29. Juli 2021

Wissenschaft an der Bahnsteigkante

Kaum ist der neue U-Bahnhof Unter den Linden als Bahnhof der Wissenschaft eröffnet, präsentiert die Humboldt-Universität zu Berlin hier schon eine Ausstellung. Thema ist die Wechselwirkung von Natur und Mensch. Auf 16 Tafeln mit einer Größe von 6,2 mal 1,8 Metern visualisieren die Bilder dieser Ausstellung künstlerisch die Fragestellungen, die im geologischen Zeitalter des Anthropozän in den unterschiedlichsten Wissenschaftsbereichen zur Bearbeitung auf dem Tisch liegen.

Der Begriff „Anthropozän“ leitet sich vom altgriechischen „Anthropos“ für Mensch und „zän“ für Epoche ab. In noch nie dagewesener Art und Weise beeinflusst der Mensch in unserem Zeitalter mit seinem Handeln das System Erde. Mit Folgen für jedermann. Wo und in welcher Weise zeigen die von der Berliner Grafikerin Nele Brönner gestalteten Wimmelbilder auf eine sehr beeindruckende und ästhetische Weise.

Wissenschaft an der Bahnsteigkante - die erste Ausstellung im neuen Bahnhof Unter den Linden.
Wissenschaft an der Bahnsteigkante – die erste Ausstellung im neuen Bahnhof Unter den Linden zeigt Wimmelbilder von Grafikerin Nele Brönner.
Fotos: Matthias Heyde
Klimaerwärmung und Migration

Tag für Tag werden sich von heute an vermutlich tausende Berliner und auch Gäste der Stadt beim Umsteigen und Warten auf die nächste U-Bahn mit den Fragen und Folgen von Klimaerwärmung, Migration, Flucht oder auch grenzüberschreitender Vernetzung auseinandersetzen können.

669 Begriffe, 258 Bildelemente, 750 ml beste Tusche, mindestens 21,6 Meter feinstes, italienisches Papier und etliche intensive Gespräche mit Wissenschaftlern waren vonnöten für die Gestaltung der Wimmelbilder, die der Kern der Ausstellung sind. Die Elemente, aus denen sich die gestalteten Umwelten des Anthropozän zusammensetzen, werden verbal heraufbeschworen. Die Aufzählungen wechseln sich ab mit grafischen Animationen typischer Strukturen und Begrifflichkeiten, die sich aus der Beschäftigung mit dem Thema ableiten.

Charme der Wimmelbilder

Künstler nutzen Wimmelbilder seit Jahrhunderten für die Darstellung komplexer Zusammenhänge und der Verwobenheit von Ereignissen und Geschichten. Erinnert sei an den „Garten der Lüste“ von Hieronymus Bosch oder auch an die berühmte Zeichnung Alexander von Humboldts vom Berg Chimborazo. Immer wieder erliegen die Menschen dem besonderen Charme der Bilder, auf denen es so viel zu entdecken gibt. „Wir freuen uns sehr auf diese für uns sehr ungewöhnliche Weise, Wissenschaft in den Alltag der Menschen zu bringen. Wir hoffen, dass sich die Fahrgäste – ob jung oder alt – dazu animieren lassen, sich auf die Wissenschaft und ihre Themen einzulassen.“, sagt Sabine Kunst, Präsidentin der Humboldt-Universität.

Im Kontext des Ausbaus der U-Bahnlinie 5 hatte der Berliner Senat zwei der neuen Bahnhöfe zu Themenbahnhöfen erklärt und entschieden, diese werbefrei gestalten zu lassen. Einer davon der sogenannte Bahnhof der Wissenschaften Unter den Linden/Friedrichstraße in unmittelbarer Nähe der Humboldt-Universität zu Berlin.

Der Regierende Bürgermeister und Wissenschaftssenator von Berlin, Michael Müller:

„Auch wenn sie den Tunnelblick eher scheut und stets Bahnbrechendes im Sinn hat, passt die Wissenschaft ganz hervorragend zur BVG. Beide bewegen Berlin und sind überall in unserer Stadt zu finden. Jetzt heißt es auf der neuen U5: Nächster Halt, Wissenschaft! Die Ausstellung der Humboldt-Universität im U-Bahnhof Unter den Linden ist ein wunderbarer Weg, Erkenntnisse aus der Forschung mitten in die Gesellschaft zu tragen. Das ist ein zentraler Anspruch unserer Wissensstadt und auch unser Ziel für 2021, wenn wir in Berlin ein ganzes Jahr der Wissenschaft feiern.“


Die Ausstellung im Bahnhof der Wissenschaften Unter den Linden/Friedrichstraße ist ein gemeinsames Projekt der Humboldt-Universität zu Berlin, der Schiel-Projektgesellschaft, der Ausstellungsagentur TheGreenEyl und dem Büro für prekäre Konzepte sowie der Grafikdesignerin Nele Brönner.