13. Juli 2020

„Das ist unsere Zeit“ – Ein Howie Fan packt aus

Wer glaubt, dass nur Teenies von einem Treffen mit ihrem Star träumen, irrt. Autorin Kirsten Hoffmeister bekam nach 38 Jahren Fan-Dasein die Möglichkeit, ihr Idol Howie – Howard Carpendale -persönlich kennenzulernen:


Vom 30. Januar bis zum 2. Februar 2020 kommt Howie für vier Shows nach Berlin.
Vom 30. Januar bis zum 2. Februar 2020 kommt der Schlagerstar für vier Shows nach Berlin.
Foto: Monsterpics/Moritz Künster

Es war montags abends in den siebziger Jahren. Im Fernsehen lief die ZDF-Hitparade. Und es trat ein Mann auf, der mich schon als kleines Mädchen in seinen Bann zog: Howard Victor Carpendale – von mir und tausenden anderen Frauen kurz Howie genannt. Sein weiches Gesicht, seine hünenhafte Statur und natürlich seine sanfte Stimme mit dem unverwechselbaren südafrikanischen Akzent verzauberte uns.

Meine Freundinnen begeisterten sich für andere Künstler. Zunächst Smokie und Abba, später Michael Jackson und Prince. Meine Leidenschaft galt „Ti amo“ oder „Nachts, wenn alles schläft“. War Howie in der Stadt, besuchte ich seine Konzerte. Jahrzehnte lang. Immer mit der gleichen Begeisterung. Die Jahre vergingen. Ich war erwachsen und Howie ein älterer Mann geworden, der beschloss, nicht mehr zu singen. Ich erinnere mich noch, dass ich sein Abschiedskonzert besuchte. Nur zwei Wochen vorher hatte ich meinen ersten Sohn zur Welt gebracht, aber man musste ja Prioritäten setzen.

Dann fünf Jahre später: Howie hatte sich das mit dem Singen anders überlegt. Die Comeback-Tournee stand an. Wieder war ich gerade Mutter geworden und hatte tagelang Muttermilch abgepumpt, um auch dieses Konzert besuchen zu können.

So wäre es wahrscheinlich ewig mit meiner Fernbeziehung weitergegangen. Doch zufälligerweise kam ich während irgendeines Konzertes mit meiner Sitznachbarin ins Gespräch und erfuhr, dass sie seit 1989 ihren „HC“ – wie sie ihn nennt – auf allen Tourneen begleitet und sogar in den selben Hotels übernachtet wie er. Und dass ihr größter Wunsch sei, ihn einmal ganz persönlich zu treffen.

Und dann wurde auf einmal ihr Wunsch zu meinem! Wozu war ich eigentlich Journalistin? Im zarten Alter von 48 Jahren wollte ich meinen 70-jährigen Star treffen. Wie hieß nochmal der Titel seiner damaligen Platte? Das ist unsere Zeit. Aber gerne doch. Ich kontaktierte das Management, das mir mitteilte, dass ich zehn Tage später einen halbstündigen Interview-Termin mit Mr. Himself hätte.

Autorin Kirsten Hoffmeister traf ihren Star Howard Carpendale.
Autorin Kirsten Hoffmeister traf ihren Star Howard Carpendale.
Foto: Kirsten Hoffmeister

Dann die Begegnung: Für mich ein Lebens-Höhepunkt, von dem mein Gegenüber aber gar nichts mitbekommt. Der Mann, den ich seit Jahrzehnten gut finde, sitzt mir gegenüber und lächelt mich offen an. Dann nickt er mir auffordernd zu und in diesem Moment schalte ich um auf meinen Beruf. Mein Interview-Schwerpunkt liegt bei Frauen, die ihm während der Tournee hinterherreisen, den Extremfans. Warum die das wohl machen, möchte ich wissen. Er weiß es nicht: „Obwohl ich mich das sehr oft frage“, erzählt er. „Die gehen mit mir auf Tournee und sind vier Wochen von zuhause weg. Das kostet die 10.000 – 15.000 Euro.“ Sexualität sei es wohl nicht, vermutet Howie, eine Vaterfigur sei er aber auch nicht. Großes Fragezeigen bei ihm. Ich weiß es. Es ist diese bestimmte Sehnsucht, ausgelöst durch die Musik und den Künstler selbst, die einen zu träumen verleitet und mit der man Alltägliches kompensieren kann. Howie erzählt mit einer gewissen Professionalität, dass es sogar schon Morde, Suizide sowie Vaterschaftsklagen miterlebt hat. Man merkt, der Mann ist es einfach gewohnt, von Frauen angehimmelt zu werden. Das Interview läuft routiniert ab. Kein Wunder, er ist seit über 50 Jahren im Geschäft und Treffen mit Journalisten sind Teil seines Alltags.

Als die Zeit um ist, verlasse ich den Raum in Höchststimmung. Wenn der wüsste… Natürlich haben wir noch ein Foto gemacht. Das hat jetzt einen Ehrenplatz bei mir. „Unsere Zeit“ kann mir keiner mehr nehmen. Und bei Howies Konzerten bin ich jetzt einfach nur wieder Fan.

Kirsten Hoffmeister


Nach fünf ausverkauften Shows in Berlin setzt Howard Carpendale seine neueste Erfolgsproduktion „Die Show meines Lebens“ anlässlich seines 50. Bühnenjubiläums fort und plant vom 30. Januar bis 2. Februar 2020 vier Konzerte in der Hauptstadt ein.