Interessanter Nachlass für Humboldt-Uni

HUMBOLDT-UNIVERSITÄT ZU BERLIN übernimmt den Nachlass der Afrikareisenden, Autorin und Kulturvermittlerin Erica de Bary

Die Autorin, Weltreisende und Kulturvermittlerin Erica de Bary war eine gefragte Kennerin afrikanischer Kulturen im Nachkriegsdeutschland. Der umfangreiche Nachlass der außergewöhnlichen Schriftstellerin und Übersetzerin  wurde von der Humboldt-Universität zu Berlin (HU) übernommen und jetzt zur weiteren wissenschaftlichen Forschung katalogisiert. Zum Archiv gehören unveröffentlichte Kurzgeschichten, Reisetagebücher, Gedichte und Übersetzungen sowie die Korrespondenzen mit bedeutenden Intellektuellen, für die Erica de Bary nicht selten als Inspirationsquelle fungierte. Der Nachlass umfasst auch zahlreiche beeindruckende Fotos aus Libyen und Madagaskar, Reisedokumente und Artikelsammlungen.

Erica de Bary. Foto: Harald de Bary
Autorin und Afrikareisende Erica de Bary.
Foto: Harald de Bary

Erica de Bary wurde 1907 als Erika Kramer in Charlottenburg geboren. Sie war von Kindheit an vom Reisen, von fremden Kulturen sowie Literatur und Philosophie fasziniert. Schon seit jungen Jahren war sie als Übersetzerin tätig und setzte sich intensiv mit den Werken afrikanischer Schriftsteller der Négritude wie Léopold Sédar Senghor, Jean-Joseph Rabéarivelo, Léon-Gontran Damas und Birago Diop auseinander.

In den 1940er Jahren lebte Erica de Bary während der deutschen Besatzung in Paris. Dort pflegte sie engen Kontakt mit vielen Intellektuellen der damaligen Pariser Bohème. Zu ihr zählten auch afrikanische Autoren, die später als Politiker wichtige Funktionen im Dekolonisierungsprozess übernahmen. Einige von ihnen, wie Léopold Sédar Senghor und Jacques Rabémananjara, pflegten die Freundschaft zu de Bary über viele Jahrzehnte hinweg. In Ihrer Villa in Frankfurt war de Bary Gastgeberin für zahlreiche  afrikanische Intellektuelle auf der Durchreise in Deutschland und beherbergte zum Teil monatelang Dissidenten und exilierte Dichter, wie beispielsweise den Angolaner Arlindo Barbeitos.

Von 1952 bis 1970 bereiste Erica de Bary intensiv den afrikanischen Kontinent, insbesondere über viele Jahre die Oasen Rhat und Ghadames in Libyen. Dort schloss sie enge Freundschaften, sodass sie bald in der ganzen Region bekannt war und einen arabischen Namen verliehen bekam.  1967 reiste sie durch Westafrika sowie Kamerun und 1970 auf Einladung von Minister Jacques Rabémananjara nach Madagaskar. Ihren Lebensabend verbrachte sie in Irland und Frankfurt.

Als Schriftstellerin erfuhr Erica de Bary nur eine begrenzte Bekanntheit – ihre Reiseberichte und Kenntnisse der afrikanischen Literaturen waren jedoch in Deutschland sehr gefragt. Sie prägte zu ihrer Zeit den Diskurs über Afrika mit. Das Archiv bietet interessante Forschungsmöglichkeiten sowohl für die Germanistik als auch für die Afrikawissenschaften.