50 Jahre Berliner Fernsehturm

Seit 1969 prägt er die Silhouette der Stadt wie kein anderes Gebäude. Er beeindruckt. Er gefällt. Er weckt Sehnsucht und Staunen. Er birgt viele Erinnerungen. Er polarisiert. Er wird gesehen. Er ist Mittelpunkt und Orientierung. Er bietet Erstklassiges, Außergewöhnliches, Einzigartiges. Der Berliner Fernsehturm – von Einheimischen liebevoll Telespargel genannt – gehört zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten Berlins. Ein Besuch der deutschen Hauptstadt ist undenkbar ohne eine Fahrt auf den Turm. Die ganze Stadt freut sich, seinen 50. Geburtstag zu feiern.

Der Berliner Fernsehturm, Wahrzeichen der Stadt.
Der Berliner Fernsehturm, Wahrzeichen der Stadt.
Planung 

Vorgeschichte: Bei der Europäischen Rundfunkkonferenz in Stockholm 1952, die für die Koordinierung der Frequenzwellen in Europa zuständig war, wurden der DDR nur zwei Fernsehfrequenzbereiche zugestanden. Für eine vollständige Abdeckung des Berliner Stadtgebietes wurde ein leistungsstarker Großsender mit höchstmöglichem Standort gebraucht. Deshalb entstand die Idee, ein Grundstück in den Berliner Müggelbergen zu bebauen, der höchsten Erhebung im Berliner Umland. Baustart war zwei Jahre nach der Europäischen Rundfunkkonferenz im Jahr 1954. Da der 130 m hohe Turm zu nahe an der Einflugschneise des Flughafens Schönefeld liegen würde, stoppte man den Bau 1956. Eine schwere wirtschaftliche Krise im Jahr 1961 führte zum Abbruch weiterer Planungen. Das Projekt fiel zunächst dem Sparzwang zum Opfer.

1964 nahmen die Planungen wieder Fahrt auf. Neben dem sachlichen Zweck der optimalen Rundfunkversorgung rückte die Rolle des Turms als neues Wahrzeichen immer mehr in den Vordergrund. Deshalb war auch ein zentraler Standort gefordert. Die neue geplante Höhe von Höhe von 360 m, ca. 220 m höher als der Funkturm im Westen Berlins, stellte besondere Forderungen an den Untergrund. Dieser war am Alexanderplatz gegeben.

Der Bau

Baubeginn: 1965. 7900 Kubikmeter Beton, 1650 Tonnen Rundstahl, 300 Tonnen Spannstahl und 1500 Tonnen Profilstahl wurden für den Fernsehturm verbaut. Die Turmkugel hat einen Durchmesser von 32 m, ein Volumen von rund 17000 Kubikmetern und wiegt 4800 Tonnen. Auf der zweiten Ebene der Kugel sah man eine Aussichtsetage vor, auf der dritten Ebene ein Restaurant.

Die feierliche Eröffnung des Turms mit geladenen Gästen fand am 3. Oktober 1969 statt. Für die Öffentlichkeit ist der Turm seit dem 7. Oktober 1969 zugänglich, dem Tag der Republik und dem 20. Jahrestag der DDR. Schon im Jahr 1972 hatten über 4 Millionen Menschen den Turm besichtigt.

Im Mittelpunkt Berlins

Der Berliner Fernsehturm steht im Stadtteil Mitte, am berühmten Alexanderplatz. Hier, wo in Alfred Döblins Roman noch die Dampframme dröhnte, befindet sich heute einer der verkehrsreichsten Plätze der Stadt. Nicht wenige der täglich ca. 400.000 Passanten kommen hier an, um den Berliner Fernsehturm zu besichtigen.

Blick vom Fernsehturm auf das Zentrum der Stadt - MITTE bitte!
Blick vom Fernsehturm auf das Zentrum der Stadt – MITTE bitte!

Es ist nur ein kleiner Spaziergang vom Turm zum Nikolaiviertel, der Wiege Berlins. Museumsinsel, Hackesche Höfe, die Spree, Rotes Rathaus, das ehem. Berliner Stadtschloss, jetzt Humboldt-Forum, die berühmte Karl-Marx-Allee und die alte Prachtstraße „Unter den Linden“ befinden sich in unmittelbarer Nähe des Turms. Diese Lage ist gegenüber Aussichtstürmen anderer Städte weltweit ein entscheidender Standortvorteil, stehen diese doch bis auf wenige Ausnahmen in der Regel weit von den Stadtzentren entfernt und können so unmittelbare Eindrücke kaum vermitteln.

Der Turm: Ein Bauwerk der Superlative

Der Berliner Fernsehturm war im Oktober 1969 – nach dem Moskauer Fernsehturm Ostankino – der zweithöchste Fernsehturm der Welt. Gleichzeitig war er nach dem Empire State Building in New York das dritthöchste freistehende Bauwerk seiner Zeit.

Heute ist der Berliner Fernsehturm mit 368 m das höchste Bauwerk Deutschlands und das vierthöchste freistehende Bauwerk Europas. Mit ca. 1,3 Millionen Besuchern jährlich zählt er zu den zehn beliebtesten Sehenswürdigkeiten in Deutschland. Seine markante Form prägt als weithin sichtbare Landmarke die Skyline der Stadt. Er ist sowohl von nahem als auch aus größerer Entfernung, teils sogar weit vor den Stadtgrenzen, gut zu erkennen.

Manchmal ist der Andrang groß. Doch seit man Tickets für die Auffahrt online buchen kann, nur für die Aussichtsetage oder auch mit Restaurantbesuch, sind die Wartezeiten deutlich kürzer geworden. Außerdem hilft ein SMS-Informationssystem auch kurzentschlossenen Besuchern: Sie erfahren ihre Eintrittszeit 30 Min. vorher per SMS und können umliegende Sehenswürdigkeiten in Ruhe besuchen.

Herausforderung und Segen zugleich: Der Fernsehturm steht unter Denkmalschutz. Deshalb sind viele der baulichen Details seit 50 Jahren unverändert. Sein Retro-Schick ist ebenso charmant wie interessant.

Im Aufzug geht es auf den Weg nach oben. Wer den Kopf hebt, sieht das Ziel mit einer Geschwindigkeit von sechs Metern pro Sekunde durch ein Glasdach in der Decke des Aufzugs näherkommen. 40 Sekunden dauert die Fahrt auf 203 Meter Höhe.

Einzigartige Aussichten 360° Berlin
Blick auf die Reste der alten Klosterkirche.

Von West nach Ost, von Nord nach Süd, Frankfurter Allee und Rotes Rathaus, Jannowitzbrücke und Spree: An schönen Tagen kann man mehr als 70 km weit in alle Richtungen sehen. Der Eindruck ist spektakulär, das Erlebnis eine Reise wert. Diese Aussicht bleibt für immer in Erinnerung. Die Stadtbilderklärung direkt an den Fenstern zeigt , wo sich was befindet: Tiergarten, Gendarmenmarkt, Museumsinsel. Beim Rundgang helfen die Erklärungstafeln, die Sehenswürdigkeiten der Stadt von oben zu verorten. Mit Hilfe der Berliner Fernsehturm App, die es gratis im Apple und Android Store gibt –  erhält man eine digitalisierte Form dieser Stadtführung und als kleines Schmankerl kann man den Verlauf der Berliner Mauer sehen.  

Eine „Stadtrundfahrt“ der besonderen Art
Marienkirche und Fernsehturm.

Die „höchste Stadtrundfahrt Berlins“ zeigt die Stadt weit unten, aber dennoch greifbar nah – lebendig, quirlig, unermüdlich. Hier oben genießt man die Ruhe abseits aller Hektik – ein ganz eigenes Gefühl, das man nur hier erleben kann. Man erkennt mit Dom, St.-Hedwigs-Kathedrale, Unter den Linden, Brandenburger Tor, der Museumsinsel und dem Gendarmenmarkt das historische Berlin.

Restaurant „Sphere“

Das Drehrestaurant „Sphere“ befindet sich 207 m über der Stadt. Es dreht sich abhängig von der Tageszeit ein- bis zweimal in der Stunde um 360° und bietet einen fantastischen Ausblick über ganz Berlin. Im Restaurant werden vom frühen Morgen bis weit in die Nacht köstliche regionale und internationale Gerichte serviert. Man kann hierbei eine kulinarische Zeitreise durch die vergangenen 50 Jahre bis in die Zukunft erleben. Von der Kartoffelsuppe „Kaiser Wilhelm I. Art“ über Rinderconsommé und Landhuhnfrikassee bis hin zum „Kalten Hund“ – die vergangenen Jahrzehnte treffen hier auf kulinarische Höhepunkte der Gegenwart wie Rote-Bete-Hafertaler oder Süßlupinen-Nocken. Die Renner seit einiger Zeit: „Currywurst und Champagner“ sowie „Bier und Boulette“.

Erhaltung

Die letzte große Modernisierung war in den Jahren 2013/14. Der Fernsehturm bekam ein  neues Innendesign. Dabei wurde der denkmalpflegerische Charakter der 1970er-Jahre gewahrt.

Stets werden technische Verbesserungen eingebracht und Maßnahmen zum Erhalt des Turms durchgeführt. Im kommenden Jahr geplant: technische Neuinstallationen, die die Gäste auch bei eingeschränkter Sicht unterhalten und begeistern werden.

Festival of Lights

Seit 2004 gehört der Fernsehturm zu den prominentesten Protagonisten des Festivals of Lights. Wenn er jedes Jahr im Oktober für mehrere Tage in den verschiedensten Farben und Formen kunstvoll angestrahlt wird, zeigt sich der berühmte Turm immer wieder von ganz neuen Seiten und sorgt beim Publikum für Begeisterung. Dann ist der Turm als Fotomotiv fast unschlagbar.

Eine Ausstellung hinter der Marienkirche weiß um die Geschichte des Turms.
Eine Ausstellung hinter der Marienkirche weiß um die Geschichte des Turms.