Sparen: Sonderausstellung im DHM verlängert

Das Deutsche Historische Museum verlängert die vieldiskutierte Sonderausstellung Sparen – Geschichte einer deutschen Tugend um weitere zehn Wochen bis zum 4. November 2018.

„Wir wollen zeigen, dass die teils emotional geführte Debatte um die deutsche Austeritätspolitik während der Eurokrise auch eine historische Dimension besitzt. Das ist eine Perspektive, die viele Menschen interessiert und einen neuen Blick auf das Thema ermöglicht. Die große nationale wie internationale Resonanz bestätigt, dass die Ausstellung einen Nerv trifft“, so Prof. Dr. Raphael Gross, Präsident des Deutschen Historischen Museums.

Warum und in welcher Weise hat sich das Sparen in Deutschland über Jahrhunderte zu einer unhinterfragten Tugend entwickelt und welche Rolle spielt der Staat dabei? Die Sonderausstellung geht erstmals den Ursprüngen der ausgeprägten deutschen Sparmentalität nach, die von kaum einer anderen Nation so gelebt wird. Scheinbar unbeeindruckt von Hyperinflation, Weltwirtschaftskrise und historisch niedrigen Zinsen sparen die privaten und öffentlichen Haushalte ebenso wie die Unternehmen in Deutschland seit langem auf einem konstant hohen Niveau. Auf internationaler Ebene wurde im Zuge der Finanzkrise nicht nur die Rolle Deutschlands bei der Durchsetzung der Sparpolitik im Euroraum, sondern mit Blick auf das Gefährdungspotenzial für die Weltwirtschaft auch das Sparen in Deutschland selbst zunehmend kritisch diskutiert.

Sparen früher: Schalterraum der Berliner Sparkasse im Mühlendammgebäude, nach einer Zeichnung von Albert Kiekebusch, 1894
Schalterraum der Berliner Sparkasse im Mühlendammgebäude, nach einer Zeichnung von Albert Kiekebusch, 1894 © Historisches Archiv der Berliner Sparkasse
 Die Ausstellung in Zusammenarbeit mit der Berliner Sparkasse begibt sich auf die Suche nach den historischen Erscheinungsformen der deutschen Sparneigung: von der Gründung der ersten Knappschaften im 13. Jahrhundert über die Entstehung der Sparkassen im ausgehenden 18. und 19. Jahrhundert bis hin zum Sparen als politischer Ressource und Mittel der Kriegsfinanzierung. Im Fokus steht die Entwicklung des Sparens zum Instrument der Staatsfinanzierung, staatlicher Daseinsfürsorge und Sozialpolitik. Auch die vielschichtige Bedeutung des Sparens im Nationalsozialismus – vom komplementären Verhältnis von Sparideologie und Antisemitismus über die Verzahnung von Finanz- und Staatsapparat bis hin zur Popularisierung des Sparens –  nimmt die Ausstellung in den Blick. Themenräume zur Sparerziehung, zum Geschlechterbild in der Sparwerbung, zur Natursymbolik und zum gegenwärtigen Sparverhalten beleuchten das Phänomen epochenübergreifend. Seitenblicke nach Großbritannien und Frankreich zeigen die Entwicklung des Sparens im internationalen Vergleich, während Expertenstimmen an die aktuellen Debatten anknüpfen.

Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin