Historie: Spandauer Vorstadt – Joachimstraße 20

Joachimstraße 20
Joachimstraße 20, nach 1945
Die Joachimstraße 20 nach 1945.
Foto: Bildindex Marburg, LKB St 1ob-2mtl

Das Bürgerhaus Joachimstraße 20 (Altes Ballhaus) mit spätbarocker Fassade wurde um 1775 fertiggestellt. Nebenan errichtete 1803 der Polizeisekretär Malzahn das ebenfalls zweigeschossige Wohnhaus Nummer 21. Es gleicht sich an das vorhandene Gebäude an.

1817 kaufte der Gastwirt Friedrich Wilhelm Graebert auch dieses Haus und stockte nach vier Jahren beide Häuser auf. Laut Adressbuch aus dem Jahr 1799 befand sich hier eine Schenke, die Fuhrmannsche Tabagie, aus der sich später ein Ballhaus entwickelte. Der Saalbau entstand 1859 im Hof, wurde aber im Zweiten Weltkrieg zerstört. Ursprünglich war das Gebäude zweigeschossig, was sich auch in der Fassade widerspiegelt. Die Aufstockung geschah 1822. Die Fläche über den inzwischen drei Eingängen lässt sich mit dem für das Ballhaus werbenden Vordach erklären.

Historische Wandmalereien
Ein Plakat warb zum täglichen Ball.
Ein Plakat warb zum täglichen Ball.
Foto: www.plakatkontor.de, Knut Hansen

An das Ballhaus erinnern auch Wandbemalungen im Erdgeschoss und die Kontur früherer Anbauten an der Hoffassade. In den meisten Cafés oder Weinrestaurants war es dem Publikum nicht erlaubt, zum Spiel der Musikkapellen zu singen. Ganz anders auf den Tanzböden des Volkes. Meist spielte eine Kapelle von fünf, sechs Mann, vorwiegend Blasmusik. Jeden Tag gab es einen Ball für einen Eintritt von 1,50 Mark. Ein „typisches Berliner Genre“ sei im Ballhaus zu finden, heißt es in einem Reiseführer. „Neben der Halbweltdame trifft man das Berliner Mädel in Rock und Bluse, das sich im Tanz ausleben will.“

Später wurde das “Alte Ballhaus” als Wohngebäude genutzt. 1939 wurden die Nachbarbauten unter Zwangsverwaltung gestellt.

Heute erinnert nichts mehr an das alte Ballhaus.
Heute erinnert nichts mehr an das alte Ballhaus.
Foto: Harald Neckelmann