4. Dezember 2021
Church for Sale - im Hamburger Bahnhof zu sehen.

Hamburger Bahnhof feiert 25. Jubiläum

Anlässlich seines 25-jährigen Bestehens zeigt der Hamburger Bahnhof ab Sonntag, 28. November 2021, zwei große Ausstellungsprojekte: Die beiden Schauen „Church for Sale. Werke aus der Sammlung Haubrok und der Sammlung der Nationalgalerie“ und „Nation, Narration, Narcosis: Collecting Entanglements and Embodied Histories“ thematisieren den Sammlungsauftrag des Museums für Gegenwart. Der ehemalige Endbahnhof der Bahnstrecke Hamburg-Berlin eröffnete 1996 als weiteres Haus der Nationalgalerie für die Kunst nach 1960.

Church for Sale

Werke aus der Sammlung Haubrok und der Sammlung der Nationalgalerie
geplant von 28. November 2021 – 19. Juni 2022

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin.

Church for Sale - im Hamburger Bahnhof zu sehen.
Edgar Arceneaux, Church for Sale,
2013 Sammlung Haubrok
© Edgar Arceneaux

Zu seinem 25-jährigen Jubiläum zeigt der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart – Berlin in einer eigens für diesen Anlass entwickelten raumgreifenden Architektur in der Historischen Halle des Museums bedeutende Werke aus der Sammlung der Nationalgalerie und aus der Sammlung Haubrok. Die in der Ausstellung vertretenen Künstler begreifen im Sinne von Bruce Nauman Kunst als politische Tätigkeit, die sich mit allgegenwärtiger Gewalt und Aggression, mit Ausgrenzung und mangelndem Schutz von lebensrelevanten Gemeingütern nicht abfindet. In ihren Werken thematisieren sie die Verletzlichkeit der menschlichen Existenz in ihrer urbanen, gesellschaftlichen und kulturellen Umgebung.

Die Ausstellung „Church for Sale“ ist betitelt nach einer Werkserie von Edgar Arceneaux, die Anzeigetafeln aus der vom finanziellen Bankrott bedrohten Stadt Detroit zeigt, auf denen für den Verkauf von Kirchenräumen und mithin von gemeinschaftsbildenden Versammlungsräumen geworben wird. Die Schau umfasst Skulpturen, Fotografien, Grafiken, Wand- und Videoarbeiten verschiedener Künstler und ist der Auftakt für eine intensivere zukünftige Zusammenarbeit mit der Haubrok Foundation.

 Nation, Narration, Narcosis

Collecting Entanglements and Embodied Histories
geplant von 28. November 2021 – 3. Juli 2022

Eine Sonderausstellung der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin im Dialog mit den Sammlungen der Galeri Nasional Indonesia (Jakarta, Indonesien), des MAIIAM Contemporary Art Museum (Chiang Mai, Thailand), des Singapore Art Museum (Singapur), initiiert vom Goethe-Institut Südostasien, gefördert von der Kulturstiftung des Bundes und dem Goethe-Institut.

Kawita Vatanajyankur, Dye, 2018(c) Courtesy the Artist, Collection: MAIIAM ContemporaryArt Museum, Thailand
Kawita Vatanajyankur, Dye, 2018(c) Courtesy the Artist, Collection: MAIIAM ContemporaryArt
Museum, Thailand

„Nation, Narration, Narcosis: Collecting Enganglements and Embodied Histories“ im Hamburger Bahnhof widmet sich dem Verhältnis von Kunst zu politischen Protesten, historischen Traumata und gesellschaftlichen Narrativen vom 19. Jahrhundert bis zur Gegenwart. In einer Zeit, in der Eisberge schneller schmelzen als Gesellschaften darauf reagieren und in der das Ende der Welt vorstellbarer ist als das Ende des Kapitalismus fasst die Ausstellung Klima und Umwelt nicht nur ökologisch, sondern auch sozial auf. In diesem Zusammenhang stellt „Nation, Narration, Nar-cosis: Collecting Entanglements and Embodied Histories“ Fragen nach den oft brutalen Prozessen der Nationenbildung, der dabei der Kunst zukommenden Rolle und danach, welche hegemonialen wie alternativen Formen von Gemeinschaft und ihren Erzählungen denkbar sind und in Kunstwerken reflektiert werden. Ausgehend von Beuys‘ Konzept der sozialen Plastik konfrontiert die Ausstellung den im Namen „Nationalgalerie“ enthaltenen Begriff der Nation mit anderen Konzepten von Verbundenheit, Solidarität und Individualität. Zu sehen sind Werke von über 50 Künstlern. Als fortlaufendes, internationales Kooperationsprojekt vereint die Ausstellung erstmals Kunstwerke aus den Sammlungen der Galeri Nasional Indonesia, des MAIIAM Contemporary Art Museum, des Singapore Art Museum und der Nationalgalerie – Staatliche Museen zu Berlin.

Der Hamburger Bahnhof wird 25

Am 1. November 1996 wurde der Hamburger Bahnhof – Museum für Gegenwart –  Berlin als weiteres Haus der Nationalgalerie für die Kunst nach 1960 eröffnet. Im Jahr 2004 konnte das Museum mit den sogenannten Rieckhallen seine Ausstellungsflächen nahezu verdoppeln, um neben der Präsentation von Sonderausstellungen auch die umfangreichen Bestände der Nationalgalerie sowie privater Sammlungen wie der Sammlung Marx, der Sammlung Marzona, der Haubrok Foundation und der Friedrich Christian Flick Collection zu zeigen. Als Endbahnhof der Bahnstrecke zwischen Hamburg und Berlin wurde der Bau im Dezember 1846 in Betrieb genommen und ist heute als einziges historisches Bahnhofsgebäude jener Zeit in der Stadt erhalten. Das Ensemble mit dem von Josef Paul Kleihues umgebauten historischen Gebäude und den von Kuehn Malvezzi sanierten Speditionshallen gilt als einzigartiger Ausstellungsort für zeitgenössische Kunst in Berlin. Angesichts der nicht gesicherten Zukunft der Rieckhallen verlängerte der Sammler Friedrich Christian Flick die seit 2004 bestehende Kooperation mit der Nationalgalerie nicht. Die umfangreiche Schenkung von 268 Werken von Friedrich Christian Flick (2008 und 2014) an die Nationalgalerie verbleibt auch nach dem Ende des Leihvertrags am Haus. Die noch bis zum 7. November 2021 laufende Ausstellung „Scratching the Surface“ ist die letzte Präsentation, die auf die Leihgaben der Friedrich Christian Flick Collection zurückgreifen kann, und die vorerst letzte Ausstellung in den Rieckhallen.