Hotel Albrechtshof

Das heutige Hotel Albrechtshof wurde bereits 1910 als Hospiz am Bahnhof Friedrichstraße eröffnet und besteht seit 1913 in seiner heutigen Größe. Seine damalige Gründung verdankt es der Unterstützung wohlhabender Freunde der Berliner Stadtmission, in deren Besitz es sich bis heute befindet. Getreu dem Motto „Wohlstand hilft Wohlfahrt“ sollte seine Rendite nach dem Willen der Gründer die missionarische und karitative Arbeit der Stadtmission finanzieren helfen.

1994 wurde das Haus als Hotel Albrechtshof wiedereröffnet.
1994 wurde das Haus als Hotel Albrechtshof wiedereröffnet.

Als die älteste Unterlage über das Grundstück Albrechtstraße 8 galt ursprünglich ein aus dem Jahre 1838 stammender Hypothekenbrief. Später wurde jedoch im Grundbuch des Hauses ein Eintrag gefunden, der die Immobilie zu einem noch früheren Zeitpunkt nennt. Dort wird ein „unterm 28. Juni 1829 abgeschlossener gerichtlicher Kaufkontrakt“ erwähnt, der an diesem Tage „zwischen dem früheren Besitzer dieses Grundstücks, dem Maurermeister Carl Ludwig Schüttler, und dem jetzigen Eigentümer Joachim Herrmann Goetting“ geschlossen worden ist. Dieser Kontrakt von 1829 konnte ebenfalls aufgespürt werden und aus ihm geht hervor, dass das Haus für 2.750 Taler an den neuen Besitzer überging.

Blick in die ehemalige Küche
Blick in die ehemalige Küche

In der Zeit zwischen 1829 und 1900 wechselte das Grundstück mehrmals den Eigentümer. Am 6. April 1900 wurde die „Paul Hartmann OHG mit dem Sitze zu Heidenheim an der Brenz und Zweigniederlassung in Berlin “ als Eigentümerin in das Grundbuch eingetragen. Auch der Verwendungszweck des auf dem Grundstück errichteten Gebäudes kann bis zum Jahre 1900 zurückverfolgt werden. Nachweise ergaben, dass es zumindest ab diesem Jahre der „Allgemeinen Deutschen Pensionsanstalt für Lehrerinnen und Erzieherinnen zu Berlin“ als Dienstgebäude und wahrscheinlich auch als Wohnheim für in den Ruhestand getretene Lehrerinnen und Erzieherinnen diente.

Vor über 100 Jahren wurde das Hospiz eröffnet.
Vor über 100 Jahren wurde das Hospiz eröffnet.

Im Jahre 1908 hat die Firma Paul Hartmann das Grundstück Albrechtstraße 8 dann „wie es steht und liegt“ an den Christlichen Kellnerverein in Berlin verkauft. Aber bereits ein Jahr später ging das Eigentum an dem Grundstück an den Verein für Berliner Stadtmission über, weil der Christliche Kellnerverein in Konkurs gegangen war und Insolvenz angemeldet hatte. Die Berliner Stadtmission konzentrierte sich anfänglich auf die 14 Sonntagsschulen, um über die Kinder auch deren Eltern zu erreichen.

Altes Lesezimmer.
Altes Lesezimmer.

Im Jahr 1913 erfolgte dann ein Anbau, mit dem einige grundlegende Verbesserungen im Arbeitsablauf und damit in der Gastlichkeit des Hauses möglich wurden. Da die Etagen nach Fertigstellung des Anbaus im Jahre 1914 im Karree begangen werden konnten, erleichterte sich vor allem für die Zimmermädchen die Arbeit und die langen Wege zu den Magazinen entfielen. Für die bessere Gastlichkeit sorgten neben den zusätzlich gewonnenen 25 Doppel- und Einzelzimmern – etliche davon erhielten sogar ein eingebautes Bad – eine Kaffeeküche im Parterre mit einem daran anschließenden kleinen Café sowie der getäfelte Frühstücksraum. Damit hatte das Hospiz die Größe und Gestalt erlangt, die es im Wesentlichen bis in die 1980er-Jahre beibehalten hat und zählte schon bald zu einem der angesehensten Häuser in der Mitte Berlins. Neben Geschäftsleuten wurde es vor allem von durchreisenden Familien und alleinreisenden Frauen gern aufgesucht.

In den Jahren bis zum Zweiten Weltkrieg gab es zwar noch verschiedene Pläne für einen Um- und weiteren Anbau, die jedoch aufgrund der Weltwirtschaftskrise nicht umgesetzt wurden. Als zu Beginn der 1940er-Jahre der „Generalbauinspektor für die Reichshauptstadt“ in Erwägung zog, den Verlauf der Spree zu begradigen, den Spreebogen in der Mitte der Stadt zu beseitigen und dabei eine erweiterte Spree-Uferstraße anzulegen, hätte das den Abriss des Hospizes bedeutet. Da aber auch die Stadt so sehr an Geldmangel litt, konnte dieser Plan ebenfalls nicht verwirklicht werden.

In der Folgezeit hatte das christliche Hospiz eine bewegte und bewegende Geschichte: Während der Hitlerzeit fanden hier Treffen des Reichsbruderrates der illegalen Bekennenden Kirchen statt und in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges beherbergte es die Augenklinik der Charité sowie einen Pharmaziehandel. Während der SED-Herrschaft war es der Treffpunkt unzähliger Familien, die durch die deutsche Teilung getrennt waren und galt nach Aussage von Dr. Manfred Stolpe als „der einzige neutrale Ort in Ostberlin, an dem man sich einigermaßen ungestört unterhalten konnte.“

Dr. Martin Luther King zu Gast im ehemaligen Hospiz.
Dr. Martin Luther King zu Gast im ehemaligen Hospiz.

Als eines von zwei nicht der staatlichen Reglementierung unterworfenen Häusern war es außerdem der Garant für die Durchführung gesamtdeutscher wie internationaler Kirchentagungen – in diesem Zusammenhang weilten wiederholt hochangesehene Kirchenvertreter in dem Haus, unter anderem der amerikanische Baptistenprediger und Bürgerrechtler Dr. Martin Luther King. Er erschien am Abend des 13. Septembers 1964 unerwartet in Ost-Berlin. Nach einem Gottesdienst in der Sophienkirche fuhr er mit seinem Begleiter gegen 22 Uhr in das christliche Hospiz in der Albrechtstraße, um sich dort im Restaurant des Hospizes mit wichtigen Kirchenvertretern zu treffen. Insbesondere für King war es ein anstrengender Tag, was man ihm nach Zeitzeugenaussagen auch anmerkte.

Während des Gesprächs trugen sich die Anwesenden in das Gästebuch des Hauses ein. Zu den Gästen zählten unter anderem Gerhart Schmitt (Generalsuperintendent Ost-Berlin), Albrecht Schönherr (Generalsuperintendent Eberswalde), Gerhard Brennecke (Missions-Direktor) und Fritz Figur (Präses der Berlin-Brandenburger Synode).

Zur Erinnerung und Würdigung an Martin Luther King wurde im Hotel Albrechtshof eine Andachtskapelle gestaltet, die nach ihm benannt ist. Die Kapelle befindet sich im Untergeschoss, dort finden wochentags durch einen Missionar der Berliner Stadtmission begleitete Andachten für die Hotelgäste statt, und sie ist für Außer-Haus-Gäste frei zugänglich. Außerdem hängt an der Hauswand eine Gedenktafel zu seinen Ehren.

Die heutigen Zimmer sind hell und modern eingerichtet.
Die heutigen Zimmer im Hotel Albrechtshof sind hell und modern eingerichtet.

Nach einer umfangreichen und aufwendigen Sanierung Anfang der neunziger Jahre wurde das Haus am 4. März 1994 unter dem Namen Hotel Albrechtshof feierlich wiedereröffnet. Heute verfügt die Herberge über insgesamt 98 geschmackvoll und modern eingerichtete Zimmer sowie über 6 Konferenzräume für bis zu 80 Personen, und auch das Restaurant ALvis ist ein Stückchen Berlin im Herzen der Hauptstadt.

Gäste des Restaurants ALvis genießen im Hofgarten laue Sommerabende.
Gäste des Restaurants ALvis genießen im Hofgarten laue Sommerabende.