7. Mai 2021

Vorschau auf das Jahr 2021 im DHM

In Zeiten der Pandemie gibt es keine sicheren Planungen. Aber das Deutsche Historische Museum DHM schaut mit Zuversicht auf das kommende Jahr und bereitet auch aktuell Ausstellungen in der Hoffnung vor, sie bald dem Publikum zeigen zu können. Im kommenden Jahr wird es vier Wechselausstellungen im Pei-Bau präsentieren. Noch im Dezember eröffnet die Fotoausstellung „Report from Exile – Fotografien von Fred Stein“ (11.12.2020 – 20.6.2021) – vorausgesetzt, die künftigen Entscheidungen zur Corona-Lage lassen diesen Zeitpunkt des Beginns der Ausstellung zu.

Standbild aus „DER SPRUNG - 1961“.
Standbild aus „DER SPRUNG – 1961“.
2020 ©Boris Hars-Tschachotin

Im Januar folgt mit Boris Hars-Tschachotins „DER SPRUNG – 1961“ (14.1. – 5.4.2021) die erste 360° Virtual Reality Installation im DHM. Das Foto des flüchtenden DDR-Grenzpolizisten Conrad Schumann aus dem Jahr 1961 gilt als Ikone des 20. Jahrhunderts. Festgehalten wurde dieser Augenblick von dem jungen Fotografen Peter Leibing. Im Deutschen Historischen Museum führt der Regisseur Boris Hars-Tschachotin in einer 360° Virtual Reality-Installation aus dem wiedervereinigten Berlin zurück in das Jahr 1961. Mit Hilfe einer VR-Brille bieten sich den Besuchern drei Filmperspektiven: Die des fliehenden Conrad Schumann in NVA-Uniform (Anton von Lucke), die des Fotografen Peter Leibing (Max von der Groeben) und die des Westberliner Polizisten Manfred Klumm (Daniel Axt). Der 360°-Raum in Farbe erfasst den historischen Moment des Sprungs multiperspektivisch und sprengt erstmals den Rahmen des zugrundeliegenden ikonischen Schwarzweiß-Fotos.

Die Ausstellungen „documenta. Politik und Kunst“ (18.6.2021 – 9.1.2022) und „Die Liste der ‘Gottbegnadeten’. Künstler des Nationalsozialismus in der Bundesrepublik“ (27.8.2021 – 6.2.2022) ergänzen und kommentieren einander ab Sommer 2021.

Prof. Dr. Raphael Gross, Präsident der Stiftung Deutsches Historisches Museum, zum Ausstellungsprogramm 2021:

„Fred Stein zählt zu den wichtigen Chronisten und Porträtisten des deutschsprachigen Exils. Deshalb freue ich mich, dass wir das Werk des deutsch-amerikanischen jüdischen Fotografen nun erstmals in seiner politisch-historischen Dimension zeigen und seine Porträts in den zeitgeschichtlichen Kontext rücken, in dem Stein seine Aufnahmen in den 1930er bis 1960er Jahren machte.

Mit den Ausstellungen über die politisch-ästhetische Geschichte der documenta und über die Liste der sogenannten Gottbegnadeten möchten wir eine neue Perspektive auf die Geschichte der Bundesrepublik in ihrem internationalen Kontext eröffnen. Beide Ausstellungen nehmen das Verhältnis von Politik und Kunst in der nachnazistischen bundesrepublikanischen Gesellschaft in den Blick. Sie korrigieren die Vorstellung eines radikalen ästhetischen Neuanfangs, der vielfach gerade mit der documenta verbunden wird und von den frühen documenta-Machern kräftig bedient worden war. Die documenta-Ausstellung zeigt, wie die politisch motivierte Anbindung an den ‘Westen’ durch eine vermeintlich radikale Abkehr von der NS-Kunstpolitik einerseits und in Abgrenzung zur sozialistischen Kunst des ‘Ostblocks’ andererseits betrieben wurde. Und gleichzeitig gab es Kontinuitäten zum NS, etwa dass die Werke der ermordeten jüdischen Künstlerinnen und Künstler weiterhin nicht gezeigt wurden. Mit der Ausstellung über die bisher praktisch unerforschten ‘Gottbegnadeten’ legen wir offen, wie stark diese Gruppe bildender Künstler des NS-Kunstbetriebs öffentliche Räume nach 1945 dominierte und bis heute dominiert.

Ich bin optimistisch, dass wir unseren Besucherinnen und Besuchern in 2021 wieder ein vielfältiges Programm präsentieren können und danke allen Kolleginnen und Kollegen, die derzeit mit großem Engagement an den geplanten Ausstellungen arbeiten.“

Pei-Bau und Zeughaus des Deutschen Historischen Museums DHM.
Pei-Bau und Zeughaus des Deutschen Historischen Museums DHM.
Foto: Deutsches Historisches Museum/Thomas Bruns

 


Deutsches Historisches Museum
Unter den Linden 2
10117 Berlin