19. April 2021
Weil die Waisenbrücke den Verkehr auf der Spree behinderte, wurde sie 1961 abgerissen.

Waisenbrücke: Berlins alte Mitte verbinden

Die Waisenbrücke soll Berlins alte Mitte wieder verbinden. Deshalb ruft das Stadtmuseum Berlin zum digitalen Wettbewerb auf. Es möchte damit die Diskussion für einen zeitgemäßen Brückenneubau anregen.

Wie lassen sich Nördliche Luisenstadt und Klosterviertel in Berlins historischer Mitte sinnvoll miteinander verbinden? Und wie könnte eine zeitgemäße Spreeüberquerung zwischen diesen Quartieren aussehen? Dazu können Spielebegeisterte ab sofort in einem digitalen Wettbewerb kreative Ideen entwickeln. Zusammen mit dem Computerspiele-Publisher Paradox Interactive hat das Stadtmuseum Berlin den Contest „Let’s Build Berlin“ ins Leben gerufen. Angesprochen wird die internationale Community des Computerspiels „Cities: Skylines”. Die einfallsreichsten und überraschendsten Entwürfe werden prämiert. Die besten Einsendungen werden am „Brückentag“ 14. Mai von einer hochkarätig besetzten Jury ausgezeichnet. Mit der Aktion macht das Stadtmuseum Berlin erneut auf den Sinn und Nutzen einer Brücke am ehemaligen Standort der Waisenbrücke aufmerksam. Außerdem soll dabei die Quartiersentwicklung rund um den Köllnischen Park in den Fokus gerückt werden.

Paul Spies, Direktor des Stadtmuseums Berlin: „Die Rückgewinnung der Waisenbrücke am Märkischen Museum steht schon seit einigen Jahren auf der strategischen Agenda des Stadtmuseums Berlin. Ein neuer Spreeübergang an der Stelle der ehemaligen Brücke ist für die Erneuerung der alten Stadtmitte Berlins sowie für die Anbindung des Märkischen Museums und des zukünftigen Kreativquartiers am Köllnischen Park an das Zentrum unerlässlich. Wir sind froh, dass wir mit Paradox Interactive einen Partner gefunden haben, der sich mit neuen Ideen dem Thema Stadtentwicklung widmet und gemeinsam mit uns neue digitale Wege im bürgerschaftlichen Engagement geht.“

„Let’s Build Berlin“ – Mitmachen lohnt sich!

In der Vergangenheit wurden bereits vielfältige Aktionen veranstaltet, um für eine neue Brücke am alten Standort zu werben. Dies wird nun 2021 fortgesetzt – aufgrund der Corona-Pandemie zunächst digital. Entwürfe für die zwei Wettbewerbs-Kategorien „Neue Waisenbrücke“ und „Areal rund um die Waisenbrücke“ können bis zum 18. April um 18 Uhr eingereicht werden. Mitmachen können alle, die die PC-Version des Spiels „Cities: Skylines“ besitzen und sich mit einem kreativen Beitrag beteiligen möchten. Für die von der Jury ausgezeichneten Beiträge winken neben attraktiven Sachpreisen auch Preisgelder.

Zu gewinnen gibt es in der Kategorie „Neue Waisenbrücke“:

1. Platz         1.000 Euro
2. Platz         600 Euro
3. Platz         400 Euro

In der Kategorie „Areal rund um die Waisenbrücke“:

1. Platz         500 Euro
2. Platz         300 Euro
3. Platz         200 Euro

Zum Wettbewerb: +++ Let’s Build Berlin +++

Eine achtköpfige Jury – darunter Vertreter aus Politik, Kultur, der Bürgerschaft, der Stadtplanung und der Gaming-Community – wird die Entwürfe sichten. Die Gewinner werden am 14. Mai 2021 in einem Live-Stream verkündet.

Zur Waisenbrücke

Die Stadtverwaltung Ost-Berlins ließ die traditionsreiche Waisenbrücke 1960/61 abreißen. Damit verschwand einer der ältesten Flussübergänge der Stadt. Der Übergang hatte die Ufer der Spree in Sichtweite von Fischerinsel und Mühlendamm jahrhundertelang verbunden – zunächst als hölzerne Klappbrücke, dann als repräsentatives steinernes Bauwerk.

Die Errichtung einer neuen Waisenbrücke als Verbindung der Alt-Berliner Quartiere Luisenstadt und Klosterviertel ist bereits im Planwerk Innenstadt von 1999 vorgesehen. Seit 2011 ist es auch ein festgelegtes Sanierungsziel in der Förderkulisse der Nördlichen Luisenstadt. Sogar die Leitlinien des mehrstufigen Beteiligungsverfahrens zur Spreeuferentwicklung in der Nördlichen Luisenstadt von 2015 beziehen eine neue Brücke ein und fordern ein eigenes Verfahren für deren Errichtung. Dabei soll die neue Brücke nicht als historische Kopie, sondern als modernes Bauwerk für den Fuß- und Fahrradverkehr geplant werden.

In den vergangenen Jahren legten Fachleute aus Bauingenieurswesen und Architektur bereits zahlreiche Entwürfe vor. Sie zeigen – ebenso wie die Visionen künstlerischer Arbeiten – das breite Spektrum der möglichen Gestaltung. Nach über 20 Jahren Planungsungewissheit fordert das Stadtmuseum Berlin im Bündnis mit der Betroffenenvertretung für das Sanierungsgebiet Nördliche Luisenstadt (BV), dem Historischen Hafen Berlin / Berlin-Brandenburgische Schifffahrtsgesellschaft e.V., dem Verein der Freunde und Förderer des Stadtmuseums Berlin e.V. und weiteren Anrainern ein abgestimmtes Verfahren sowie einen konkreten Zeitplan für den Brückenneubau.