24. Januar 2022
Chris Keller und Anke Fesel (musuku) zusammen mit Direktor Paul Spies im Märkischen Museum. © Stadtmuseum Berlin/Christian Kielmann

Das Fahrrad als Phänomen der Subkultur

Noch bis zum 27. März zeigt das Stadtmuseum Berlin im Märkischen Museum  zusammen mit musuku – Museum der Subkulturen die Sonderausstellung Easy Rider Road Show. Die Schau widmet sich dem Fahrrad als einem Phänomen der Subkultur und präsentiert es als Vehikel eines Freiheitsversprechens, als Glücksbringer und als Utopie. Sie zeigt die wilde, subversive Seite des Radfahrens und die starke Verbindung, die das Rad zwischen Menschen schaffen kann. Bereits im Sommer tourte die „Easy Rider Road Show“ als mobile Ausstellung durch die Straßen Berlins (Vol. 1). Dabei machten fünf umgebaute Lastenräder an unterschiedlichen Orten in der Stadt halt und präsentierten verschiedene Fotoprojekte zum Thema „Fahrrad“. Nun werden die Lastenräder samt Fotos im Märkischen Museum ausgestellt. Sie stehen im Zentrum des zweiten Teils (Vol. 2) der „Easy Rider Road Show“, die als erweiterte Sonderausstellung einen Platz im Museum findet.

„Für mich als Niederländer war und ist das Fahrrad schon immer ein wichtiges Fortbewegungsmittel gewesen und auch in Berlin bin ich fast ausschließlich auf dem Rad unterwegs – von Düppel bis nach Spandau. Ich freue mich, dass das Rad heute an immer mehr Orten in der Welt als nachhaltiges Verkehrsmittel wahrgenommen wird, das der Umwelt, der Gesundheit und dem Verkehrsfluss in den Städten nützt. Deshalb freut es mich auch besonders, dass wir mit dieser Ausstellung das Fahrrad in den Fokus nehmen und mit musuku einen Partner gefunden haben, der die Subkultur ins Märkische Museum bringt“, so Paul Spies, Direktor des Stadtmuseums Berlin.

Radfahren als Lebensart und Protest
Um das Fahrrad geht es in einer Schau im Märkischen Museum.
Um das Fahrrad geht es in einer Schau im Märkischen Museum.
Foto: Adam Corbett

In verschiedenen Themenräumen erzählen beeindruckende Fotografien die Geschichten von Subkulturen und Gemeinschaften, die sich mit dem Rad die Welt erschließen. Die Bilder führen um die ganze Welt: zu einem jährlichen Festival der selbstgebauten Räder nach New York und zu einer jugendlichen Fahrradbewegung, die per „Wheelie“ – das Vorderrad in der Luft – London durchquert. In Mexiko-Stadt haben ehemalige Gangmitglieder ihre Liebe zu extravaganten Rädern entdeckt, und in Berlin kämpfen Punks auf Hochrädern bei einer Art Ritterturnier gegeneinander. Die Fotografien stammen u. a. von Tod Seelie, Julie Glassberg, Adam Corbett, Joeffrey Guillemard, Christophe Gateau und Denise Schmidt.

Ergänzt werden die Fotos um weitere Objekte und Installationen, die sich mit dem Fahrrad als Zukunftsträger und Lifestyle-Objekt beschäftigen. Dabei werden auch aktuelle Berlin-Bezüge hergestellt – beispielsweise mit geplanten Rad-Projekten wie der Radbahn Berlin, die den Stadtraum unter dem Hochbahn-Viadukt der U-Bahn-Linie U1 in einen attraktiven Ort mit überdachtem Radweg verwandeln will. Oder mit dem Berliner Verein Rückenwind, der gespendete Fahrräder sammelt, repariert und Geflüchteten zur Verfügung stellt. Die Gruppe FxD.BLN organisiert Fahrradrennen, aber auch Nachtfahrten, um die Stadt besser kennenzulernen. Hier treffen sich Sportbegeisterte und Fahrradkuriere, die die Leidenschaft fürs Rad in seiner einfachsten Form – ohne Bremse und Gangschaltung – teilen.

Radfahren ist nicht nur eine Form der Fortbewegung. Radkultur steht in ständiger Wechselwirkung mit Mode, Musik, Design, Politik, Stadtplanung und Verkehrskonzepten. „Radfahren ist Lebensart und Protest. Wenn viele mit dem Fahrrad fahren, werden Veränderungen angestoßen. Das Fahrrad hat das Potenzial, das Leben in der Stadt und am Ende sogar die Stadt selbst zu verändern“, sagt Kuratorin Anke Fesel von musuku. So zeigt beispielsweise die rollende Demonstration der weltweiten „Critical Mass“-Bewegung an jedem letzten Freitag des Monats in Berlin, wie die Stadt ohne Autos aussehen könnte.

Berlin jetzt! – Gegenwart sammeln für das Stadtmuseum der Zukunft
Chris Keller und Anke Fesel (musuku) zusammen mit Direktor Paul Spies im Märkischen Museum. © Stadtmuseum Berlin/Christian Kielmann
Chris Keller und Anke Fesel (musuku) zusammen mit Direktor Paul Spies im Märkischen Museum.
© Stadtmuseum Berlin/Christian Kielmann

Die „Easy Rider Road Show“ zeigt, wohin das Fahrrad Menschen bringen kann. Begleitend zur Ausstellung sammelt das Stadtmuseum Berlin Fotografien, Objekte und Geschichten zum Fahrradfahren in Berlin. Dabei stehen folgende Fragen im Mittelpunkt: Welche Erfahrungen machen Sie mit dem Rad oder mit Radfahrenden im Straßenverkehr? Wo entdecken Sie schon jetzt den Radverkehr Zukunft, wo begegnen Ihnen Hindernisse? Und welche Bilder von heute sollten für die nächsten Generationen festgehalten werden? Mit dem Aufruf Berlin jetzt! bietet das Stadtmuseum Berlin eine öffentliche Plattform für alle Einsender. Im Rahmen der Sammlung Online sowie in der Ausstellung selbst werden die Beiträge sichtbar.

Easy Rider Road Show

Eine Ausstellung über das Fahrrad als Utopie
Sonderausstellung vom 13.11.2021 bis 27.03.2022 im Märkischen Museum