hinter dem Restaurant steht Trịnh Đình Tuân, der aus der vietnamesischen Provinz Thái Bình stammt und seit 2005 in Deutschland lebt. Seine Leidenschaft für die vietnamesische Küche führte ihn zunächst zur Eröffnung seines ersten Restaurants „Phố Cổ“ im Jahr 2017, bevor 2020 schließlich das NAMPAN in Berlin entstand.
„Wir sind mit diesen Tischen aufgewachsen. Es ging nie darum, wer was bestellt, sondern darum, dass alles in der Mitte steht und geteilt wird“, erklärt Trịnh Đình Tuân. „Genau dieses Gefühl möchten wir nach Berlin bringen.“
Dass dieses Konzept authentisch umgesetzt wird, zeigt auch die Aufmerksamkeit aus Vietnam selbst. Die vietnamesische Tageszeitung Thanh Niên berichtete kürzlich über das Berliner Restaurant und hob hervor, wie glaubwürdig dort die Kultur des Mâm cơm gia đình gelebt wird. Auch vietnamesische Gäste erkennen darin ein Stück Heimat wieder. Eine Besucherin beschreibt ihre Eindrücke mit den Worten: „Nhìn mâm cơm quê hương quá!“ – „Das sieht aus wie ein richtiges Essen aus der Heimat.“
Ergänzt wird das Familienkonzept durch weitere Gerichte zum Teilen – darunter vietnamesischer Feuertopf (Lẩu), gegrillte Austern oder Bánh xèo, ein knuspriger Reispfannkuchen, der gemeinsam am Tisch gegessen wird. Auch größere Grillgerichte sind bewusst für mehrere Personen konzipiert.
Passend dazu ist auch der Raum gestaltet: offen, gemütlich und mit Blick in die Küche. Ein Ort, an dem man nicht nur essen, sondern bewusst Zeit miteinander verbringen soll.
Mit seiner Neuausrichtung positioniert sich das NAMPAN damit bewusst als Restaurant, das vietnamesische Esskultur in ihrer ursprünglichen, gemeinschaftlichen Form nach Berlin bringt.
NAMPAN
Oranienburger Straße 66 |10117 Berlin

