24. Oktober 2021

Projekt autofreie Friedrichstraße wird verlängert

Die Friedrichstraße bleibt zu. Die Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz sowie der Bezirk Mitte von Berlin haben beschlossen, das Projekt „Flaniermeile Friedrichstraße“ bis Ende Oktober 2021 fortzusetzen. Diese Entscheidung fiel – nach Auskunft aus dem Senat – nach Gesprächen mit Anrainern und Vertretern der Zivilgesellschaft. Grundlage war die Auswertung der bisher vorliegenden Daten. Das Teilstück der Friedrichstraße bleibt damit auch in der kommenden Saison autofrei.

Projekt unter Corona

Bis zum 31. Oktober 2021 sollen nun weitere Daten erhoben und evaluiert werden. Dabei geht es um Verkehrsmengen, Luftqualität, Lärmpegel, Aufenthaltsqualität sowie Besucherfrequenz und Nutzung der Friedrichstraße. Die Corona-Sondersituation habe die Vergleichbarkeit der Projekt-Auswirkungen mit dem vorherigen Zustand erschwert. Über Optionen der Straßengestaltung, Raumaufteilung, Logistik und weitere Möglichkeiten zur Optimierung des bisherigen Projektes sind Bezirk und Senat im Austausch mit Anrainern, interessierten Bürgern und Verbänden. Zu berücksichtigen sind dabei stets die Anforderungen für den bestmöglichen Infektionsschutz.

Stephan von Dassel und Regine Günther verlängern das Projekt autofreie Friedrichstraße.
Stephan von Dassel und Regine Günther (M.) verlängern das Projekt autofreie Friedrichstraße.

Regine Günther, Senatorin für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz: „Unser Ziel ist eine Innenstadt mit mehr Lebensqualität, mit besserer Luft und weniger Lärm, mit mehr Grün und einem entspannten Umfeld zum Flanieren und Einkaufen. Die autofreie Friedrichstraße als Berliner Pilotprojekt ist dabei auf sehr positive Resonanz gestoßen – und, wie zu erwarten, auch auf Kritik. Es ist deshalb wichtig, die Debatten mit der Stadtgesellschaft und den Anrainern auf Basis robuster Daten zu führen. Diese waren wegen der Corona-Situation bisher nur begrenzt zu erheben. Wir müssen außerdem davon ausgehen, dass Abstandhalten im gesamten Jahr 2021 wichtig bleibt – was auf einer Friedrichstraße ohne Autos besser zu gewährleisten ist. Die Weiterführung des Pilotprojektes ist deshalb konsequent und richtig. Berlin ist hier in guter Gesellschaft: Auch viele andere Städte der Welt unternehmen große Anstrengungen, um ihre verkehrsbelasteten Zentren gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern wieder lebenswert zu machen.“

Stephan von Dassel, Bürgermeister des Bezirks Mitte von Berlin: „Pandemiebedingt konnte die Umgestaltung der Friedrichstraße – mit Ausnahme gastronomischer Angebote – noch nicht ihr Potenzial für eine Belebung des dortigen Handels ausschöpfen. Neben der Umgestaltung des öffentlichen Raumes ist daher die Vermietung von leerstehenden Geschäftsräumen besonders wichtig. Ein Beispiel: Gerade viele kleine Modelabels – insbesondere im Bereich faire und nachhaltige Mode – suchen prominente Präsentationsmöglichkeiten für ihre hochwertigen Kreationen. Der Bezirk wird daher Unternehmen wie Immobilieneigentümer unterstützen, die Friedrichstraße wieder zur Modestraße Nummer 1 in Berlin zu machen.“

Daten erheben

Für ein umfassendes Resümee liegen aufgrund der Pandemiebedingungen noch keine hinreichenden Vergleichsdaten vor. So lassen sich die Wirkungen des Projekts im Hinblick auf Verkehrsströme, Nutzung, Luft- und Lärmwerte nicht belastbar bestimmen. Aber auch zur Akzeptanz der Berliner gibt es keine validen Daten. Bezirk und Senatsverwaltung wollen im intensiven Gespräch mit Anrainern und Interessengruppen bleiben, um die Zukunft der Friedrichstraße gemeinsam zu gestalten. Auf der Grundlage vorliegender Erkenntnisse aus Erhebungen, Ortsbesichtigungen und Hinweisen von Anrainern und Verbänden werden aktuell weitere Optimierungspotenziale ermittelt. Über deren Umsetzung wird dann im Frühjahr 2021 beraten und entschieden.