29. Februar 2024
Wilma Danielsson Liljestrand, AI-Artwork generiert in NewArc AI, © Wilma Danielsson Liljestrand

Mode im Kunstgewerbemuseum

Welche Inspiration können angehende Modedesigner aus vergangenen Moden ziehen? In Workshops haben sich Studierende des Atelier Chardon Savard, Hochschule Macromedia Berlin, dieser Frage anhand eines Kleids von Hubert de Givenchy von 1986 und einer Interpretation durch Uli Richter aus dem Jahr 1989 genähert. In ihren Recherchen setzten sie sich mit den beiden Designern, dem Kleid, dessen Schnitt und Material auseinander und entwarfen eigene, davon inspirierte Outfits. Die Ergebnisse sind nun im Rahmen einer Sonderpräsentation in direkter Korrespondenz zu dem zyklamfarbenen Abendkleid von Uli Richter und dem Originalschnitt von Givenchy im Berliner Kunstgewerbemuseum zu sehen.

Ausgestellt werden 20 textile Entwürfe junger Studierender des 2. und 5. Semesters des Atelier Chardon Savard, Hochschule Macromedia Berlin, im Modekabinett des Kunstgewerbemuseums. Im Zentrum der Präsentation steht der originale Papierschnitt aus der Herbst/Winter Kollektion 1986 des Haute Couture Hauses Givenchy. Die mal direkten, mal indirekten Inspirationswege können dabei durch die fokussierte Präsentation zwischen Studentenarbeiten und erster Interpretation des Kleides durch Uli Richter von 1989 detailliert nachvollzogen werden.

Zusätzlich haben sich Bachelor-Studierende der Fächer Modedesign und Modeillustration aus den 3. und 5. Semestern intensiv mit der virtuellen Umsetzung dieses Themas auseinandergesetzt und präsentieren im Modeatelier des Kunstgewerbemuseums AI-generierte Kunstwerke, die mit der App „New Arc AI“ entstanden sind, und die die historischen Entwürfe neu interpretieren und visualisieren. Dabei lassen sich spannende Querverweise finden zwischen fertigem Modell, analoger und digitaler Fotografie, wie zum Beispiel die Studierende Franka Dehmel mit ihren textilen, analogen und digitalen Entwürfen belegt.

„Dies ist nun bereits die zweite Zusammenarbeit zwischen ACS, Macromedia Berlin und dem Kunstgewerbemuseum“, so Karolin Violante, Projektleiterin seitens der Hochschule Macromedia Berlin. „Bei jeder Gelegenheit erlebe ich es so, als ob sich mir ein kleines Fenster in eine Schatzkammer öffnet. Gleiches empfinden die Studierenden, die die Möglichkeit schätzen, die Schnitte, Verarbeitungen und Materialien der Meister vor Ort zu erkunden. Die Studierenden beschäftigen sich intensiv mit dem Schnitt von Givenchy, der Glanz und Eleganz sowie das damalige Frauenbild verkörpert. Dabei integrieren sie zeitgenössische Themen, die sie persönlich bewegen, um das Kleid auf innovative Weise neu zu interpretieren. Eine faszinierende Erfahrung bietet zudem die Zusammenarbeit mit der Kuratorin bei der Entwicklung von Ausstellungskonzepten. Diese sollen nicht nur nahtlos in die Räumlichkeiten des Museums integriert werden, sondern auch ein junges Modepublikum während der Fashion Week in Berlin ansprechen, die am Wochenende beginnt.“

„Die Kooperation mit ACS, Macromedia Berlin entspricht ganz und gar meinen Vorstellungen eines lebendigen Museums, das auch die junge Generation anzieht, inspiriert und eine intensive Auseinandersetzung mit unseren Sammlungen ermöglicht“, so Sibylle Hoiman, Direktorin des Kunstgewerbemuseums. „Abgesehen davon, dass mit dieser Form der Zusammenarbeit auch der Gründungsgedanke von Kunstgewerbemuseen aktiviert wird, freut es mich einfach, wenn wir Nachwuchsdesignern die Möglichkeit geben können, sich hier im Haus mit ihren Ideen zu präsentieren. Das ist auch für uns eine große Bereicherung. Ich bin sehr beeindruckt von der Qualität der entstandenen Stücke und wie professionell sie auch in der Gesamtschau wirken. Es wäre wunderbar, wenn wir solche Kooperationen auch in Zukunft umsetzen könnten.“

Für die Vernissage am Donnerstag, 1. Februar 2024, ist ein rekonstruiertes Givenchy-Kleid in Nessel nachgenäht worden und wird auf einer Figurine ausgestellt. Es kann als Hands-on von Besuchern bemalt und beschrieben werden. Der Originalschnitt von Givenchy wurde von einer Studentin gradiert, so dass Besucher im Modeatelier des Kunstgewerbemuseums das Kleid in drei Größen anprobieren können.

Im Rahmen der Ausstellung ist der Workshop-Tag „Ich nähe mein eigenes Givenchy Kleid“ in Planung, an dem die Teilnehmenden die Möglichkeit erhalten, das Givenchy-Kleid nach dem Originalschnitt nachzunähen. Modedesign-Studierende des Atelier Chardon Savard werden den Workshop betreuen.

Past Intelligence: Givenchy. Uli Richter. Students

bis 26. Mai 2024

Eine Sonderpräsentation des Kunstgewerbemuseums – Staatliche Museen zu Berlin und der Hochschule Macromedia Berlin

Wilma Danielsson Liljestrand, AI-Artwork generiert in NewArc AI,
© Wilma Danielsson
Liljestrand