27. Juli 2021

Quadriga: Schauwerkstatt im Deutschen Bundestag

Die Schauwerkstatt der Gipsformerei im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages ist wieder kostenfrei zugänglich. Dienstags bis sonntags von 11 bis 17 Uhr werden im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus die historischen Gipsmodelle der Quadriga vom Brandenburger Tor öffentlich restauriert. Das noch bis 30. Oktober 2022 laufende Projekt ist eine Kooperation des Deutschen Bundestages, des Landesdenkmalamtes Berlin und der Gipsformerei der Staatlichen Museen zu Berlin.

Symbolträchtig

Die Quadriga ist Berlins berühmtestes Bildwerk, weltweit bekannt als Symbol des wiedervereinigten Deutschland. Weniger bekannt sind sein Schöpfer, Johann Gottfried Schadow, der Begründer der Berliner Bildhauerschule des Klassizismus, und die über 225 Jahre währende wechselvolle Geschichte der Skulptur. In ihr spiegeln sich Höhen und Tiefen nicht nur der preußischen und deutschen Geschichte, seit dem Fall der Mauer wurden die Quadriga und das Brandenburger Tor zum Sinnbild des Freiheitswillens der Menschen in Ost und West.

Umso notwendiger ist es, ein solches Kulturgut von internationaler Bedeutung zu bewahren und zu schützen. Daher werden seit 30. Oktober 2020 sämtliche noch vorhandenen Gipsabgüsse der Quadriga im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages in einer offenen Schauwerkstatt zusammengeführt, dokumentiert, restauriert und zusammengesetzt. Am Ende des auf zwei Jahre angelegten Projektes wird die Quadriga in Originalgröße zu sehen sein.

 Nachbildung

Stehen Menschen heute vor dem Brandenburger Tor, sehen sie eine Nachbildung der Quadriga. 1942 wurde eine Schutzabformung mit Ausnahme des Wagens und der Standarte angefertigt. Aus diesen Formen wurden ab 1957 Gipsmodelle gefertigt, mit deren Hilfe eine Rekonstruktion der Quadriga hergestellt werden konnte, die schließlich 1958 nach schwierigen Verhandlungen zwischen Ost und West auf dem Brandenburger Tor aufgestellt wurde. Diese Gipsmodelle, die sich bis letztes Jahr in unterschiedlichen Erhaltungszuständen in verschiedenen Depots des Landesdenkmalamtes Berlin befanden, werden nun erstmals seit über 60 Jahren in der eigens eingerichteten Schauwerkstatt zusammengeführt und öffentlich rekonstruiert.

Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus werden die historischen Gipsmodelle der Quadriga vom Brandenburger Tor öffentlich restauriert.
Im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus werden die historischen Gipsmodelle der Quadriga vom Brandenburger Tor öffentlich restauriert.

Die Modelle sind näher am ursprünglichen Werk von Schadow aus dem Jahr 1793 als die heutige Version der Quadriga auf dem Brandenburger Tor, die erst nach den Kriegszerstörungen in den Jahren 1957/1958 von der Bildgießerei Noack neu gefertigt wurde. Auf diese Weise wird die Quadriga nach über 225 Jahren einer wechselvollen Geschichte in ihrem Ur-Zustand gesichert. Ebenso lassen sich interessante Erkenntnisse über die historischen Gipsmodelle, die Bedingungen der Abformung 1942 und vergangene Schäden und Restaurierungen gewinnen. So wurden etwa jüngst an den Modellen Abdrücke von genieteten Kupferblechflicken entdeckt, die vermutlich von der Restaurierung durch Klaus Kluge im Jahr 1926/1927 stammen, die aufgrund der Schäden des Spartakusaufstandes 1919 nötig wurden.

Eintritt frei

Die Quadriga-Schauwerkstatt ist ab Dienstag, 22. Juni 2021, dienstags bis sonntags von jeweils 11 bis 17 Uhr im Mauer-Mahnmal des Deutschen Bundestages im Marie-Elisabeth-Lüders-Haus zu besichtigen. Zusätzlich zu der bis zum 30. Oktober 2022 laufenden Restaurierung präsentiert sich in den Räumen eine Ausstellung mit Fotos zur Geschichte der Quadriga. Der Eintritt ist frei.

Marie-Elisabeth-Lüders-Haus (Schiffbauerdamm, Eingang an der Spree)


Welches Geheimnis sich unterhalb der Quadriga befindet, hat unser Historien-Autor Harald Neckelmann notiert.