29. Juni 2022
Die Freitreppe vor dem multifunktionalen Medienraum an der Nordfassade dient als Zugang und zugleich als Aufenthaltsort.

Modernes Museum für moderne Kunst

Am Kulturforum zwischen Neuer Nationalgalerie und Philharmonie Berlin entsteht in den kommenden Jahren das Museum des 20. Jahrhunderts als Teil der Neuen Nationalgalerie. Der Neubau war nötig, da der umfassende Bestand zur Kunst des 20. Jahrhunderts aus Platzmangel seit Jahrzehnten nur in Ausschnitten gezeigt werden konnte.

Das Museum wird die Neue Nationalgalerie ergänzen. Beide Häuser werden in Zukunft ein großer Standort für die Kunst des 20. Jahrhunderts sein. Mit dem Neubau werden die Voraussetzungen dafür geschaffen, dass die international bedeutenden Bestände der Nationalgalerie gezeigt und die Angebote der Sammler Marx, Pietzsch und Marzona angenommen werden können, die Kunstwerke mit Milliardenwert der Nationalgalerie überlassen wollen. Inzwischen hat auch der Künstler Gerhard Richter zugesagt, eine große Zahl an Werken für einen eigenen Richter-Saal im neuen Museum zur Verfügung zu stellen. Hinzu kommen zahlreiche Werke aus dem Kupferstichkabinett und der Kunstbibliothek. Dafür hat das Museum rund 9.000 Quadratmeter Ausstellungsfläche zur Verfügung.

Es entsteht nach einem Entwurf des Schweizer Architekturbüros Herzog & de Meuron. Ein Preisgericht hatte sich nach einem zweistufigen Wettbewerbsverfahren Ende Oktober 2016 für diesen Entwurf entschieden. Im Sommer 2019 wurde die Entwurfsplanung für das Museum abgeschlossen, der erste Spatenstich fand im Dezember 2019 statt. Die Fertigstellung ist nach Verzögerungen für 2026 vorgesehen.

Mit dem Ende der Bauarbeiten wird das Museum mit der Neuen Nationalgalerie unterirdisch verbunden sein. Der Hauptzugang erfolgt vom Scharounplatz über die breite Boulevardtreppe.

Zwei sich kreuzende Boulevards bilden das Herzstück des Museums des 20. Jahrhunderts im Inneren und erschließen die in vier Quadranten aufgeteilten Museumsräume. Sie laden die Besucher ein, sich an diesem Ort zu treffen, zu verweilen und gemeinsam Kunst anzusehen. Die Erschließung der einzelnen Quadranten ist direkt von den Boulevards möglich.

Die zwei sich kreuzenden, öffentlich zugänglichen Boulevards bilden das Herzstück des Museums im Inneren.
Blick vom Haupteingang nach Süden und den Ost-West-Boulevard

Der Ost-West Boulevard ist zudem ein öffentlicher Weg durch das Museum und soll auch nach Schließung der Ausstellungen noch eine bestimmte Zeit geöffnet sein – für Spaziergänger, für Besucher von Restaurant und Café, den anderen Museen auf dem Kulturforum, den Besuchern der Philharmonie oder der Kirche.

Die Fassade zum Scharounplatz gliedert sich in drei Bereiche. Mittig liegt der Haupteingang, zurückversetzt unter dem zentralen, vorspringenden Ausstellungskubus, mit dem sich das Museum am Platz manifestiert. Seitliche Öffnungen gewähren Einblicke von der Potsdamer Straße und vom Scharounplatz ins Museumsinnere. Richtung Westen befindet sich im Erdgeschoss der Museumsshop mit direktem Bezug zum Straßenraum. Darüber liegt das Café mit großzügiger Terrasse, von wo aus man den Platz überblickt.

Die Fassade wird zu allen vier Seiten hin geöffnet und untergliedert, zum Scharounplatz wird sie großflächig verglast. So wird von außen die vielfältige Nutzung wahrnehmbar. Die offene Glasfassade wirkt einladend und verbindet das Museum mit dem umgebenden Stadtraum.

Im ersten Obergeschoss ist der zentrale Ausstellungsraum als geschlossener Sichtbetonkubus erkennbar.

Die Verwendung von Betonverbundelementen mit eingelegten Klinkern schafft zudem einen Bezug zur Backsteinfassade der St. Matthäus-Kirche. Sie wird durch den Museumsneubau räumlich wieder eingefasst, wodurch der Matthäikirchplatz stärker in seiner historischen Form wahrnehmbar wird.

Das Herzog & de Meuron-Gebäude wird das Kulturforum sicher neu definieren, liegt es doch nahe dem Potsdamer Platz inmitten der Solitäre von Mies van der Rohe, Scharoun und des Schinkel-Schülers Friedrich August Stüler.