19. September 2020
Siegerentwurf für das neue Exilmuseum.

Wettbewerb für das Exilmuseum entschieden

Wer entwirft das künftige Exilmuseum am Anhalter Bahnhof? Die Entscheidung für die Architektur ist gefallen. Eine zehnköpfige Jury, bestehend aus Architekten und Vertreter aus Politik und Gesellschaft, hat beim Preisgericht am 13. August 2020 aus neun eingereichten Entwürfen einen Sieger gekürt. Gewonnen hat das Büro Dorte Mandrup aus Kopenhagen. Zur Realisierung des Neubaus unter Einbeziehung der Portalruine am Anhalter Bahnhof wurden zehn international renommierte Architekturbüros mit Erfahrung im Museumsbau eingeladen. Die Eröffnung des neuen Museums ist für 2025 geplant.

In der Auslobung des Wettbewerbs wurden die Architekturbüros gebeten, ca. 3.500 qm Nutzfläche einzuplanen, um allen Bereichen des Museums wie Dauerausstellung, Sonderausstellungen, Gastronomie und Museumsvermittlung Platz zu geben. Auch ist im Foyer ein eintrittsfrei zugänglicher „Raum des Ortes“ geplant, in dem die Geschichte des Anhalter Bahnhofs beleuchtet wird. Darüber hinaus sind ca. 700 qm Fläche für Freizeit- und Kulturangebote durch den Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg und Dritte vorgesehen. Laut Auslobung wird derzeit von Baukosten von rund 27 Millionen Euro für Baukonstruktion und technische Anlagen ausgegangen.

Das künftige Exilmuseum nimmt in seiner Dauerausstellung jene Menschen in den Blick, die aus dem Machtbereich der Nationalsozialisten fliehen konnten und im Ausland Zuflucht suchten. Dieses Thema blieb im Nachkriegsdeutschland lange vernachlässigt und war ein Nebenthema im Schatten der Erinnerung an den Holocaust. Die Flucht- und Migrationsbewegungen der jüngeren Zeit haben eine neue Sensibilität für Vertreibung, Emigration, Exil und Völkermord geweckt. Sie lassen auch einen neuen Blick in die deutsche Vergangenheit zu. Das Exilmuseum wird sich im Kern mit dem Exil nach 1933 beschäftigen, aber stets mit einem Brückenschlag ins Heute. Vor allem die Frage nach der menschlichen Erfahrung des Exils bringt die Exilgeschichten verschiedener Zeiten und Orte zusammen.

Portalruine am Anhalter Bahnhof.
Portalruine am Anhalter Bahnhof.
© Stiftung Exilmuseum Berlin/René Arnold

Neben den historischen Fakten und Zusammenhängen werden viele Einzelbiografien vorgestellt und die verschlungenen, tragischen und überraschenden Lebenswege von Exilanten nachgezeichnet. Dabei wird sich das Museum weniger auf das Ausstellen von Objekten konzentrieren, sondern sehr medial und mit szenografisch inszenierten Räumen arbeiten. So soll eine Nahsicht auf das Thema erzeugt und die Exilgeschichte unmittelbar erfahrbar gemacht werden.

Im Rahmen einer Ausstellung werden alle neun eingereichten Architekturentwürfe für das Exilmuseum Berlin vom 29. September bis zum 17. Oktober 2020 in der Staatsbibliothek an der Potsdamer Straße gezeigt.