Maßschuhmacherei Hennemann und Braun

Kirstin Hennemann liebt Dinge, die einen durchs Leben begleiten: Nachhaltigkeit, Langlebigkeit, alles andere als ein Wegwerfprodukt zu schaffen. Das sind die Themen, die sie in ihrem Beruf als Schuhmachermeisterin begeistern.

Die Leisten der Kunden hängen nummeriert und sortiert an der Wand.

Ihre Lehre absolvierte sie bei einem Theaterschuhmachermeister, danach arbeitete sie bei einem Herrenschuhmachermeister und in der Orthopädie, die Meisterprüfung packte sie schließlich in der Abendschule, ehe sie 2002 nach Berlin zog, um sich hier selbstständig zu machen. Die breitgefächerte Ausbildung schenkt ihr bis heute einen großen Angebotsspielraum und dadurch einen größeren Kundenkreis. Sie denkt quer, löst sich von der konventionellen Geschichte. Ihr geht es um Individualität und Ungezwungenheit, darum, für jeden den besten Schuh zu schaffen. Ihre Philosophie: Schuhmacher und Kunde kreieren gemeinsam den richtigen Schuh.

In Kirstin Hennemanns Maßschuhmacherei lernt man, zwischen Maßkonfektionsschuhen und echten Maßschuhen zu unterscheiden. Die Maßkonfektion bietet nämlich nur eine gewisse Auswahl standardisierter Formen, Obermaterialien und Farben, sodass ein Schuh nur mäßig flexibel etwa für zwei unterschiedlich große oder breite Füße angepasst werden kann. Maßkonfektionsschuhe decken einfach nur eine ganz kleine Bandbreite an Variationsmöglichkeiten ab, »während man beim echten Maßschuh eben komplett durchgeplant genau das bekommen kann, was man haben möchte«, so die Schuhmachermeisterin.

Ein rahmengenähter Schuh, bevor die Sohle aufgebracht wird.

Vom Auftrag bis zum fertigen Schuh vergehen ungefähr drei bis vier Monate. Zuerst wird Maß genommen, danach werden Holzleisten beim Leistenbauer bestellt, die für jeden Kunden eigens angefertigt werden. Diese Leisten werden dann nach den Fein- und Besonderheiten der Kundenfüße modelliert und in die jeweils individuelle Form gebracht. Gemeinsam mit dem Kunden werden Form, Nähte und Schnitt aufgezeichnet und das Obermaterial ausgewählt; bald darauf kann die erste Anprobe stattfinden. Ein Maßschuh kostet etwa ab 1500 Euro. Zusätzlich werden einmalig 500 Euro für die eigens angefertigten Leisten berechnet. Kirstin Hennemann: „Bedenkt man, dass ein Maßschuh eine Lebensdauer von gut und gerne zehn Jahren hat, relativieren sich die Kosten wieder.“

Ein Herrenschuh entsteht in über 300 Arbeitsschritten. Oberfläche, Futter und Sohle sind aus Leder. Reine Arbeitszeit mindestens anderthalb Wochen. Vom klassischen, rahmengenähten Budapester über den sportlichen Freizeitschuh mit leichtem, flexiblem, geklebtem Boden bis zum mondänen silbernen Straußenlederschuh ist alles möglich. Ob Damen-, Herren- oder Freizeitschuhe – in der Maßschuhmacherei Hennemann werden auch die ausgefallensten Wünsche umgesetzt.


Maßschuhmacherei Hennemann und Braun
Sophienstraße 28/29, 10178 Berlin
www.massschuhmacherei.de