Was wird aus dem Boulevard Unter den Linden?

Unter den Linden - der Prachtboulevard der Hauptstadt. Foto: Michael-Leps/pixelio.de
Unter den Linden – der Prachtboulevard der Hauptstadt.
Foto: Michael-Leps/pixelio.de

Weniger kontrovers als erwartet gestaltete sich das Gespräch am Langen Tisch vor einigen Tagen zum Thema „Boulevard Unter den Linden – Eine Fußgängerzone?“, zu der der ArchitekturPreis Berlin e. V. eingeladen hatte. Eignet sich der Boulevard Unter den Linden – die Feststraße der Republik mit ihren Großbotschaften, historischen Kultur- und Wissenschaftsbauten, mit Staatsbibliothek, Humboldt-Universität, Staatsoper, mit Museen, Gedenkstätten und Denkmälern sowie den Hauptstadtrepräsentanzen großer Banken, Verlage und Autohäuser – zur Umwandlung in eine Fußgängerzone?

Und um das Ergebnis gleich vorwegzunehmen: eine reine Fußgängerzone will niemand. Weder der Fuss e.V., noch ADAC oder ADFC. Und selbst die Stadtplaner warnen davor, die Straße komplett autofrei zu machen. Jens-Holger Kirchner, Staatssekretär der Senatsverwaltung für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz, sieht dieses Thema auch nicht als drängend, man werde sich der Angelegenheit aber im zweiten Halbjahr im Rahmen einer Machbarkeitsstudie widmen. Also ging es in der Diskussion eher um die Breite der Rad- und Fußgängerwege sowie die Anzahl der Fahrbahnen.

Guido Herrmann, Vorstandsvorsitzender DIE MITTE e.V.
Guido Herrmann, Vorstandsvorsitzender DIE MITTE e.V.

„Wem gehört Unter den Linden? Und für wen machen wir das?“ Guido Herrmann, Vorstandsvorsitzender DIE MITTE e.V., erinnerte an die Bedeutung der Straße als zentrale Achse einer Hauptstadt und fragte, für wen die Verkehrsberuhigung eigentlich gedacht sein solle, „für Berliner jedenfalls nicht.“ Er wünscht sich lieber ein nachhaltiges Baustellenmanagement. Für den Zeitraum bis zur endgültigen Klärung warnt er jedoch davor, ein Vakuum entstehen zu lassen, in dem sich dann Gaukler und andere „Unterhaltungskünstler“ ihre Nische suchen könnten.

„Unter den Linden ist ein Schaufenster, beginnend mit dem Sehnsuchtsort vieler Deutschen am Brandenburger Tor bis hinüber zum Humboldt-Denkmal als Gegenentwurf und Weltkulturerbe“, so Herrmann und ergänzt: „Dass wir die Mitte beleben wollen, darin sind wir uns einig. Aber mit Gefühl und Augenmaß.“