20. Mai 2024
Fälschungen von antiken Münzen, die massenhaft als vermeintliche Originale an Touristen verkauft werden. Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin, Schenkung 2024, © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Franziska Vu

Über lange Finger und falsche Münzen

Ebenso alt wie das geprägte Geld sind die damit verbundenen Verbrechen. Münzen und Medaillen aus edlem Metall verlocken zu Diebstahl, Raub und Unterschlagung. Falschmünzen für den Geldumlauf untergraben das Vertrauen in die Währung und sind abzugrenzen von den seit der Renaissance hergestellten Münzfälschungen speziell für Sammler. In der Ausstellung „Lange Finger – Falsche Münzen. Die dunkle Seite der Numismatik“ werden Originale und Fälschungen einander gegenübergestellt, Werkzeuge geben Aufschluss über die Techniken der Fälscher.

Im Kern widmet sich die Sonderausstellung des Münzkabinetts Falschmünzerei und Münzfälschungen. Falschmünzen werden von Privaten, aber gelegentlich auch von staatlichen Stellen angefertigt. Vor allem in Zeiten, in denen Münzen die einzigen Zahlungsmittel waren, stellten Fälschungen ein ernsthaftes Problem dar, das im schlimmsten Fall zu einer Destabilisierung der Wirtschaft führen konnte. Ob Friedrich der Große ein Falschmünzer war und wo die Grenzen zwischen entwertetem Geld und Fälschung liegen, wird in der Ausstellung thematisiert.

Mit der abnehmenden Bedeutung des Münzgeldes sind Falschmünzen heute eine eher marginale Erscheinung, Dafür bereitet die Erkennung von immer raffinierteren Fälschungen von Münzen für Sammler zunehmende Schwierigkeiten. Breiten Raum in der Ausstellung nehmen die Techniken der Falschmünzer und Münzfälscher ein. Historische und moderne Fälscherwerkzeuge aus dem Besitz des Münzkabinetts, der Deutschen Bundesbank, der KfW Bankengruppe und privater Leihgeber illustrieren das kriminelle Vorgehen. Dem werden die Methoden der Fälschungserkennung samt der Möglichkeit zu interaktivem Selbstversuch gegenübergestellt. Welche Strafen Falschmünzer im Laufe der Zeit erhielten, wird anschaulich illustriert.

Prägezange eines Falschmünzers zur Herstellung falscher Markstücke des Jahres 1934.
Prägezange eines Falschmünzers zur Herstellung falscher Markstücke des Jahres 1934.
Fotos: © Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Franziska Vu

Das Münzkabinett der Staatlichen Museen zu Berlin beherbergt aktuell rund 540.000 geldgeschichtliche Objekte. Dazu gehören auch einige tausend Falschmünzen und Münzfälschungen, die seit dem 19. Jahrhundert gezielt gesammelt werden. Von einigen der berühmtesten Münzfälscher, darunter Nicolaus Seeländer (1682–1744) und Carl Wilhelm Becker (1772–1830) bewahrt das Münzkabinett einzigartige Archivalien und Bestände, die auch Werkzeuge von Fälschern umfassen.

Gestreift werden in der Ausstellung auch andere Verbrechen im Zusammenhang mit Münzen. Diebstahl, Raub und Vergehen gegen den Kulturgutschutz sind kein spezifisch numismatisches Problem. Die Handlichkeit der Objekte macht Münzen und Medaillen allerdings besonders anfällig für diese Verbrechen. Auch die Sammlung des Münzkabinetts war seit dem Dreißigjährigen Krieg (1618–1648) bis zum Diebstahl der Big Maple Leaf im Jahr 2017 immer wieder von Verlusten betroffen.

„Lange Finger – Falsche Münzen. Die dunkle Seite der Numismatik“ wird kuratiert von Christian Stoess, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Münzkabinett.

Zur Ausstellung erscheint im Battenberg-Gietl Verlag die Begleitpublikation „Falschgeld und Münzfälschungen“ mit 15 Beiträgen namhafter Wissenschaftler zur Ausstellungsthematik.

Lange Finger – Falsche Münzen. Die dunkle Seite der Numismatik
17. Mai 2024 – 21. September 2025
Eine Sonderausstellung des Münzkabinetts – Staatliche Museen zu Berlin
Eröffnung: Donnerstag, 16. Mai 2024, 18 Uhr

Fälschungen von antiken Münzen, die massenhaft als vermeintliche Originale an Touristen verkauft werden.
© Staatliche Museen zu Berlin, Münzkabinett / Franziska Vu