4. August 2020

Mohrenstraße historisch beleuchtet

Nach dem Umzug der Regierung von Bonn nach Berlin sind einige Dienstsitze neu errichtet worden, aber vor allem die Bundesministerien haben Gebäude mit geschichtsträchtigem Hintergrund bezogen. Unser Historien-Autor Harald Neckelmann weiß mehr über die historischen Gebäude von Familien-, Gesundheits- und Justizministerium in Mitte und führt uns heute in die Mohrenstraße sowie die Jägerstraße.

Teil 1


Jägerstraße 9
Eine historische Ansicht der Jägerstraße 9.

Das Wohn- und Geschäftshaus in der Jägerstraße 9 wurde von dem Architektenbüro Kayser & von Großheim 1895/1896 erbaut. Es gehört heute zum Gebäudekomplex des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend an der Glinka-, der Tauben- und der Jägerstraße. Heinrich Kayser und Karl von Großheim bauten das Gebäude für den Bankier Hermann Kretzschmar, der mit einer Tochter des Malers Oskar Begas verheiratet war. Die Fassade gestalteten sie aus Sandstein im Stil des Historismus.

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der Jägerstraße.
Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend in der Jägerstraße.
Fotos: Harald Neckelmann

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Haus vereinfacht wiederhergestellt und umgebaut. Im Innern sind nur die aufwendig gestalteten Treppenhäuser erhalten. Um 1950 und 1992 fanden Umbauten statt. Als Teil des Bauwerksensembles an der nördlichen Mauerstraße ist es denkmalgeschützt.

Das Architekturbüro Kayser & von Großheim gehörte zu den führenden Berliner Architekturbüros nach der Gründung des Deutschen Reiches im Jahr 1871. Es errichtete viele Geschäfts- und Warenhäuser, vor allem aber großbürgerliche Villen und erhielt auch öffentliche Bauaufträge. So entwarfen die beiden Architekten das Reichsmilitärgereicht am Lietzensee und die Kunst- und Musikhochschule an der Hardenbergstraße.

Mohrenstraße 62
Bau der U-Bahn Verlängerungsstrecke vom Leipziger Platz bis zum Spittelmarkt 1907.
U-Bahn-Bau vom Leipziger Platz zum Spittelmarkt 1907. Im Hintergrund der historische Bau.

In der Mohrenstraße 62 Ecke Glinkastraße residieren heute das Bundesministerium für Gesundheit und das für Arbeit und Soziales. Das Gebäude entstand 1903 für die Preußische Lebens-Versicherungs AG. Das Baudenkmal (mit der Glinkastr. 10–12) wurde um 1935 umgebaut.

Die 1865 gegründete Versicherungsgesellschaft bot ihre Produkte nicht nur in Deutschland, sondern auf Grund der vielen deutschen Auswanderer auch in den Vereinigten Staaten an. 1923 fusionierte sie mit der Berlinischen Lebensversicherung. Heute firmiert die Gesellschaft als Berlinische Leben und gehört zur Münchener Rück.

Ein Dienstgebäude des Bundesgesundheitsministeriums in der Mohrenstraße.
Ein Dienstgebäude des Bundesgesundheitsministeriums in der Mohrenstraße.

 

Teil 2