2. Juni 2020
So wünscht sich der Flussbad-Verein die künftige Badestelle.

Serie: Mit Volldampf in die neuen Zwanziger Teil 5

In Teil 5 unserer Serie der größten Bauprojekte in Berlin-Mitte geht es um das Flussbad und die Schinkelsche Bauakademie. Vergnügungstempel, wildes Nachleben, Erotik, Varietés, Ballsäle – die vielbeschworenen Goldenen Zwanziger in Berlin waren ein wilder kultureller und lasterreicher Cocktail. Und wie präsentiert sich die deutsche Hauptstadt rund hundert Jahre später? Sie steht sie vor gewaltigen Herausforderungen und verändert Tag für Tag ihr Gesicht.

So wünscht sich der Flussbad-Verein die künftige Badestelle.
So wünscht sich der Flussbad-Verein die künftige Badestelle.
Visualisierungen: © 2015 realties:united, Berlin, by courtesy of Flussbad Berlin e.V.
Flussbad

Zwischen Bodemuseum und Schlossbrücke soll nach Plänen des Vereins Flussbad Berlin e.V. eine Badestelle mit sauberem Spreewasser entstehen; 840 Meter lang und erreichbar über breite Treppen entlang des Kupfergrabens. der Spreekanal, der an der Inselbrücke beginnt, soll mit Hilfe eines ausgeklügelten ökologischen Filtersystems aus Kies und Schilf ein sauberes Badegewässer werden.

Das gesamte Flussbadprojekt ist rund 1,8 Kilometer lang und erstreckt sich von der Fischerinsel bis zum Bode-Museum. Neben dem öffentlich zugänglichen Schwimmbereich sind zwei weitere Abschnitte geplant: ein naturnaher Wasserlauf und ein Pflanzenfilter, der das gegenwärtig durch Einleitungen aus der Mischwasserkanalisation verschmutzte Spreewasser ökologisch reinigt. Entlang einer neuen Parklandschaft im Bereich Fischerinsel sollen Uferwege entstehen.

Wann das Projekt umgesetzt und abgeschlossen sein wird, ist noch unklar.


Schinkelsche Bauakademie

Das Gebäude der Bauakademie war nach dem Entwurf von Karl Friedrich Schinkel von 1832 bis 1836 auf dem Gelände des ehemaligen Packhofes für zwei preußische Behörden errichtet worden. Das Bauwerk galt in seiner Konstruktionsweise als revolutionär für das 19. Jahrhundert und soll laut Hermann Parzinger „das erste maßgebliche profane Rohziegelgebäude in Preußen“ sein. 1945 brannte die Bauakademie bei einem Bombenangriff aus. Mit dem Wiederaufbau des Gebäudes wurde in den 1950er-Jahren begonnen, das Projekt jedoch nicht beendet.

Der Förderverein für die Schinkelsche Bauakademie e.V. engagiert sich seit 1994 für die Wiedererrichtung des Stadtdenkmals. 62 Millionen Euro stehen dafür im Bundeshaushalt bereit. Eine rekonstruierte Musterfassadenecke sowie ein inzwischen entferntes Gerüst mit bedruckten Planen veranschaulichen seit Jahren, wie das Gebäude neben der Friedrichswerderschen Kirche nach der Sanierung einmal aussehen soll. Die inhaltliche Nutzung des Gebäudes ist jedoch noch offen. Diskutiert wird ein Architekturmuseum wie ein architektonisches Forum zum Thema nachhaltiges Bauen und Städtebau.

Die Kosten für einen vollständigen Wiederaufbau werden auf rund 55 Millionen Euro geschätzt.

Das bis vor kurzem mit Planen verhängte Gerüst der Bauakademie. Foto: A. Strebe
Das bis vor kurzem mit Planen verhängte Gerüst der Bauakademie.
Foto: A. Strebe