Auftakt zum 100-jährigen Bühnenjubiläum

Der Friedrichstadt-Palast läutete sein 100-jähriges Bühnenjubiläum mit einer Enthüllung ein: Ein Fassadenteil der alten Markthalle, aus der 1919 das Große Schauspielhaus hervorging. Gleichzeitig öffnet sich der Palast auch tagsüber der Stadt und gibt allen Interessierten die Möglichkeit, kostenlos das Foyer und eine Ausstellung zur Geschichte des Hauses zu besichtigen.

Das Geschenk
Zum 100-jährigen Bühnenjubiläum wurde das Architekturfragment aufgestellt und eingeweiht.
Zum 100-jährigen Bühnenjubiläum wurde das Architekturfragment aufgestellt und eingeweiht.

Zum Auftakt der Jubiläumsspielzeit ‚Ein Jahrhundert Palast‘ hat sich das Haus selbst beschenkt: mit einem sechs Meter langen und vier Meter hohen gusseisernen 152 Jahre alten Fassadenteil der alten Markthalle. Zur Enthüllung war auch der (West-) Berliner Architekt Dr. Helmut Maier anwesend, der beim Abriss des alten Palastes 1985 das Teil aus dem Bauschutt gerettet hat. Außerdem der (Ost-) Berliner Jürgen Ledderboge, der damals in seiner Funktion als Oberbauleiter des neues Palastes mit Maier das Architekturfragment aussuchte und zum Abtransport über die innerstädtische Staatsgrenze vorbereitete – eine ganz besondere deutsch-deutsche Anekdote…

2016 wurde das imposante Originalteil auf einem Kreuzberger Hinterhof von Guido Herrmann, Verwaltungsdirektor des Palastes, „wiederentdeckt“ und in der Folge professionell restauriert. Es steht nun an der Palastseite Johannisstraße/Ecke Friedrichstraße. Die edle Gestaltung, auch des Sockels, wurde von den Künstlern Oliver Störmer und Cisca Bogman (stoebo) erbracht, die 2015 nur wenige Meter entfernt auch das Denkzeichen für die drei Gründer des Palastes – Max Reinhardt, Hans Poelzig und Erik Charell – gestaltet haben.

Intendant Dr. Berndt Schmidt eröffnete die Zeremonie.
Intendant Dr. Berndt Schmidt eröffnete die Zeremonie.

Bei der Zeremonie zum Bühnenjubiläum, die durch Intendant Dr. Berndt Schmidt eröffnet wurde, sprachen Paul Spies, Direktor der Stiftung Stadtmuseum Berlin und Chef-Kurator des Landes Berlin im Humboldt Forum, sowie Guido Herrmann in seiner weiteren Funktion als Kurator des Jubiläumsprogramms. „Die Jubiläumsspielzeit soll Fenster öffnen. Wir wollen neugierig machen, in die Geschichte einzutauchen, auf vielfältige Art und Weise. Und wenn wir Fenster öffnen, was liegt dann näher, als die Türen des Hauses gleich ganz zu öffnen? Ab heute ist das im Foyer Wirklichkeit“, so Guido Herrmann.

Mit den Klängen von ‚Babylon Berlin‘, gespielt durch die Showband des Hauses, wurde das Erdgeschoss des Foyers offiziell auch tagsüber geöffnet für die Stadt. Auf diese Weise sollen Touristen und neugierige Berliner kostenfrei Einblicke in ihren Palast an der Friedrichstraße 107 bekommen. Das Foyer-Erdgeschoss ist nun dank einer von der Stiftung Stadtmuseum Berlin unterstützten Ausstellung ein Parcours durch die 100-jährige Geschichte der heute größten Theaterbühne der Welt.

Der Friedrichstadt-Palast hat eine bewegte und wechselvolle Geschichte: Als Markthalle im Jahr 1867 gegründet, eröffnete am 29. November 1919 Max Reinhardts Großes Schauspielhaus – damit begann die 100-jährige Bühnengeschichte. Unter den Nationalsozialisten in Theater des Volkes umbenannt, heißt das Haus seit 1947 Friedrichstadt-Palast, und steht seit 1984 an der Friedrichstraße 107.

Die Dauerausstellung zeigt die Geschichte des Hauses.
Die Dauerausstellung zeigt die Geschichte des Hauses.

Die Dauerausstellung ist in sechs Epochen unterteilt und behandelt die Vorgeschichte zur Bühnenzeit (1867 – 1919), das Große Schauspielhaus (1919 – 1933), das Theater des Volkes im Nationalsozialismus (1933 – 1945), den Palast im Nachkriegsberlin ohne Mauer (1945 – 1961), die Epoche der geteilten Stadt (1961 – 1989/90) sowie den Palast der Gegenwart (1990 – heute). So können Gäste die Original-Lizenz der sowjetischen Militär-Kommandantur für die Wiederaufnahme des Theaterbetriebs nach dem Krieg oder auch ein Showkostüm von Jean Paul Gaultier bestaunen.

Mit Tablets können Interessierte in Programmheften aus den unterschiedlichen Dekaden blättern sowie Interviews mit Zeitzeugen sehen. Für die erste Testphase der nächsten beiden Monate bis Mitte November gelten folgende Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag: 11-17 Uhr
Samstag/Sonntag: 11-14 Uhr

Mit den Erkenntnissen der Testphase werden die Öffnungszeiten ggfs. optimiert. Die Foyer-Besichtigung ist bis Juni 2020 geplant.


Zur Geschichte

Das Große Schauspielhaus wurde 1919 vom visionären Theatermacher Max Reinhardt eröffnet. Den Umbau des ehemaligen Zirkus realisierten der modernistische Architekt Hans Poelzig und seine Frau Marlene Moeschke-Poelzig. Der Regisseur Erik Charell wiederum prägte dort mit den großen Revuen das Bild der ‚Goldenen Zwanziger‘ und damit den weltweiten Ruf Berlins. Marlene Dietrich, Josephine Baker, Louis Armstrong und viele andere Größen standen in der Folge auf der Bühne des 5.000 und später über 3.200 Gäste fassenden Theaters.

1980 musste der alte Palast geschlossen und später abgerissen werden, da sich der Untergrund gesenkt und der Bau dadurch statisch verzogen hatte. Am 27. April 1984 wurde der neue Palast an der Friedrichstraße 107 als letzter großer Prachtbau der DDR neu eröffnet und beeindruckt bis heute mit der größten Theaterbühne der Welt. Der Neubau des Friedrichstadt-Palastes bietet 1.900 Sitzplätze und ist damit das größte Theater Berlins. Die Tradition der Revue wird im Palast hochmodern fortgeführt und macht das Haus mit jährlich 700.000 Gästen zur meistbesuchten Bühne Berlins. 2019 wird das 100-jährige Bühnenjubiläum gefeiert.