13. Juli 2024
Saugschale (Kylix) aus Kition © Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / Ingrid Geske

Wiedereröffnung des Zypern-Saals

Kürzlich wurde der Zypern-Saal im Neuen Museum auf der Berliner Museumsinsel feierlich wiedereröffnet. Die Zeremonie wurde von Dr. Vasiliki Kassianidou, der Kulturministerin der Republik Zypern, und der deutschen Kulturstaatsministerin Claudia Roth geleitet. Musikalisch begleitet wurde die Veranstaltung vom HXOS Chor Berlin unter der Leitung von Stelios Chatziktoris, der zypriotische und griechische Chorwerke präsentierte. Zu den wieder ausgestellten Schätzen gehören eine Göttinnenstatue mit Taube, Kleinplastiken, eine Saugschale aus Kition und Funde aus den Königsgräbern von Tamassos.

Kulturstaatsministerin Claudia Roth betonte die Bedeutung der Sammlung: „Das Neue Museum beherbergt eine der wichtigsten Sammlungen zypriotischer Altertümer außerhalb Zyperns. Diese Objekte geben uns Einblicke in die Kultur des Mittelmeers und zeigen die vielfältigen Einflüsse durch die intensiven Kontakte Zyperns zu Ägypten, der Levante, Anatolien und Griechenland. Der Zypern-Saal ermöglicht eine Zeitreise bis ins Jahr 2500 vor Christus und erweckt eine längst vergangene Welt zum Leben.“

Dr. Vasiliki Kassianidou, selbst Archäologin, hob die Bedeutung des Saals für Besucher hervor: „Der Zypern-Saal im Neuen Museum bietet eine hervorragende Möglichkeit, die zypriotische Archäologie und antike Kultur zu entdecken und mehr über die lange Geschichte unserer Insel zu erfahren.“

Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz (SPK), kündigte eine geplante Sonderausstellung zur antiken Geschichte Zyperns an, um die kulturelle Bedeutung der Insel weiter zu beleuchten.

Zypern, die östlichste Insel des Mittelmeers, gilt mythologisch als Geburtsort der Göttin Aphrodite. Seit dem 3. Jahrtausend v. Chr. spielte Zypern eine zentrale Rolle in der europäischen Vorgeschichte, insbesondere durch den Kupferbergbau, der die Insel zu einem wichtigen Handelszentrum machte. Im Laufe der Zeit siedelten sich verschiedene Kulturen wie die Phönizier, Griechen und Ägypter an, gefolgt von persischen und römischen Einflüssen. Diese kulturelle Vielfalt prägt Zypern bis heute.

Die Berliner Sammlung verdankt ihre Existenz dem deutschen Archäologen Max Ohnefalsch-Richter, der zwischen 1880 und 1889 auf Zypern forschte. Seine Funde gelangten nach Berlin und Leipzig, bevor sie nach der deutschen Wiedervereinigung wieder zusammengeführt wurden.

Mit der Wiedereröffnung des Neuen Museums im Jahr 2009 wurde der Zypern-Saal geschaffen, der nun die vereinte Sammlung präsentiert. Die Sammlung umfasst Objekte von 2500 v. Chr. bis ins 4. Jahrhundert n. Chr. und ist eine der größten und vielfältigsten Sammlungen zypriotischer Altertümer in Deutschland. Sie gehört zu den bedeutendsten Sammlungen weltweit, zusammen mit den Beständen des British Museum in London, des Louvre in Paris und anderer führender Museen.

Zu den Höhepunkten der Sammlung zählt eine Statue einer Göttin mit Taube aus Dali, die als Aphrodite oder Astarte interpretiert wird, sowie eine seltene Saugschale aus Kition, die vermutlich für Trankopfer verwendet wurde. Diese und andere Exponate geben faszinierende Einblicke in die antike Kultur Zyperns.

 

Saugschale (Kylix) aus Kition
© Staatliche Museen zu Berlin, Museum für Vor- und Frühgeschichte / Ingrid Geske