18. Juni 2021
Plakataktion zum Statement von Hans Haacke 'Wir (alle) sind das Volk' am Bauzaun des Museum des 20. Jahrhunderts. Foto: SPK/photothek/Thomas Koehler

Berliner Kulturforum: Kunst am Bauzaun

Der Bauzaun des von Herzog & de Meuron entworfenen Museums des 20. Jahrhunderts am Berliner Kulturforum wird in den kommenden Jahren mit wechselnden künstlerisch-grafischen Gestaltungen bespielt. Mit dem Werk „Wir (alle) sind das Volk“ des Künstlers Hans Haacke setzt die Nationalgalerie als Auftakt der „Kunst am Bauzaun“ ein Zeichen für eine offene, kulturell vielfältige und tolerante Gesellschaft.

„Kunst am Bauzaun“ wird dabei stets einen Bezug zum Sammlungsschwerpunkt des Neubaus haben: das 20. Jahrhundert aus künstlerischer Perspektive. „Wir möchten damit sichtbar und erfahrbar machen, dass hier ein neuer gesellschaftlicher Ort, ein Ort der Kunst entsteht, der den Anspruch hat, sich mit der Stadtgesellschaft zu verknüpfen“, erläutert Joachim Jäger, kommissarischer Direktor der Nationalgalerie das Konzept.

Verbundenheit zeigen
Plakataktion am Bauzaun des Museum des 20. Jahrhunderts.
Plakataktion zum Statement von Hans Haacke ‘Wir (alle) sind das Volk’ am Bauzaun des Museum des 20. Jahrhunderts.
Foto: SPK/photothek/Thomas Koehler

Hans Haackes Arbeit „Wir (alle) sind das Volk“ ist von Mai bis Oktober 2021 entlang der Baustelle als Kunstprojekt im öffentlichen Raum zu sehen. Das in 12 Sprachen – unter anderem auf Arabisch, Farsi, Russisch und Türkisch – verfasste Statement verweist auf die weltbekannte Parole der friedlichen Revolution in der DDR 1989, die jedoch seither auch von rechtsextremer Seite umgedeutet wurde. Haacke erweitert sie durch den Zusatz eines eingeklammerten „alle“, die Übersetzung in viele Sprachen und die flankierenden Regenbogenfarben im Sinne einer Anerkennung von kultureller Vielfalt und diverser Lebensformen über ethnische und staatliche Grenzen hinweg. Der Künstler versteht sein oft als Reihe gezeigtes „Wir (alle) sind das Volk“-Plakat auch als „Sprachensäule“, deren schwarze Basis und weißes Kapitell auf rassistische Diskriminierungen verweisen.

Die Konzeptidee zu „Wir (alle) sind das Volk“ begann 2003 für die Nikolaikirche in Leipzig und war 2017 Teil der documenta 14 in Kassel und Athen. Wie in vielen seiner Arbeiten greift Haacke vertraute Signale, Elementen oder Farben, aus Kulturgeschichte oder Werbesprache auf. Für Berlin ergänzte Haacke die documenta-Version durch eine aktuelle New Yorker Variante in Reaktion auf die „Black Lives Matter“-Bewegung.

„Die Sammlung der Nationalgalerie setzt sich qua definitionem seit ihrem Bestehen, seit Ende des 19. Jahrhunderts, intensiv mit den wechselnden Vorstellungen eines ‚nationalen‘ Selbstverständnisses auseinander“, so Uta Caspary, Kuratorin der Neuen Nationalgalerie und Mitinitiatorin des „Kunst am Bauzaun“-Projektes. „Die Sammlung gehört der Nation – ‚dem Volk‘ bzw. ‚der Gesellschaft‘. Ihre Kunstwerke spiegeln die historischen Geschehnisse, die damit einhergehenden Brüche und gesellschaftlichen Wandlungen. Die deutsche Teilung wird im Neubau einen wichtigen Schwerpunkt bilden, da die Nationalgalerie aufgrund ihrer eigenen Teilungsgeschichte über einen besonders vielgestaltigen Bestand von Werken aus West- wie Ostdeutschland verfügt.“

Das Projekt wird gefördert von der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien.

 

Titelfoto: Plakataktion zum Statement von Hans Haacke ‘Wir (alle) sind das Volk’
am Bauzaun des Museum des 20. Jahrhunderts.

Foto: SPK/photothek/Thomas Koehler